“Sie macht ihre Sache immer gut“

Ein Posten für die Tochter? Ivanka ist Donald Trumps rechte Hand

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Ivanka Trump war am Mittwoch eine der ersten Gratulantinnen des designierten US-Präsidenten Donald Trump

New York - Im Sommer fabulierte Donald Trump über einen Kabinettsposten für Tochter Ivanka. Wahr ist immerhin: Das Ex-Model hat schon häufiger als Papas rechte Hand fungiert.

Familienbande in der großen Politik - das ist eine Konstellation, die schon häufiger für Stirnrunzeln gesorgt hat. Wenn sich in Nordkorea oder auf Kuba Vater und Sohn oder zwei Brüder das Zepter der Macht weiterreichen, gilt das vor allem als ein Anzeichen für undemokratischen Klüngel. Auch die beiden Bush-Männer im US-Präsidenten-Amt, Vater George (1989-1993) und Sohn George W. (2001-2009), werden wohl nicht als astreiner Glücksfall in die Historie eingehen.

Die jüngste US-Wahl hätte nun ein neues Kapitel zu dieser komplexen Geschichte hinzufügen können: Hätte Hillary Clinton gewonnen, wäre mit ihr Ex-Präsident Bill ins Weiße Haus eingezogen. Dazu kommt es nun zwar nicht. Aber Donald Trump könnte, wie so oft, in seinem politischen Handeln noch einen drauf setzen. Der Mogul ist bekannt dafür, im eigenen Imperium Posten an seine Sprösslinge zu verteilen. Und es scheint nicht ganz undenkbar, dass er nun die Regierung der Vereinigten Staaten eben diesem Imperium zurechnet.

Fähige Frauen? Donald Trump fällt nur Ivanka ein

Erste Anwärterin für eine hochrangige Zuarbeiter-Position wäre wohl Trumps älteste Tochter Ivanka. Im Sommer fabulierte Donald Trump schließlich schon darüber, der 35-Jährigen einen Ministerposten zu geben: Auf die Frage, ob es auch weibliche Anwärterinnen auf einen Platz in einem Kabinett Trump gebe, fiel dem designierten US-Präsidenten im Interview mit dem US-Sender FirstCoast News nur seine Tochter ein. 

„Sie ist sehr beliebt, sie hat ihre Sache immer sehr gut gemacht und ich kenne Ivanka sehr gut“, lobte Donald Trump. Wenngleich er den Vorstoß auch umgehend wieder etwas relativierte: „Es gibt wirklich so viele talentierte Leute - so wie Sie“, schäkerte Trump mit Moderatorin Angelia Savage. 

Vizepräsidentin ist sie schon - im Trump-Imperium

Ob Trump seine Tochter wirklich zur Ministerin machen könnte, bleibt für den Moment allerdings eine offene Frage. Auch in den USA und für einen „Anti-Establishment-Kandidaten“ gibt es Parteiproporz und interne Seilschaften zu beachten. Aber dass Trump seine Ivanka auf die eine oder andere Art in die Politik zieht, das wäre durchaus möglich. Die 35-Jährige hat schon häufiger als seine rechte Hand fungiert.

Die Liste ihrer Engagements ist lang. Zuletzt, im Wahlkampf, tingelte Ivanka Trump mit ihrem Vater durchs Land, um Wählerinnen zu begeistern. In Trumps Fernsehshow „The Apprentice“ trat sie als „Beraterin“ der Kandidaten auf. 

Und vor allem: Im Trump‘schen Konzern „Trump Organization“ ist Ivanka nicht nur Vizepräsidentin der Abteilung für Immobilien, sondern seit 2015 auch so etwas wie kommissarische Geschäftsführerin. Das allerdings zusammen mit ihren Brüdern Don und Eric. Der „Vogue“ erzählte Ivanka 2015 stolz, die von ihr beaufsichtigten Groß-Bauprojekte würden schneller fertig als erwartet. Ein Phänomen, das zumindest in Deutschland Seltenheitswert hätte. Wie viel Anteil die Tochter des Moguls tatsächlich an solchen Erfolgen hat - das können wohl nur die leitenden Mitarbeiter des Trump-Konzerns einschätzen.

Akademikerin und Model für Versace

Ivanka - deren Vorname eine Verniedlichung des Namens ihrer Mutter Ivana ist - hat sich schon auf verschiedensten Feldern ausprobiert. Sie ist Geschäftsfrau und nationale TV-Bekanntheit, wenn auch von Papas Gnaden. Dazu hat die 35-Jährige einerseits ein Wirtschaftsstudium mit Auszeichnung bestanden und drei Kinder zur Welt gebracht. Und andererseits jahrelang erfolgreich gemodelt, unter anderem für Versace und Tommy Hilfiger.

Mit Kritik hat Ivanka dann und wann aber auch zu kämpfen. Ihre eigene Modelinie im Hause Trump etwa sorgt schon mal für Kontroversen. Die Tierschutzorganisation PETA hat Ivanka im Visier, weil Hasenpelze verarbeitet wurden. Und die US-Verbraucherschutzbehörde rief vor Kurzem „Ivanka-Trump-Schals“ zurück, weil die Textilien unzulässig leicht in Flammen aufgehen, wie die „Washington Post“ berichtete.

Und ihre beste Freundin ist...

Ausreichend gut vernetzt für eine Strippenzieherin in der US-Politik wäre Ivanka Trump hingegen. Verheiratet ist sie mit Investor Jared Kushner - ihm gehört auch der Verlag des „New York Observer“. Die Zeitung war, wenig überraschend, eine der wenigen, die im Wahlkampf für Donald Trump trommelten. 

Und dann sind da auch noch einflussreiche Freundinnen. Wenn auch auf unerwarteter Seite: Ausgerechnet Chelsea Clinton, Hillary und Bill Clintons Tochter, zählt zum engen Vertrautenkreis um die Trump-Tochter - die sich selbst übrigens, durchaus im Kontrast zur derben Rhetorik ihres Vaters, als Anwältin moderner Frauen sieht. 

Chelsea Clinton jedenfalls schwärmt von Ivanka Trump. „Sie achtet auf alle um sie herum und darauf, dass alle sich wohlfühlen“, berichtete sie in einem Interview. „Es ist eine Art von Aufmerksamkeit, die mich irgendwie an meinen Dad erinnert.“ Und der ist schließlich erfolgreicher Politiker geworden. Gut möglich also, dass die US-Politik noch wesentlich länger als erwartet ein Auge auf die gesamte Trump-Sippe haben muss. Die ersten Stars wollen aus den Vereinigten Staaten bereits auswandern.

Florian Naumann

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