Publizist teilt aus

Todenhöfer über AfD: "Das ist Volksverdummung"

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Jürgen Todenhöfer

München - In einem Interview poltert Jürgen Todenhöfer über die AfD und nennt die Ansichten der rechtspopulistischen Partei zum Islam "verfassungsfeindlich".

Erst am vergangenen Sonntag verabschiedete die Alternative für Deutschland (AfD) erstmals ein Grundsatzprogramm. Dabei debattierten die rund 2000 Mitglieder auf dem Parteitag in Stuttgart besonders lange über die Punkte Asyl und den Islam. Wer glaubte, die AfD schlage bei diesen Themen moderatere Töne als in der Vergangenheit an, der sah sich getäuscht. Eher noch nutzte die AfD die Parteiveranstaltung, um ihre Anti-Islam-Haltung zu untermauern. So lassen sich in dem beschlossenen Grundsatzprogramm Sätze wie "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" und "Deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus" als Beweis für den Rechtsdrift der Partei finden. Des weiteren fordert die AfD die Abschaffung der Minarette, ein Kopftuchverbot für muslimische Schüler-und Lehrerinnen ebenso wie den Muezzinruf.  

Als ein Verteidiger des Islams ist dem Publizist Jürgen Todenhöfer die Haltung der AfD ein Dorn im Auge. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" nennt er die Ansichten der Partei zum Islam "verfassungsfeindlich". Todenhöfer, der sich in der Vergangenheit immer wieder über den Islam äußerte, lässt kein gutes Haar am Grundsatzprogramm der AfD. "Mit ihrer Aussage, der Islam sei mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar, stellt sich die AfD in direkten Widerspruch zu unserer Verfassung, die Religionsfreiheit ja ausdrücklich garantiert", meint der 75-Jährige.

"Es passt nicht in ihr Feindbild"

Der Ruf der AfD nach einem Verbot der Minarette und des Muezzinrufs nennt der Publizist "Volksverdummung. In Deutschland gibt es mit Rendsburg, Neumünster und Gladbeck nur drei Städte, in denen der Muezzin zum Gebet ruft." Dabei "gibt es in muslimischen Ländern tausende christliche Kirchen, in denen fröhlich die Glocken läuten. Das wird von der AfD ausgeblendet. Es passt nicht in ihr Feindbild", poltert der ehemalige Bundestagsabgeordnete der CDU.

Für die Aussage des AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen, der Islam als Religion sein gefährlicher als andere Religionen, hat Todenhöfer kein Verständnis: "Viele AfD-Leute sind bemerkenswert ignorant. Das Gegenteil ist der Fall. Die überwältigende Mehrheit der Muslime ist wahrscheinlich demokratiefreundlicher als viele AfD-Mitglieder."

Der promovierte Jurist verweist auf Studien des "European Social Survey", die besagen, dass "in Deutschland die Zufriedenheit mit der Demokratie bei Muslimen höher ist als bei Christen." Das sei laut Todenhöfer "eine Ohrfeige gegenüber einer Partei, die demagogisch den Eindruck zu erwecken sucht, der Islam passe nicht zu unserem Land, er sei grundgesetzfeindlich."

kus

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