Ton ist deutlich sanfter geworden

Kirchen und CSU: Sind alle Probleme ausgeräumt?

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„Für jeden, der sich christlich nennt, ob Kirchen, Vereine, Gruppen, soziale Einrichtungen und Parteien sowie alle Einzelpersonen gilt, dass sie sich täglich bemühen müssen, dem zu entsprechen, was sie auf ihr Etikett geschrieben haben“, sagte der Erzbischof Ludwig Schick der Deutschen Presse-Agentur in Bamberg.

Immer wieder kritisierten namhafte Kirchenvertreter in den vergangenen Monaten die CSU für Aussagen und Inhalte ihrer Zuwanderungspolitik. Inzwischen ist es wieder ruhig geworden - aber sind auch alle Probleme ausgeräumt?

München - Der zuletzt teils raue Ton zwischen einigen Kirchenvertretern und der CSU wird wieder deutlich sanfter. „Für jeden, der sich christlich nennt, ob Kirchen, Vereine, Gruppen, soziale Einrichtungen und Parteien sowie alle Einzelpersonen gilt, dass sie sich täglich bemühen müssen, dem zu entsprechen, was sie auf ihr Etikett geschrieben haben“, sagte der Erzbischof Ludwig Schick der Deutschen Presse-Agentur in Bamberg. Es sei „sehr erfreulich und anzuerkennen“, dass die CSU im neuen Grundsatzprogramm auf der Basis „christlich-jüdisch-abendländischer Werte“ Politik gestalten wolle.

Auch andere Geistliche wie der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs erklärten auf Anfrage, man habe sich inzwischen wieder verständigt und die Sache sei damit erledigt. Deshalb ziehen es viele Kirchenvertreter wieder vor, sich nicht mehr zu parteipolitischen Fragen zu äußern.

Kritik an Zuwanderungspolitik der CSU

Vor einigen Wochen war das noch völlig anders. Schick, Fuchs und viele andere hochrangige Kirchenvertreter, darunter der Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatten die Zuwanderungspolitik der CSU und insbesondere ihren Generalsekretär Andreas Scheuer teils heftig kritisiert: „Ich will, dass alle, und besonders natürlich die, die ein C im Namen führen, sich auch entsprechend verhalten“, schimpfte Schick noch im September und ermahnte die CSU zur Verfassungstreue. Herabwürdigungen oder Verletzungen der Menschenwürde dürften Christen nicht stehen lassen.

Fuchs hatte sich insbesondere an einer abfälligen Aussage Scheuers gestört. Dieser hatte nach dem Hinweis „Entschuldigen Sie meine Sprache“ vor Journalisten in Regensburg erklärt: „Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben.“

Daraufhin hatte auch CSU-Chef Horst Seehofer erklärt, es brauche klärende Gespräche: „Es gibt einen Dialogbedarf. Wenn ein Politiker einen Dialog auslöst, muss er ihn auch führen.“ Die hat Scheuer inzwischen auch vielfach geführt. Seehofer forderte unterdessen die Kirchen auf, sich weiter einzumischen. „Ich will, dass sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften einmischen in die tägliche, praktische Politik“, sagte er in dieser Woche in Würzburg.

Scheuer sieht jüngsten Twist ausgeräumt

Wie die Kirchenvertreter sieht auch Scheuer den jüngsten Zwist ausgeräumt: „Ich habe einen breiten und intensiven Dialog mit vielen Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche geführt.“ Die Kirchen würden eine „Riesenaufgabe“ im gesellschaftlichen Diskurs leisten und in der Zuwanderungspolitik eine „besonders wichtige Rolle spielen“. Dazu gehöre aber auch, dass es mal Meinungsverschiedenheiten gebe, wenn über den richtigen Weg diskutiert werde. Das C sei dennoch selbstverständlicher Teil der CSU-DNA.

„Das „christliche Menschenbild“, „christliche Werteorientierung“, die Aussage über die Geschlechter Frau und Mann, über Ehe und Familie, das Gemeinwohl und Integration belegen das C im Parteinamen“, sagte auch Schick nun wieder. Alle Parteien und Gruppen in der Gesellschaft, auch jene, die sich nicht ausdrücklich christlich nennen, bezögen sich oft in ihren Leitlinien, Satzungen und Programmen auf christliche Maßstäbe, auf denen auch das Grundgesetz basiere. Alle seien aber auch gehalten, „entsprechend zu handeln“.

dpa

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