Kommentar zur Seehofer-Attacke

Der Schuss geht nach hinten los

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Barbara Wimmer.

München/Berlin - Nach der Wahlschalppe in Mecklenburg-Vorpommern muss sich Angela Merkel viel Kritik aus dem Süden anhören. Stattdessen könnte es die CSU selbst sein, die der AfD den Weg ebnet. Ein Kommentar. 

Erst zwei Tage nach der Meck-Pom-Wahl trat der zürnende große Mann aus dem Süden selbst auf, um seine Strafpredigt auf Angela Merkel niedergehen zu lassen. Zuvor hatten CSU-Sprachrohre aus der zweiten Reihe namens Edmund Stoiber und Markus Söder ihre Giftpfeile auf die Kanzlerin abgeschossen. Sie allein und ihre Flüchtlingspolitik soll für das desaströse Abschneiden der CDU und den Triumph der rechtspopulistischen AfD im Nordosten verantwortlich sein. 

Wirklich? Seit Jahren hört man auch hier im Süden von „braunen“ Landstrichen in Ostdeutschland. Gekümmert hat das niemanden; es wurden sogar Zuschüsse für Jugendzentren etc. gestrichen. Dass sich, nicht nur in der Ex-DDR, Menschen angesichts der auseinandergehenden Schere zwischen Arm und Reich von der Regierung verlassen fühlen, findet auch wenig Beachtung. 

Es gibt viele Gründe, von traditionellen Parteien enttäuscht zu sein. Von der Flüchtlingskrise und der angeblichen Bedrohung durch sie erfuhr man im spärlich besiedelten und kaum von Migranten belasteten Hinterland von Schwerin dank den andauernden Anti-Merkel-Attacken der CSU und Co. Es ist ja wahr, dass Angela Merkel die Kraft der emotionalen und charismatischen Ansprache fehlt, die Bürger auf das neue Gemeinschaftsprojekt Integration einzuschwören. Das ist es aber gar nicht, was die CSU-Herren bemängeln. Sie wollen die Stimmen derer, die – auch wegen der christsozialen Untergangsprophezeiungen – skeptisch sind. Und bereiten vielleicht gerade damit den falschen Heilsbringern der AfD den Weg.

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