Massenexekution: IS tötet fast 200 Menschen

Kairo - Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben binnen drei Tagen rund 200 Menschen bei mehreren Massenhinrichtungen in der westirakischen Provinz Anbar getötet.

Im Westirak haben Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer Machtdemonstration binnen drei Tagen rund 200 Mitglieder eines sunnitischen Stammes getötet. Die Sunniten, darunter auch Frauen und Kinder, waren nach Medienangaben wegen ihrer Unterstützung der irakischen Regierung umgebracht worden. Weitere sieben Menschen starben bei einem Anschlag während einer schiitischen Prozession in der Hauptstadt Bagdad.

Bei den Opfern der Massenexekutionen in der westirakischen Provinz Anbar handelte es sich nach Angaben einer Sicherheitsbeamtin um Mitglieder des Al-Bu Nimr-Stammes. Allein in der Nacht zum Sonntag seien 67 Mitglieder, darunter auch Frauen und Kinder, umgebracht worden, berichtete die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News unter Berufung auf einen Stammesführer. Rund 125 Mitglieder des Stammes halte der IS weiter als Geiseln.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Mord an den Stammesangehörigen. Das „Verbrechen“ zeige die Brutalität der IS-Miliz.

Angehörige des sunnitischen Stammes sollen an der Seite schiitischer irakischer Soldaten gegen den IS gekämpft haben. Die sunnitisch-extremistische Miliz verfolgt den Stamm daher mit besonderer Härte. Seit dem Vorstoß des IS in den Irak sind Sunniten und Schiiten im Land stärker denn je gespalten.

Bei einem Bombenanschlag auf eine schiitische Aschura-Prozession in Bagdad wurden am Sonntag sieben Menschen getötet und mindestens 22 verletzt. Die Bombe sei an der Strecke der Prozession im Süden Bagdads explodiert, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. Beim Aschura-Fest wird an den Tod des für Schiiten bedeuteten Imams Hussein erinnert, der im 7. Jahrhundert von einer sunnitischen Armee im Irak getötet wurde. Der Höhepunkt des Festes findet an diesem Dienstag statt. Experten befürchten weitere Anschläge.

Die irakische Armee hatte nach Angaben von Al-Sumaria am Wochenende eine Offensive gegen die dortigen IS-Extremisten begonnen. Bei Angriffen auf IS-Stellungen östlich der Stadt Ramadi seien sie dabei von Luftschlägen der internationalen Koalition unterstützt worden.

Auch im nordsyrischen Kobane an der Grenze zur Türkei flog die Allianz erneute Angriffe gegen IS-Stellungen. Bei Luftschlägen südlich der Stadt seien am Wochenende mindestens sechs Dschihadisten getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Mindestens acht weitere IS-Kämpfer bei Gefechten mit den kurdischen Volksschutzeinheiten getötet worden.

In der Nacht zum Samstag waren nordirakische Peschmerga zur Unterstützung über die Türkei nach Kobane gekommen. Rund 150 Kämpfer sollen den Kurden helfen, die syrische Grenzstadt gegen den IS zu verteidigen. Die Verteidiger kamen mit schweren Waffen. Der IS belagert die Stadt von drei Seiten. Die Miliz beherrscht das Umland und rund 60 Prozent von Kobane. Ein Sieg wäre für sie militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein großer Erfolg, da selbst US-Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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