Russlandfreunde und Islamfeinde im Stab

Justizminister klar! Trumps radikales Team nimmt Konturen an

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Der designierte US-Präsident Donald Trump.

New York - Donald Trump lässt sich mit der Bestallung seines Kabinetts Zeit. Nach chaotischem Beginn scheint etwas Ordnung in den Prozess zu kommen. Noch können alle alles werden, aber einige Antworten gibt es schon.

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat Jeff Sessions am Freitag zu seinem Justizminister gemacht. Trump und sein Team hatten sich bereits mehrfach sehr lobend über Jeff Sessions geäußert, den erzkonservativen Hardliner, gegen den es seit langem Rassismus-Vorwürfe gibt. Er ist Senator von Alabama.

Er unterstütze "mit Enthusiasmus" Trumps Vision von Amerika, erklärte Sessions. Er wolle sein neues Amt als Justizminister mit "standhaftem Engagement für Fairness und Gerechtigkeit" erfüllen. Sessions ist seit 1997 Senator und vertritt den Südstaat Alabama.

Jeff Sessions wird der nächste US-Justizminister.

Der 69-Jährige hat sich in der Vergangenheit für eine Verringerung der Staatsausgaben und für eine harte Gangart bei der Verbrechensbekämpfung eingesetzt. Zudem steht er für einen konsequenten Kampf gegen illegale Einwanderung. Im Wahlkampf war Sessions der erste Senator, der sich hinter Trumps Kandidatur für die Republikanische Partei stellte.

Als Nationalen Sicherheitsberater habe er den Ex-General Michael Flynn ausgewählt, erklärte Trump. Flynn wird damit den Präsidenten bei sämtlichen Fragen der nationalen und der internationalen Sicherheit beraten. Da Trump selber auf diesen Gebieten keine Erfahrung hat, käme dem Drei-Sterne-General enormer Einfluss zu. Er legt dem Präsidenten dessen Reaktion auf Krisen nahe.

Powell nannte Flynn einen verrückten Rechten

Flynn (57) ist vor allem wegen seiner radikalen Haltung zum Islam umstritten. Er hält ihn für eine politische Ideologie, nicht für eine Religion. Er war von 2012 bis 2014 Direktor des Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency, bevor er entlassen wurde.

Flynn tritt wie Trump für eine Entspannung mit Russland ein. Er ist mehrmals im staatlichen russischen TV-Sender Russia Today aufgetreten. Flynn beriet Trump bereits während des Wahlkampfs und hielt auch beim Parteitag der Republikaner im Juli eine Rede. Er führte „Sperrt sie ein“-Sprechchöre gegen Hillary Clinton an. Ehemalige Mitarbeiter beschreiben ihn als verwirrt, Ex-Außenminister Colin Powell nannte Flynn einen verrückten Rechten.

General Michael Flynn berät Trump in Sicherheitsfragen.

Mike Pompeo (52) soll zudem nach dem Willen Trumps CIA-Direktor werden. Pompeo folgt damit als Direktor John Brennan nach. Pompeo gehört dem US-Abgeordnetenhaus seit 2010 an und vertritt den Bundesstaat Kansas. Er war im Wahlkampf ein profilierter Kritiker der Demokratin Hillary Clinton. Pompeo unterstützte FBI-Direktor James Comey öffentlich darin, kurz vor der Präsidentenwahl das Thema ihres privaten E-Mail-Servers neu anzugehen. Die CIA ist der Auslandsgeheimdienst der USA. Ihr Hauptsitz ist in Langley (Virginia) nahe der Hauptstadt Washington DC.

Keine Klarheit gibt es bisher für die zentralen Posten des Außen- und des Verteidigungsministers, hier gibt es eine Reihe von Kandidaten. „Jeder kann alles werden“, schrieb die „Washington Post“. 

Mike Pompeo soll CIA-Chef werden.

Am Wochenende verlässt Trump New York und trifft Mitt Romney, der 2012 als Präsidentschaftskandidat Barack Obama unterlegen war. Romney hatte Trump im Wahlkampf kritisiert und ihn einen Betrüger genannt, gilt aber nun als Aspirant für das Außenamt. Das könnte ein geschickter Schachzug sein, um das Establishment der Republikaner zu befrieden.

Was passiert mit Schwiegersohn Kushners?

Am Donnerstag hatte Trump Nikki Haley empfangen. Die Gouverneurin South Carolinas war im Zusammenhang mit einem Streit um die Südstaatenflagge bekannt geworden. Als Nachfahrin indischer Einwanderer und als Frau würde sie aus Trumps Kandidatenriege weißer Männer herausragen.

Offen blieb zunächst die Rolle Jared Kushners. Angeblich drängt Trump seinen Schwiegersohn zur Übernahme eines Postens im Weißen Haus, aber ein Gesetz gegen Vetternwirtschaft macht das sehr schwierig. Medienberichten zufolge prüft Kushner, der Immobilienunternehmer ist und den New Yorker „Observer“ besitzt, rechtliche Auswege.

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dpa

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