Wind of Change

Obama will sich weiter einmischen - Putin auf Kuschelkurs

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Ein Lächeln in das beide Seiten nicht zuviel hinein interpretieren sollten: Wladimir Putin und Barack Obama.

Lima - Ein letzter Auftritt auf der Weltbühne. US-Präsident Barack Obama gibt sich nachdenklich, sendet klare Botschaften an Nachfolger Donald Trump. Der wird in Lima von Wladimir Putin „interpretiert“. Wind of Change.

E pluribus unum - aus vielem eins. Ein letztes Mal steht das Pult mit dem Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten im Ausland, zumindest aufgestellt für Barack Obama.

Während daheim Donald Trump versucht, aus vielen Kandidaten eine Regierung zu formen, muss Obama bei seinem letzten Auftritt im Ausland erkennen, dass sein achtjähriges Werk bald ziemlich zerlegt werden könnte. Und die USA alles andere als eins sind.

Ein letztes Mal wird der obligatorische Kaffeebecher für Obama aufgestellt. Ein Sicherheitsmann verscheucht Kameraleute, die noch rasch ein paar Selfies schießen. „Nicht anfassen“, wird ein Fotograf angebrüllt, der sich an das Pult anlehnt. Dann betritt Obama die Bühne. Sehr nachdenklich. Denn über dem Asien-Pazifik-Gipfel in Lima schwebt schon die Zukunft, sie heißt Donald Trump. Und während sich dort Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin nicht mehr viel zu sagen haben, gibt Putin schon den Trump-Versteher.

Es gibt am Ende in Lima von den 21 Staaten der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) - inklusive der USA und Russland - ein klares Bekenntnis gegen Handelsmauern, Strafzölle und Protektionismus - ein Signal an Trumps Adresse. In der Abschlusserklärung wird sogar das Projekt einer riesigen Freihandelszone betont: von Australien über China, Russland, die USA bis Mexiko und Peru. Und dort heißt es, dass man einig sei, „gegen jede Form von Protektionismus zu kämpfen“. Es wird interessant, wenn Trumps Ideen auf Realpolitik stoßen. Kanadas Premier Justin Trudeau sagt: „Ich werde Barack vermissen.“

Bisher gibt es in der Region als größtes Projekt die von Obama mit elf Staaten geschlossene Transpazifische Partnerschaft, doch Trump will sie beerdigen. Obama sagt dazu: „TPP ist ein Plus für die amerikanische Wirtschaft, für Arbeitsplätze und für Arbeiterrechte.“ Er will nach der Amtsübergabe am 20. Januar erst einmal mit seiner Frau Michelle Urlaub machen. Aber, das ist bemerkenswert, er schließt schon jetzt nicht aus, sich künftig als „US-Bürger“ weiter politisch zu äußern. Nämlich dann, wenn Werte und Ideale in den USA in Frage gestellt wären.

Auch in Lima wird gerätselt, was mit Trump kommt. Ausgerechnet Obamas größter Widersacher Wladimir Putin ist es, der „Trumpologie“ betreibt. Er gibt zeitgleich in einem Hotel eine Pressekonferenz. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Rhetorik im Wahlkampf und der Realpolitik, das ist in jedem Land der Welt so.“ Zumindest in dem Punkt ist er sich mit Obama einig, der in Lima Ähnliches gesagt hat.

Putin versteht nicht die großen Sorgen, er glaubt auch nicht an eine radikale Abschottung. „Wenn Herr Trump erklärt, dass er Firmen in die USA zurückholen will, um damit in seinem Land Arbeitsplätze zu sichern, was gibt es Schlechtes dabei?“ Aber klar ist auch: wenn die USA sich stärker international zurückziehen, handelspolitisch wie militärisch, könnten gerade Russland und China davon profitieren.

Obwohl Putin und Obama zwei Tage in Lima waren, reichte es nur für einen vierminütigen, unterkühlten Wortwechsel mit ernstem Blicken. Obama sorgt sich vor allem um Syrien, wo er aber nie einen Ansatz gegen das Blutvergießen gefunden und durch die Unterstützung der Rebellen nicht zur Deeskalation beigetragen hat. „Ich bin nicht optimistisch“, sagt Obama. Was Trump machen wird, wie er dem von Putin unterstützten Machthaber Baschar al-Assad begegnen wird? Putin stichelt, dass er nun mit besseren Beziehungen zu den USA rechne.

Doch es muss sich in der Realpolitik noch zeigen, ob die beiden Machtmenschen Putin und Trump, denen ein sehr starkes Ego gemein ist, wirklich den Schulterschluss finden werden. Für Obama hat Putin in Lima ein etwas vergiftetes Abschiedsgeschenk. „Ich habe ihm für die Jahre der Zusammenarbeit gedankt und ihm gesagt, dass wir uns immer freuen, ihn in Russland zu sehen.“ Es darf aber bezweifelt werden, dass Obamas Reise nach dem Ende der Amtszeit nach Moskau führen wird.

dpa

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