Schlag gegen Terrormiliz in Deutschland

So tickt das verhaftete IS-Superhirn

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Abu Walaa zeigt so gut wie nie sein Gesicht.

München - Anti-Terror-Kräfte haben am Dienstag in Deutschland fünf mutmaßliche IS-Anhänger festgenommen. Über den vermeintlichen Anführer wird immer mehr bekannt.

Wichtiger Schlag gegen das Netzwerk der Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Deutschland. Am Dienstagmorgen stürmten Anti-Terror-Kräfte in Hildesheim, Duisburg, Dortmund und einigen anderen Orten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mehrere Wohnungen und nahmen fünf Männer fest. Unter ihnen auch Abu Walaa. Der 32-jährige Iraker gilt als Nummer eins des IS in Deutschland!

Abu Wallaa, den das Bundesinnenministerium schon im Jahr 2012 als „führenden Prediger“ und „hoch konspirative Person“ einstufte, gilt nach Einschätzung der Ermittler als der Mann, dem es in Deutschland wie keinem Zweiten gelang, junge Menschen für den IS und den Dschihad zu rekrutieren. Außerdem soll das IS-Superhirn deren Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben. Bisher hat der 32-Jährige stets bestritten, in Verbindung mit dem IS zu stehen. Jetzt liegen den Sicherheitsbehörden aber offensichtlich Beweise vor, die seine führende Rolle im Terror-Netzwerk belegen.

Abu Wallaa von IS-Rückkehrer schwer belastet

Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung spielen dabei die Aussagen eines IS-Rückkehrers eine maßgebliche Rolle. Der Mann namens Anil O. war nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen. Dort gab er dem NDR, WDR und der SZ ein Interview, in dem er Abu Walaa, gegen den die Bundesanwaltschaft bereits seit einem Jahr ermittelte, schwer belastete. Ende September kehrte der 22-jährige O. dann nach Deutschland zurück.

Neben Abu Walaa wurden noch vier andere Männer verhaftet: der 50-jährige Türke Hasan C., der 36-jährige Deutsch-Serbe Boban S., der Deutsche Mahmoud O. (27) und Ahmed F. Y. (26) aus Kamerun. Auch sie sollen junge Leute für den Dschihad angeworben haben. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wertet die Festnahmen als Beleg dafür wie „aktiv, entschlossen und wachsam“ die Sicherheitsbehörden seien.

Er ist der Schlimmste

Abu Walaa.

Wer ist der Mann, der als die Nummer eins des IS in Deutschland gilt? Über ihn sagen Ermittler in der Szene: „Er ist der Schlimmste.“ Und ein Experte für Gehirnwäsche. Wie viele junge Muslime er in den Krieg und damit in Tod schickte, ist aber schwer zu sagen. Abu Walaa heißt eigentlich Ahmad Abdulaziz Abdullah A. Er spricht fließend Deutsch, bekennt sich offen zum IS und predigt seit Jahren in der Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim.

Außerdem ist er auf YouTube und Facebook (25.000 Fans) aktiv und bietet eine eigene App an. Sein Markenzeichen: Er ist so gut wie nie von vorn zu sehen, meist trägt er einen schwarzen Umhang mit Kapuze. Ähnlich wird im Islam oft auch der Prophet Mohammed dargestellt …

In der Salafistenszene hat Abu Walaa deshalb auch den Namen „Prediger ohne Gesicht“ . Zuletzt lieferte sich der Iraker in seinen Videobotschaften eine religiöse Schlacht mit salafistischen Predigern, die den IS ablehnen. Der 32-Jährige soll zwei Wohnsitze in zwei kleinen Ortschaften nahe Hildesheim gehabt haben. 24 Stunden vor seiner Verhaftung gab er via Facebook übrigens noch kluge Ehetipps. Die andere Seite des Hasspredigers …

Im Brennpunkt: Hildesheim

Einsatzkräfte nehmen fünf IS-Verdächtige fest.

Der Raum Hildesheim hat sich in Niedersachsen zu einem Schwerpunkt der radikal-islamistischen Bewegung entwickelt. Als „bundesweiten Hot-Spot der radikalen Salafistenszene“ hatte Innenminister Boris Pistorius (SPD) schon im Juli die Moschee des „Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim e.V.“ (DIK) bezeichnet.

Das 2012 gegründete Gotteshaus sowie acht Wohnungen von Vereinsvorständen waren damals von 400 Polizisten durchsucht worden. Der Vorwurf: In dem Verein sollen Muslime radikalisiert und zur Teilnahme am Dschihad in Kampfgebieten motiviert werden. In Predigten, Seminaren und Vorträgen werde zum „Hass gegenüber Ungläubigen“ aufgerufen, hieß es. Bei der Razzia wurde kistenweise Beweismaterial gesichert, Festnahmen gab es aber keine. Pistorius leitete aber ein Verbotsverfahren gegen den DIK ein, das bis jetzt aber noch nicht abgeschlossen ist.

Etwa 550 radikal-islamische Salafisten in Niedersachsen

Die Zahl der radikal-islamischen Salafisten in Niedersachsen schätzte der Verfassungsschutz im Mai rund 550. Etwa 75 Islamisten reisten nach Erkenntnis der Behörden aus Niedersachsen in Richtung Syrien und Irak aus, um sich dort dem Islamischen Staat (IS) oder anderen Terrororganisationen anzuschließen. Ein Drittel stammte aus dem Raum Hildesheim.

Anfang September schrieb der Spiegel: „Bereits 2013 warnte das Bundesamt für Verfassungsschutz in einem internen Bericht vor den Spendensammlern von „Helfen in Not“. Neben bundesweit bekannten Salafistenpredigern wie Sven Lau und Pierre Vogel tauchte schon damals ein Mann aus Hildesheim bei der Sammelaktionen auf: Abu Walaa. Der selbst ernannte „Scheich von Hildesheim.“ Er predigt seit Jahren in Hildesheim.

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