Streit über Rolle Ankaras

Türkische Regierung: Zahlreiche IS-Kämpfer im Irak getötet

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Blick auf das Flüchtlingscamp Debaga zwischen Erbil und Mossul (Irak).Türkische Truppen haben offenbar auf Bitte der Peschmerga-Kämpfer in die Offensive zur Zurückeroberung der Stadt Mossul eingegriffen. Foto: Jens Kalaene/Archiv

Bei der Offensive gegen die IS-Hochburg Mossul schlagen kurdische Peschmerga-Truppen einen Gegenangriff der Extremisten zurück. Die irakische Arme befreit hunderte Familien bei dem Vormarsch. Dennoch droht dem Bündnis eine Zerreißprobe: über die Rolle der Türkei.

Bagdad (dpa) - Seit Beginn der Mossul-Offensive haben türkische Truppen nach Angaben der Regierung in Ankara zahlreiche IS-Kämpfer im Nordirak durch Artilleriebeschuss getötet.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Marc Ayrault, seit Beginn der Operation seien 17 Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf diese Weise von türkischen Kräften getötet worden.

Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi wies den Einsatz türkischer Truppen bei einer Pressekonferenz in Bagdad als falsch zurück. Bereits am Wochenende hatte es Streit über die Beteiligung der Türkei an der Mossul-Offensive gegeben. Die irakische Regierung lehnt einen Einsatz türkischer Truppen ab. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hatte zuvor gesagt, dass türkische Truppen auf Bitten kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Rahmen der Offensive Artillerie- und Panzerfeuer eingesetzt hätten.

Kurdische Peschmerga-Kämpfer schlugen unterdessen nach eigenen Angaben einen Gegenangriff der IS-Extremisten nahe Sindschar zurück. Nach Militärangaben hatten die Dschihadisten versucht, mit mehreren mit Sprengstoff beladenen Autos die Truppen anzugreifen. Die Attacke habe aber gestoppt werden können.

Südlich von Mossul berichtete das irakische Militär davon, rund 200 Familien befreit zu haben, die von der Terrormiliz festgehalten worden seien. Derzeit befänden sich bereits mehr als 5000 Menschen an den Rändern Mossuls auf der Flucht, teilte die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC)am Montag mit.

Weiter südlich seien bis zu 800 Menschen vor giftigen Rauchschwaden geflohen. Die Terrormiliz IS hatte vor wenigen Tagen ein Schwefel-Werk in Al-Kajara in Brand gesetzt. Nach Angaben der Hilfsorganisation hätte dies zu schweren Atemproblemen bei den Menschen in der näheren Umgebung geführt, so dass diese auf der Suche nach medizinischer Hilfe seien.

Das irakische Militär hatte vor einer Woche zusammen mit lokalen Milizen und kurdischen Truppen eine Großoffensive gegen den IS im Irak gestartet. Mossul ist die letzte Bastion der Terrormiliz im Land. Die Millionenstadt steht seit Juni 2014 unter Kontrolle der Extremisten.

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