Premierminister Fillon gewinnt

Große Überraschung bei Vorwahl - Sarkozys Ende

+
Nicolas Sarkozy hat seine Niederlage bei der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen eingeräumt.

Paris - Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat seine Niederlage bei der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen eingeräumt.

François Fillon

Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy ist aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen ausgeschieden. Der 61-Jährige räumte seine Niederlage in der Vorwahl des bürgerlichen Lagers am Sonntagabend ein und gratulierte den früheren Premierministern François Fillon und Alain Juppé zum Einzug in die entscheidende Stichwahl. Er selbst werde am kommenden Sonntag für Fillon stimmen, sagte Sarkozy. Er kündigte auch seinen Rückzug aus der Politik an.

Fillon konnte den ersten Wahlgang mit großem Vorsprung für sich entscheiden. Nach Auszählung von 90 Prozent der Wahlkreise lag Fillon bei gut 44 Prozent. Der lange als Favorit gehandelte Juppé erzielte etwas mehr als 28 Prozent. Sarkozy lag mehr als 7 Prozentpunkte dahinter. Der frühere Präsident (2007 bis 2012) sagte, er werde beim zweiten Wahlgang für Fillon stimmen, und kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. „Es ist Zeit für mich, ein Leben mit mehr privater und weniger öffentlicher Leidenschaft zu beginnen.“

Frankreichs bürgerliche Rechte kürt ihren Kandidaten zum ersten Mal mit offenen Abstimmungen, an denen alle Anhänger teilnehmen können. Dem Sieger werden gute Chancen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr ausgerechnet.

Frankreich kührt Kandidaten erstmals per Vorwahl

Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen der Front-National-Chefin Marine Le Pen und dem konservativen Bewerber erwarten - die Vorwahl ist damit eine wichtige Weichenstellung. Ob der schwer angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande noch einmal antritt, ist noch unklar.

Über Monate hinweg hatten Umfragen ein Duell zwischen Juppé und Sarkozy vorhergesagt. Erst in den Wochen vor der Wahl hatte Fillon zu einer überraschenden Aufholjagd angesetzt. Der 62-jährige will Frankreich liberale Wirtschaftsreformen verordnen, damit das Land wieder wettbewerbsfähiger wird. Während Fillon eher eine konservative Kernklientel anspricht, zielt Juppé (71) mit seiner gemäßigteren Linie auch auf Wähler aus der Mitte. „Ich werde den Kampf fortsetzen“, sagte er vor seinen Anhängern.

Sarkozy versprach, dass er den Sieger der Stichwahl unterstützen werde. „Ich habe keine Bitterkeit“, sagte er. „Ich will nur das Beste für das Land.“ Er rief seine Wähler auf, „niemals den Weg der Extreme zu wählen“ - eine klare Warnung vor der Front National.

Sarkozy erkennt Niederlage an

Die Beteiligung an der Vorwahl fiel hoch aus. Eine Hochrechnung des Instituts Elabe für den Sender BFMTV ging insgesamt von 3,9 bis 4,3 Millionen Wählern aus. Bis 23.30 Uhr waren knapp 3,8 Millionen Stimmen ausgezählt.

Nach französischen Medienberichten hatten sich in vielen Wahllokalen lange Schlangen gebildet. Abstimmen konnte jeder Franzose, der im Wählerregister steht, zwei Euro Kostenbeteiligung zahlte und sich per Unterschrift zu den Werten der bürgerlichen Rechten bekannte. Im Vorfeld hatte es Diskussionen gegeben, inwieweit auch linke Wähler oder Anhänger der Front National abstimmen könnten, um das Ergebnis in ihrem Sinne zu beeinflussen.

dpa

auch interessant

Meistgelesen

Heftiger Schlagabtausch zwischen Hofer und Van der Bellen
Heftiger Schlagabtausch zwischen Hofer und Van der Bellen
Hans Söllner nennt Seehofer und Hofer „Faschisten“ und „Nazi“
Hans Söllner nennt Seehofer und Hofer „Faschisten“ und „Nazi“
Trump wittert: „Millionen illegale Wähler“
Trump wittert: „Millionen illegale Wähler“
Maulwurf im Verfassungsschutz war offenbar Porno-Darsteller
Maulwurf im Verfassungsschutz war offenbar Porno-Darsteller

Kommentare