Empörung im Netz

"Die schauen anders": Wirt erteilt allen Flüchtlingen Hausverbot

Althofen - Riesen-Wirbel in Österreich: Ein Wirt hat sämtlichen Flüchtlingen für sein Lokal Hausverbot erteilt - mit merkwürdigen Begründungen.

"Liebe Flüchtlinge,
es tut uns sehr leid, aber es ist uns nicht möglich, euch ein Getränk zu geben. Viele unserer Gäste sind bereits wirklich wütend über euch und uns, viele von ihnen haben Angst und fühlen sich nicht wohl, wenn ihr hier in der Bar seid.
Deswegen müssen wir uns um unsere Gäste kümmern und können euch nicht erlauben, hier in dieser Bar zu bleiben.
Der Boss"

Diesen Brief in holprigem Englisch veröffentlichte am Freitag Peter M. bei Facebook. Er ist der Wirt eines Lokals im österreichischen Althofen. Und hat Flüchtlingen kurzerhand Lokalverbot erteilt!

Hausverbot für Flüchtlinge. Wtfhttps://www.facebook.com/Cafe-am-Platz-Lilli-AlthofenCafe-Venezia-Kappel-156219851137402/?refid=12&ref=bookmarks&notif_t=page_message

Posted by Enno Lenze on Samstag, 26. März 2016

"Flüchtlinge erhalten keine Getränke und kein Essen", präzisiert er auf kurier.at, wie er das Lokalverbot umsetzen will. Und liefert eine Begründung: "Samstag Abend gab es im Lokal Livemusik, wir hatten auch zwei Flüchtlinge hier. Wie sie die Frauen anstarren. Sie ziehen sie mit ihren Blicken regelrecht aus, wenn sie auf die Toilette gehen", so M. Am Montag habe sich die Szene wiederholt. "Die Stimmung gegen Flüchtlinge ist negativ. Ich will keinen Wirbel, ich will nicht, dass hier alles kurz und klein geschlagen wird", sagt er.

"Die Flüchtlinge, die schauen irgendwie anders"

Auch mit der Kleinen Zeitung sprach der Gastronom über seine Maßnahme, nennt sie dort "Schutz für beide Seiten". Vorfall habe es bisher keinen gegeben. "Aber reicht es nicht, dass die Leute Angst haben?"

Der Wirt erklärt auf Nachfrage, dass er auch Einheimischen, die Frauen zu sehr "anstarren" und "anglotzen" Hausverbot erteilen würde, aber: "Die Flüchtlinge, die schauen irgendwie anders."

Doch den Wirbel um den Wirt, der selbst mit einer Ungarin verheiratet ist, kann das auch nicht geringer machen. Viele Facebook-Nutzer zeigen sich empört über ihn. Dine H. meint: "Frauen seien angestarrt worden. Ah ja. Wie gut, dass Deutsche so etwas niiiemals machen würden. Ich fühle mich eher durch einen Gastwirt mit einer solchen Einstellung belästigt. Traurig. Beschämend." Und Jan E. erklärt im Hinblick auf das englische Anschreiben: "Besorgte Bürger beherrschen also nicht nur die deutsche Sprache nicht."

Inzwischen scheint sogar die komplette Facebook-Seite des Lokals gelöscht und lediglich noch eine geschlossene Gäste-Gruppe vorhanden zu sein. Wie ein Screenshot offenbar zeigt, ist der Wirt eher uneinsichtig. Er schrieb: "Liebe Falschversteher, Text- und Sinnverdreher! Bis heute Abend habt ihr noch die Möglichkeit, mich zu beschimpfen, dann wird das Ganze gelöscht und blockiert. Seid stolz auf euch, ihr habt euer Ziel erreicht, wir müssen zusperren. Zwar nur bis Dienstag, aber besser wie nix."

tz

Rubriklistenbild: © dpa/Screenshot

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