Seehofers Posten-Puzzle

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Ministerpräsident Horst Seehofer (rechts) bei einer Kabinettssitzung in München. Links: Noch-Finanzminister Georg Fahrenschon (beide CSU).

München - Die Suche nach einem Nachfolger für Finanzminister Georg Fahrenschon wird für Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU) immer chaotischer. Hier erfahren Sie, wer Chancen auf den Posten hat:

Seinen Humor hat Ministerpräsident Horst Seehofer noch nicht verloren. Seine Suche nach einem Nachfolger für Finanzminister Georg Fahrenschon gleitet zwar völlig ins Chaos ab, doch der Ministerpräsident erklärt: „Diese Spekulationen und Aufgeregtheiten sind eher erheiternd als Ärger auslösend.“ In der CSU hält sich die Erheiterung jedoch in eher engen Grenzen: „Die Gehirnwindungen des großen Meisters zu verstehen, haben wir aufgegeben“, heißt es in der Partei über Seehofer. Immerhin lädt der für Donnerstag, 11 Uhr, zu einer Pressekonferenz ein. Ein Thema nennt die Staatskanzlei nicht, es kann ohnehin nur eines geben. Schon an Allerheiligen hatte Seehofer einen Nachfolger für Noch-Finanzminister Georg Fahrenschon präsentieren wollen. „Mit diesem Termin hat sich Seehofer selbst unter Druck gesetzt“, erläutert CSU-Kenner Professor Heinrich Oberreuter der tz.

Ob die Entscheidung über die Fahrenschon-Nachfolge zum Zeitpunkt der Einladung zur Pressekonferenz schon gefallen ist, ist fraglich. Zu diesem Zeitpunkt hatte Seehofer - vorerst - eine weitere Kandidatin für den Posten verloren: Verbraucherministerin Ilse Aigner. Wenige Stunden lang galt die Chefin der Oberbayern-CSU als heißeste Kandidatin - doch gegenüber der tz ließ sie am Mittwoch am Berliner Flughafen jede Spekulation um ihren Wechsel nach München zurückweisen: Schließlich fliege sie jetzt auch zu den EU-Agrarhaushaltsverhandlungen nach Lissabon und nicht in die bayerische Landeshauptstadt. „Frau Aigner ist Bundesministerin und Frau Aigner bleibt Bundesministerin“, betonte ihr Sprecher.

In der CSU selbst gab es dafür nur Schmunzeln: „Auch in Lissabon gibt es täglich ein paar Flieger nach München.“ Schließlich werden Aigner Ambitionen auf das Amt der Ministerpräsidentin nachgesagt. Die Nachrichtenagentur dpa hatte aus Parteikreisen erfahren, Aigner habe in diesem Zusammenhang die Frage gestellt, ob das Finanzministerium dazu nicht das geeignete Sprungbrett wäre.

Seehofer musste sich mit einer Reihe von Absagen abfinden. Zunächst sollten Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler und der Unternehmer Thomas Bauer, CSU-Schatzmeister und Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, im Gespräch gewesen sein. Erst als von beiden Kandidaten Absagen kamen, habe Seehofer eine Kabinettsumbildung erwogen. Innenminister Joachim Herrmann wollte jedoch nicht. Und Umweltminister Markus Söder (CSU) ist Seehofers Mann für die Energiewende.

Hinter der Absagenserie vermuten Parteikreise nicht nur fachliche Gründe: „Das Tohuwabohu ist auch auf die rigide Führung des Chefs zurückzuführen.“ Fahrenschon selbst soll seinen angekündigten Abschied aus der Politik schließlich aus Frustration über Seehofers schwankendes Wesen vollzogen haben.

Am Ende könnte Sozialministerin Christine Haderthauer - die sich ebenfalls zur Ministerpräsidentin berufen fühlt - ins Finanzministerium aufrücken. Sie galt schon am Montag als heißeste Kandidatin, doch Seehofer hat Probleme mit ihrem Willen zur Macht. Doch während die SPD über den „Fachkräftemangel“ bei den Christsozialen spottet, könnte Haderthauer Seehofers letzte Hoffnung sein.

Was./Mk.

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