Bei „Maybrit Illner“

Trump-Fan attackiert Merkel - Von der Leyen in Rage

+
Bei „Maybrit Illner“ war unter Anderem Ursula von der Leyen (zweite von Links) zu Gast.

Berlin - Nach der ersten Schock-Starre diskutierten die Gäste bei „Maybrit Illner“  am Donnerstagabend über Donald Trump. Der Chef eines Burger-Ladens outete sich als Trump-Fan und attackierte Angela Merkel.

Noch immer ist es das Thema, das die Welt momentan beherrscht: Donald Trump ist zum neuen Präsidenten der Vereinigten Statten gewählt worden. In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“, die unter dem Motto „Trumps Triumph – was steht auf dem Spiel?“ stand, zeigten sich die Gäste nach dem politischen Beben nachdenklich. 

„Wenn jemand ins Weiße Haus einzieht, den Posten des mächtigsten Mannes in der westlichen Welt innehat, der im Wahlkampf aufgefallen ist durch rassistische Kommentare, dann hat das Ausstrahlwirkung  auch auf rechte Populisten in Europa, die auch schon applaudieren“, äußerte sich unter anderem Bloggerin Katharina Nocum in der Talk-Runde besorgt. Eine ihrer Ängste: dass Trumps Gleichgültigkeit gegenüber der Nato schwere Folgen für Europa haben könnte. „Die baltischen Staaten befürchten, dass ihnen ähnliches passiert wie der Ukraine“, so Nocum.

Talk-Gast Nicolas Smith (kam als Englisch-Lehrer aus den USA nach Deutschland und ist nun Chef eines Burger-Ladens) hingegen verbarg seine Freude über den Ausgang der Wahl nicht. „Das ist wie ein Traum“, freute er sich. Nocums Befürchtungen rund um die Auswirkungen auf Europa wollte er dagegen den Wind aus den Segeln nehmen. „Es ist nicht unsere Aufgabe, uns in andere Nationen einzumischen“, so Smith. Stattdessen schob er Bundeskanzlerin Angela Merkel den Schwarzen Peter zu. „Die Kanzlerin sollte erst mal in den Spiegel gucken, bevor sie unserem Präsidenten Ratschläge erteilt.“ Merkel hatte Donald Trump nach dessen Wahl-Sieg zwar gratuliert, ihn aber gleichzeitig angesichts der wirtschaftlichen und militärischen Stärke der USA an dessen Verantwortung für die weltweite Entwicklung und an die Werte erinnert. Das Statement Merkels empfand Smith aber eher als Beleidigung. „Amerika verlangt, dass Europa Verantwortung übernimmt – unabhängig von uns.“

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hingegen forderte den künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu Bündnistreue in der Nato auf. Sie fand deutliche Worte. „Was ihm hoffentlich seine Berater sagen und was er lernen wird, ist, dass die Nato kein Geschäft ist.“ Das Militärbündnis sei kein Unternehmen, sondern eine Wertegemeinschaft. „Das ist nicht so etwas, wo man sagt: Die Vergangenheit ist mir egal. Die Werte, die wir gemeinsam vertreten, sind mir egal, sondern ich gucke, wie viel Geld ich hinten rauskriege und ob ich einen guten Deal machen kann. So regiert man kein Land, und das ist auch nicht der Grundsatz der Nato.“

Von der Leyen: „Er muss sagen, auf welcher Seite er ist“

Talk-Gast und Unternehmer Martin Richenhagen versuchte unterdessen, die Sache positiv zu sehen:  „Das war ein unterirdischer Wahlkampf. Aber ich glaube, dass er anders regiert, als er es im Wahlkampf angekündigt hat.“ Das brachte von der Layen in Rage, sie schimpfte: „Gerade das ist ein Kennzeichen des Populismus. Erst alles versprechen und dann das Gegenteil tun.“

Außerdem warnte von der Leyen den künftigen Oberbefehlshaber der USA vor einem Kuschelkurs gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Donald Trump muss sehr klar sagen, auf welcher Seite er ist: Ob er auf der Seite des Rechtes, der Friedensordnung, der Demokratien steht oder ob ihm das egal ist und er so eine Art Männerfreundschaft macht.“

Die Konflikte um die Annexion der Krim oder die Bombardierung Aleppos dürften in Gesprächen mit Putin nie vergessen werden. In Aleppo verhungerten gerade eine Viertelmillion Menschen, Putin könne das mit einem Federstrich beenden. „Das muss der amerikanische Präsident ansprechen“, verlangte von der Leyen.

In unserem News-Ticker halten wir Sie weiterhin über alle Entwicklungen nach der US-Wahl auf dem Laufenden.

mes/dpa

auch interessant

Meistgelesen

Bundespräsidentenwahl 2016 in Österreich: Die letzten Umfragen und Prognosen
Bundespräsidentenwahl 2016 in Österreich: Die letzten Umfragen und Prognosen
Renzi kündigt nach klarer Niederlage Rücktritt an
Renzi kündigt nach klarer Niederlage Rücktritt an
Heftiger Schlagabtausch zwischen Hofer und Van der Bellen
Heftiger Schlagabtausch zwischen Hofer und Van der Bellen
Mordfall in Freiburg: Das sagt Merkel zu Verdacht gegen Flüchtling
Mordfall in Freiburg: Das sagt Merkel zu Verdacht gegen Flüchtling

Kommentare