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So wichtig sind die USA für uns Deutsche

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Die USA halfen Deutschland beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

München - Die Befürchtung, dass sich das Verhältnis Deutschlands zu den USA unter einem US-Präsidenten Donald Trump verschlechtern könnte, ist groß. Wir erklären, warum die deutsch-amerikanischen Beziehungen so wichtig sind – und wo Zoff droht.

Historisch: Die USA haben Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich beim Aufbau unserer Demokratie beeinflusst. Auch wegen der Care-Pakete und der alliierten Luftbrücke bei der Berlin-Blockade wurden die Amerikaner von den Deutschen schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg als Freunde empfunden. Umgekehrt prägen auch deutsche Einwanderer die USA – sichtbar in unzähligen „American Oktoberfests“ oder „Miss Schwarzwaldmädel-Wahlen“: Deutschamerikaner sind die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe in den Vereinigten Staaten! Über 50 Millionen US-Amerikaner gaben in der 2010 durchgeführten Volkszählung „German“ als ihre Hauptabstammung an.

Wirtschaftlich: Seit 2015 sind die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen – vorher hatte Frankreich diese Rolle inne. Waren im Wert von rund 114 Milliarden Euro wurden aus Deutschland in die USA verkauft, umgekehrt importierte Deutschland US-Waren im Wert von knapp 60 Milliarden Euro. Laut ifo-Präsident Clemens Fuest hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätz vom US-Geschäft ab: „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß.“

Sicherheitspolitisch: Unter dem Eindruck der ersten sowjetischen Atombombe und der Berlin-Blockade schlossen sich die westlichen Siegermächte und einige europäische Staaten 1949 zum Sicherheitsbündnis Nato zusammen – Deutschland trat 1955 bei. Seither sind die USA die militärische Schutzmacht Europas. Trump hat im Wahlkampf die Nato in Frage gestellt. „Trump will die Alliierten dazu nötigen, mehr Geld für die eigene Sicherheit in die Hand zu nehmen. Amerika wird hier massiven Druck aufbauen“, meint dazu Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Fakt ist: Die Nato-Mitgliedsstaaten haben sich untereinander zugesichert, dass sie mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Verteidigungsausgaben verwenden, um die jeweiligen Armeen schlagkräftig zu halten. Tatsächlich bleiben mehrere Nato-Ländern seit Jahren unter dieser Grenze, darunter Deutschland (1,19 Prozent 2015) und Frankreich. Hier wird Trump Druck machen.

Umweltpolitisch: Die USA sind nach China der größte Emittent von Klimagasen – und haben damit eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz. Trump setzt jedoch unverhohlen auf Kohle, Öl und Gas – weiße Bergarbeiter in West-Virginia gehören zu seinen treuesten Anhängern. Der künftige US-Präsident bezeichnete den Klimawandel als „Schwindel“ und als eine Erfindung der Chinesen, die damit die US-amerikanische Wirtschaft schwächen wollten. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mahnte Trump deshalb vor der UN-Klimakonferenz ab Montag in Marokko zur Vertragstreue beim Klimaschutz. Denn Obama habe das Pariser Klimaschutzabkommen bereits abschließend unterzeichnet.

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