Erste Reaktionen zum TV-Duell

Trump vs. Clinton: "Totaler Irrsinn, ihn auf die Welt loszulassen"

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Trump beim 1. TV-Duell mit Hillary Clinton.

Hempstead - Das erste TV-Duell zwischen Trump und Clinton ist vorbei. Die Reaktionen sind eindeutig: Clinton trumpfte auf, Trump machte kein gutes Bild. Die ersten Reaktionen im Netz.

Sie ist zurück, mit voller Wucht. Die Staatsfrau, da steht sie, als hätte sie nie gefehlt. Hillary Clinton schießt scharf, sie teilt aus, sie trumpft mit Fakten und Zahlen und ruht bei alldem so sehr in sich, als wäre es nie anders gewesen. Als hätte es all die Patzer, all die Fehler, all das Straucheln der vergangenen Wochen nie gegeben.

Ihr Konkurrent macht bei alldem kein gutes Bild. Donald Trump findet einen guten Einstieg, dann wirkt er nervös, hält sich oft am Wasserglas fest, unterbricht Clinton immer wieder, wirkt belehrend, ohne dass er etwas zu sagen hätte.

Die Demokratin lächelt, wenn er spricht. Der Republikaner verzieht das Gesicht, wenn sie an der Reihe ist. Er stöhnt auf, wenn sie ihn angreift. Sie bleibt ruhig. Ganz am Ende hält der 70-Jährige ihr vor, sie habe nicht die Durchhaltekraft, um Präsidentin zu sein.

Nach all den Wochen dieses erbittert geführten Wahlkampfes könnte die Debatte ein Wendepunkt sein. Tagelang hat Amerika auf diesen Moment hingefiebert, auf diesen ersten Schlagabtausch beider Kandidaten, die das Land so polarisieren, wie vielleicht noch nie zuvor in der Geschichte. Der Unternehmer, der noch nie ein politisches Amt inne hatte. Die ehemalige Außenministerin, über die jeder eine Meinung hat, und die vielen verhasst ist.

TV-Debatte Trump vs. Clinton: Reaktionen im Netz

Die Blitzumfragen nach dem Duell sehen Clinton vor Trump:

Die ersten Hollwood-Schauspieler meldeten sich ebenfalls schon zu Wort. John Cusack twitterte: "Es wäre der totale Irrsinn, diesen Mann auf die Welt loszulassen."

Für Olivia Wilde war es ein "peinlicher, unvorbereiteter Zusammenbruch des idiotischen Donald Trump".

Sängerin Katy Perry erinnert Donald Trump "an einen Frosch, der im Topf mit kochendem Wasser sitzt".

"Wenn es um Weltpolitik geht, klingt sie wie die Lehrerin und er wie der vorlaute Dummkopf aus der letzten Reihe", schrieb Jamie Lee Curtis auf Twitter.

Hillary Clinton selbst twitterte: "Noch 43 Tage. Lasst uns das gewinnen."

Donald Trump zwitscherte "Danke" und sah sich selbst vorn:

TV-Debatte: Für The Telegraph hat Trump gewonnen

Das schreibt die Londoner Zeitung The Telegraph: „Zuschauer, die Trump hassen, werden sagen, dass Clinton gewonnen hat, weil sie mehr wie eine Präsidentin auftrat. Mag sein. Aber sie hat zugleich alle Macken ihres Liberalismus zur Schau gestellt, die sie in den letzten Jahrzehnten sehr viel Unterstützung durch die Arbeiterschaft gekostet hat. Sie hat nicht die Amerikaner als Volk angesprochen, sondern einzelne Gruppen - Frauen, Menschen südamerikanischer Herkunft, Afroamerikaner. (...)

Trump hat das TV-Duell gewonnen. Er hat 2016 politisch gesiegt. Aber er könnte genau aus diesem Grund immer noch den Kampf um das Präsidentenamt verlieren. Erstens, weil er unter lausigen Zustimmungsquoten bei Frauen und Nichtweißen leidet - und mit nichts, was er am Montag sagte, hat er etwas dagegen getan. Zweitens, weil er sich entschied, Clinton anzugreifen, anstatt sich wie ein Präsident zu geben. Diese Möglichkeit hätte er gehabt, doch stattdessen schien er mit seinem Auftreten ihr Argument zu bekräftigen, dass sie die einzige auf dieser Bühne sei, der man den Code für die Atomwaffen anvertrauen kann.“

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), hat Hillary Clinton im ersten TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten eine bessere Figur gemacht. „Sie ist, glaube ich, die klare Siegerin des Abends gewesen“, sagte Röttgen am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“ über die Demokratin. Der republikanische Kandidat Donald Trump habe in keiner Phase argumentiert oder harte Fakten gebracht.

Röttgen warnte erneut eindringlich vor dem Milliardär als möglichem US-Präsidenten: „Welchen Kurs er fährt, lässt sich nicht sagen.“ Das mache Trump zu einem unberechenbare Risiko für die transatlantischen Beziehungen. „Man sieht seinen Charakter und der verspricht nichts Gutes.“

Der Bundeskoordinator für transatlantische Beziehungen, Jürgen Hardt (CDU), zeigt sich von dem ersten TV-Duell enttäuscht. „Wir haben eigentlich keine Argumente gehört, die wir bisher nicht auch im Wahlkampf schon öfters gehört haben“, sagte Hardt am Dienstag im Deutschlandradio. Es sei zu erwarten gewesen, dass Hillary Clinton und Donald Trump in der ersten Runde versuchen, ihre Anhängerschaft bei der Stange zu halten. „Was ich vermisst habe, ist, dass einer der Kandidaten versucht hätte, im politischen Lager des anderen oder in der unentschlossenen Mitte tatsächlich nach Stimmen zu fischen“, so der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Das erhoffe er sich für die zweite und dritte Debatte zwischen Trump und Clinton.

TV-Debatte Trump vs. Clinton: Warnung vor Trinkspielen

Schon vor der ersten TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump kursiert in den USA die nicht ganz ernst gemeinte Warnung vor Trinkspielen während der 90 Duell-Minuten. „Vielleicht haben Sie vor, immer dann einen zu heben, wenn Trump lügt“, schreibt das Portal „Raw Story“. Das sei aber nicht nur gefährlich, sondern potenziell tödlich. Immerhin habe das Portal „Politico“ errechnet, dass Trump binnen seiner Statements in nur fünf Tagen zwischen dem 15. und 20. September durchschnittlich alle drei Minuten und 15 Sekunden gelogen habe. In diesen Intervallen trinke man sich während der TV-Debatte möglicherweise blitzschnell in eine Alkoholvergiftung.

Nicht alle Aussagen, die Trump machte, kamen bei den Zuschauern gut an - etwa seine Antwort auf die Aussage Clintons, er habe noch nie Steuern gezahlt. "Dann bin ich klug."

Hier können Sie die Einschätzung des US-Korrespondenten des Münchner Merkur zum TV-Duell nachlesen

Allein die „New York Times“ hat die erste TV-Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten mit nicht weniger als 18 Reportern begleiten, die das Duell einem sofortigen Faktencheck unterzogen haben. Nach Angaben der Zeitung saßen die Teams auf Washington und New York verteilt. Mike Pence, republikanischer Kandidat für das Amt des US-Vizepräsidenten, sage vor der TV-Debatte. „Donald Trump ist jemand, der einfach die Wahrheit sagt. Er hat breite Schultern. Er wird in der Lage sein, seinen Punkt zu machen. (...) Trump hat sich auf diese Nacht eigentlich sein ganzes Leben lang vorbereitet. Er hat eine überlebensgroße Persönlichkeit - und er hat das Herz eines großen Präsidenten.“

TV-Duell Trump vs. Clinton: Sanders warnte vor Äußerlichkeiten

Bernie Sanders, in den Vorwahlen der US-Demokraten unterlegener Konkurrent Hillary Clintons, warnte vor der ersten Debatte vor einem zu starken Fokus auf Äußerlichkeiten. Man solle den Kandidaten zuhören, sie an ihren Ideen, Programmen und Politikentwürfen messen und nicht an Frisuren oder der Frage, wer präsidentieller wirke, sagte Sanders kurz vor der Debatte CNN. Sanders sagte, nach seinen TV-Debatten mit Clinton habe er die Erfahrung gemacht, dass Äußerlichkeiten in der Bewertung seitens klassischer Medien eine ungleich größere Rolle gespielt hätten als in den sozialen Netzwerken und Online-Medien.

Trump gegen Clinton: Die 1. TV-Debatte ist vorbei.

Donald Trump hatte zur ersten Fernsehdebatte mit Hillary Clinton Gäste eingeladen, deren Anwesenheit seine Kontrahentin irritieren könnten. Unter anderem war Mark Geist im Publikum, ein Überlebender der Terrorattacke auf das US-Konsulat in Bengasi, wie der Republikaner-nahe US-Sender Fox News unter Berufung auf Parteiquellen berichtete. Der Anschlag 2012 wird von Kritikern als Folge schwerer Fehler der damaligen US-Außenministerin Clinton betrachtet.

Außerdem saßen mit Mike Flynn und Keith Kellogg zwei Ex-Generäle für Trump im Raum. Clinton bot unter anderem Mark Cuban auf, ein milliardenschwerer Unternehmer und einer der führenden Figuren in der Anti-Trump-Bewegung. Gerüchte, wonach Trump auch Gennifer Flowers in der ersten Publikumsreihe platzieren wollte, bestätigten sich jedoch nicht. Die heute 66-Jährige hatte eine Affäre mit Clintons Ehemann, dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton.

TV-Duell: "Clinton ist Kriegstreiberin, Trump ein Verrückter"

US-Filmregisseur Oliver Stone betrachtet die Präsidentschaftwahl in seinem Land als Entscheidung zwischen zwei Übeln. Hillary Clinton hält er für eine "Kriegstreiberin", Donald Trump für einen "Verrückten". ie US-Wähler steckten angesichts dieser Alternative "in der Zwickmühle", sagte Stone in einem Interview des Schweizer Fernsehsender RTS, das kurz vor der ersten TV-Debatte zwischen Clinton und Trump in der Nacht zum Dienstag ausgestrahlt wurde. Stone sagte, er halte Trump für "gefährlich". Der Immobilienmilliardär könne sich zwar gut im Fernsehen verkaufen, "doch in ihm steckt ein Verrückter". Zugleich warnte er jedoch, Clinton würde als Präsidentin einen international wesentlich "aggressiveren" Kurs fahren als Amtsinhaber Barack Obama. Dies gelte etwa für den Syrien-Konflikt oder den Umgang mit Russland. Stone hob hervor, dass Clinton als Außenministerin die internationale Militärintervention in Libyen unterstützt und seinerzeit als Senatorin für den US-geführten Angriff gegen den Irak gestimmt hatte. Sie werde von den gleichen "Impulsen" getrieben wie die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher, befand der Regisseur: "Vielleicht hat sie psychologisch etwas zu beweisen", sagte der 70-Jährige, der im Laufe seiner Karriere viele Filme politisch kontroversen Inhalts gedreht hat. Stones neuestes Werk "Snowden" erzählt die Geschichte des IT-Spezialisten Edward Snowden, der 2013 das weltweite Überwachungsprogramm des US-Geheimdienstes NSA enthüllt hatte und in Russland im Exil lebt.

dpa/AFP/pak

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