US-Wahl in der Vor-Analyse

Wie die internationale Presse einen möglichen Wahlsieg Trumps sieht

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Schafft er es ins Weiße Haus? US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

München - Die meisten Medien sehen einen möglichen Wahlsieg Donald Trumps bei der US-Wahl kritisch. Was ein Erfolg des Republikaners bedeuten könnte, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Die linksgerichtete Pariser Tageszeitung "Libération" blickt auf die US-Wahl und ihre Bedeutung für die Welt:

"Die Präsidentschaftswahl in den USA gleicht einem Referendum über die Globalisierung. Selbst wenn die Vereinigten Staaten nicht mehr die Supermacht sind, die noch vor zehn Jahren den Ton angab, ist die Abstimmung bedeutsam für den Planeten. Setzt sich mit Donald Trump der dumpfe Nationalismus durch? Oder siegen mit Hillary Clinton die Kräfte der Öffnung? Diese Volksabstimmung ist nicht die erste, die beunruhigend ist. Überall machen sich identitäre Strömungen breit: In Großbritannien mit dem Brexit, in Ungarn mit Viktor Orban, in Deutschland mit Pegida und in Frankreich mit der Front National."

Die Londoner „Times“ schreibt am Dienstag:

Sollte Donald Trump gewinnen, wird der Himmel nicht einstürzen. Er mag rücksichtslos wirken, aber wahrscheinlich wird er pragmatischer auftreten, wenn er an der Macht ist und von vielen seiner unbedachten Wahlkampfäußerungen Abstand nehmen. In jedem Fall ist das System, das diese beiden Kandidaten hervorbrachte, größer als jeder von ihnen. (...) Wer immer gewinnt, der Trumpismus wird weiterleben. Seine lautstärksten Anhänger sind ältere weiße Männer, die sich überrollt fühlen von den schnellen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die Amerika verändern. Der nächste US-Präsident kann es sich nicht leisten, ihre Sorgen auszublenden, denn sie werden mit neuer Schlagkraft zurückkehren.“

Die linksliberale polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ meint:

„Ein Sieg Trumps wird Amerikas Position in der Welt nicht nur schwächen und der Welt damit schaden, sondern für viele Amerikaner auch eine große Schande sein. Sie könnten sich von der Politik abwenden. Bei einem Sieg Clintons wird ein Großteil der Welt aufatmen. Doch einige Amerikaner könnten es als Signal für einen Aufstand verstehen. Politische Kommentatoren warnen sogar vor Unruhen. Der Zorn, den Trump anstachelt, wird nicht einfach verschwinden.“

Der Kommentar der national-konservativen lettischen Tageszeitung „Latvijas Avize“:

„Heute findet eines der wichtigsten Ereignisse in den Vereinigten Staaten und auch eines der bedeutendsten in der Weltpolitik statt - die US-Präsidentschaftswahl. Als Kandidaten treten die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton für die Demokraten und der Milliardär Donald Trump für Republikaner an. Nach Einschätzung von politischen Beobachtern könnten es die dreckigsten und hässlichsten Wahlen der US-Geschichte gewesen sein. Als scheußlichsten Wahlkampf der Geschichte betrachten ihn durchschnittlich 8 von 10 befragten US-Bürgern. Viele Amerikaner stehen heute vor einer der schwierigsten Entscheidungen: Welchen Kandidaten soll man wählen, wenn weder die eine noch den anderen mag. Daher wird es eine Abstimmung nach dem Prinzip der Wahl des geringeren Übels.“

Die regierungsnahe Budapester Tageszeitung „Magyar Idök“ analysiert:

„Was für ein Präsident Donald Trump wäre - ein nüchterner, bedachtsamer Führer, der auf seine Berater hört, oder, wie wir ihn im Wahlkampf sehen konnten, ein unsteuerbarer Torpedo -, wissen wir nicht. Hillary Clinton, die Repräsentantin der hemmungslosen Washingtoner politischen Elite, kennen wir gut, doch im Fall ihrer Wahl würden wir uns auch nicht viel sicherer fühlen. Amerika blickt (...) einer schicksalsentscheidenden Wahl entgegen. Die Welt wiederum einer ungewissen Zukunft.“

Die liberale slowakische Tageszeitung „Dennik N“ sieht Trumps Macht beschränkt:

„Zwar hat der US-Präsident große Vollmachten und lenkt die Außenpolitik, er ist aber kein Autokrat, sondern eingebettet in ein effektives demokratisches Rechtssystem, das schon manche Krise überstanden hat. Die Macht des Präsidenten wird aufgewogen von den beiden Kammern des Kongresses, einer unabhängigen Justiz und gut funktionierenden Medien.

Hinter Trump stehen auch nicht viele Abgeordnete der eigenen republikanischen Partei, so dass er schnell auf Widerstand stößt, sobald er wie erwartet irgendwelchen Unfug durchsetzen will. Und dann gibt es auch noch eine intakte Zivilgesellschaft engagierter Bürger. Die Macht des US-Präsidenten ist also beschränkter, als es auf den ersten Blick scheint.“

Die konservative norwegische Tageszeitung „Aftenposten“ kommentiert:

„Am Mittwoch wissen wir höchstwahrscheinlich, wer der nächste Präsident (oder die nächste Präsidentin) der USA wird. Hoffentlich Hillary Clinton. Sie ist nicht nur unendlich viel besser für den Job qualifiziert als Donald Trump. Clinton hat auch eine Politik, die zusammenhängt und versteht, vor welchen Herausforderungen die USA innen- und außenpolitisch stehen.“

Über die US-Wahl schreibt die russische Zeitung „Moskowski Komsomolez“:

„So eine Präsidentenwahl wie in diesem Jahr haben die USA noch nicht erlebt und werden sie vermutlich auch lange nicht mehr erleben. Niemals mussten die Amerikaner zwischen zwei so unbeliebten Kandidaten für das höchste Staatsamt wählen (wie Hillary Clinton und Donald Trump). Die meisten Experten sind überzeugt: Wer auch immer der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird, er wird nur für eine Amtszeit der Chef im Weißen Haus sein.“

Die liberale dänische Tageszeitung „Politiken“ (Kopenhagen) am Dienstag:

„Sie ist Berufspolitikerin, elitär, überlegen, distanziert, unecht und korruptionsverdächtig. Wir kennen die Argumente gegen Hillary Clinton, aber trotzdem ist sie die richtige Frau, um das Weiße Haus zu übernehmen. Und das nicht nur, weil die Alternative - Donald Trump - zu gleichen Teilen abstoßend und beunruhigend ist. Hillary Clinton kann den USA eine hervorragende und visionäre Präsidentin sein, und selten war der Bedarf dafür größer als jetzt.“

dpa

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