Er wird der mächtigste Mann der Welt

US-Wahl: Wie aus Donald der Präsident wurde

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Immer selbstbewusst: Donald Trump.

München - Donald Trump wird der 45. Präsident der USA! Doch wo kommt er eigentlich her und was prägte sein von Erfolg und Wettbewerb getriebenes Denkmuster? Eine Spurensuche.

Was viele für unmöglich erachtet hatten, wurde am Mittwoch Realität. Das amerikanische Volk hat Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Für den Milliardär ist die Wahl zum Präsidenten der Gipfel eines Lebens, das immer auf Erfolg ausgerichtet war. Für den Geschäftsmann Trump zählte in den vergangenen 40 Jahren immer nur eines: der Beste zu sein, im Wettbewerb immer die Nase vorne zu haben. Eine Niederlage? Ausgeschlossen. Aber wo kommt der designierte Präsident eigentlich her und was prägte sein von Erfolg und Wettbewerb getriebenes Denkmuster? In der Biografie des 70-Jährigen finden sich Antworten auf diese Fragen:

Die Eltern: Donald Trump wurde 1946 als viertes von fünf Kindern geboren. Die Eltern Fred und Mary Trump heirateten 1936. Schon in den 1920er-Jahren begann sich Fred im Baugewerbe zu engagieren, im Zweiten Weltkrieg errichtete er in New York Wohnblöcke für heimgekehrte Veteranen. Die Geschäfte brachten nicht nur Reichtum mit sich. Trump wurde zudem zu einer der einflussreichsten Personen in ganz New York. Die Prägung auf die Eltern war entscheidend für die Entwicklung des kleinen Donald. Schon sehr früh, im Alter von ungefähr sechs Jahren, impfte der Vater dem kleinen Buben ein, dass Gewinnen das Einzige sei, was zählen würde: „Be a killer, be a king“, war ein beliebtes Sprichwort des Seniors, erklärt Biograf Michael D’Antonio im tz-Gespräch. „Killer“ meint in diesem Zusammenhang jene Leute, die Erfolg über alles stellen und damit auch erfolgreich sind. Diese Mentalität nahm der kleine Donald früh in sich auf. Eigentlich sollte der älteste Trump-Sprössling Fred Jr. das Unternehmen des Vaters übernehmen. Dieser jedoch konnte mit jener Mentalität nicht umgehen und wurde stattdessen Pilot. Donald rückte auf. Regelmäßig nahm ihn der Vater mit auf die Baustellen. Fred war arbeitswütig. Voller Ehrgeiz und Erfolgswillen. Und die Arbeitsmoral des Seniors saugte der junge Donald früh auf.

Die Kindheit: Die Trumps lebten in einem noblen Viertel im New Yorker Stadtteil Queens. Den Großteil seiner Kindheit verbrachte Donald in einem herrschaftlichen Anwesen. 23 Zimmer, Chauffeur, Personal. Luxus pur. „Sie haben sich immer als sehr privilegiert angesehen, fast schon mit royalem Charakter“, sagt D’Antonio. Der kleine Donald sei aber kein Einzelgänger gewesen, betont Trump-Biografin Gwenda Blair: „Er war weder sonderlich beliebt, noch ein einsamer Wolf. Aber auch ein Angeber, der früh als taffer Junge angesehen werden wollte.“

Die Grundschule: Trump ging auf eine Privatschule. Die Kew-Forest-School liegt mitten in Queens, an einer befahrenen Hauptstraße, wo sich Laster an Laster reiht und es nach Abgasen stinkt. Doch die 1918 eröffnete Schule gleicht einer Enklave für privilegierte Kinder. Es dauerte nicht lange und in der Schule häuften sich Beschwerden über Trump. Er selbst schrieb in seinem Buch The Art of the Deal, dass er auf einen Musiklehrer losgegangen sei. D’Antonio ergänzt: „Die Lehrer riefen bei den Trumps an, da Donald oft störte, ungehorsam war und andere schikanierte“. Trump habe ihm ebenfalls einmal gesagt, dass er sich seit der Grundschule vom Temperament her nicht verändert habe, so der Biograf.

Die Militärschule: Als Reaktion auf das Verhalten des Sohnes schickte ihn der Vater im Alter von 13 Jahren auf eine Kadettenschule. Die New York Military Academy, eine der härtesten Militärschulen der USA. Gegründet 1889 von Charles Jefferson Wright, einem Veteranen des US-Bürgerkrieges (1860-1865). Statt Luxus hieß es nun Strammstehen. Trump musste sich zwangsweise unterordnen. Das Umfeld an der Akademie war abweisend. „Gewinnen ist nicht alles, es ist das Einzige.“ Ein Satz des erfolgreichen Baseball-Trainers Vince Lombardi, der von einem Lehrer dort übernommen wurde. Solche Sprüche bekamen die Jungen eingeimpft. „Wir waren zu hundert Prozent motiviert und konzentriert. Um nicht zu versagen. Sie brachten uns bei, dass man immer vorne marschieren musste“, erklärt Ted Levine, Trumps zwischenzeitlicher Zimmergenosse. Das nutzte Trump vor allem im Sport. Baseball, Football, Basketball. Nur einige der Disziplinen. Zu Biograf D’Antonio sagte Trump einst: „Ich war immer der beste Spieler. Nicht nur im Baseball. In jedem Sport.“ Trump schloss die Militärschule 1964 ab und begann ein Wirtschaftsstudium. Zunächst in New York, später in Philadelphia. Nach dem Studium stieg er in das Unternehmen des Vaters ein, das er 1971 als CEO dann auch übernahm.

Norman Vincent Peale: Peale war ein in den USA bekannter Pfarrer aus New York. Er predigte in der Marble Collegiate Church in Manhattan. Bekanntheit erlangte er aber mit einem Buch, das den Titel Die Kraft des positiven Denkens trug. Es verkaufte sich über zwei Millionen Mal. In der Kirche gaben sich Politik- und Wirtschaftsgrößen die Hand. Auch Richard Nixon wurde dort des Öfteren gesichtet. Und auch Fred und Donald Trump waren stetige Gäste in der Kirche Peales. Wie Donald es schon sein ganzes Leben eingehaucht bekam, predigte Peale, das Erfolg im Sinne Gottes ist. Die Kraft des positiven Denkens oder: Wenn du an deinen Erfolg glaubst, dann wird er sich auch einstellen. Es wurde zu einem Wegweiser für Trump. Seine Denkmuster erklärt der ehemaliger Schulkamerad Sand McIntosh im tz-Gespräch: „Er machte den Eindruck, dass er keine Empathie für andere zeigen konnte. Oder wollte. Er hat zum Beispiel nie über Witze anderer gelacht. Nur über seine eigenen. Er verstand sich mit fast allen, aber wirkliche Freunde hatte er nicht. Niemanden, mit dem er intensive Gespräche hätte führen können. Statt Empathie steckte hinter seinem Handeln immer Strategie.“ Niederlagen gestand sich Trump in seiner Karriere nie ein, auch wenn sie auf der Hand lagen. Und auch an eine Niederlage im Präsidentschaftswahlkampf wollte Trump nie glauben. Von einem Sieg war er immer überzeugt. Ganz im Sinne Peales.

Deutsche Großeltern

Donald Trump ist US-Amerikaner. Sonst dürfte er auch gar nicht Präsident werden. Aber der 70-Jährige hat deutsche Wurzeln. Und zwar in Rheinland-Pfalz, genauer in dem kleinen Städtchen Kallstadt. Bis 1918 gehörte es zum Königreich Bayern. 1200 Einwohner, bekannt für guten Wein. Die Großeltern Friedrich und Elisabeth wanderten damals aus Deutschland aus, emigrierten in die USA. Friedrich Trump machte ein Vermögen mit Restaurants. 

Noch heute stehen auf dem Friedhof von Kallstadt Grabsteine, die den Namen Trump tragen (Foto). Das ehemalige Haus der Großeltern des designierten Präsidenten steht aktuell sogar zum Verkauf (Foto o.). Der Stammbaum der Trumps geht zurück bis in den 30-jährigen Krieg. Damals noch unter dem Namen Drumpf ließ sich die Familie im Jahr 1608 in Kallstadt nieder. Im Laufe des 17. Jahrhunderts, so die Aufzeichnungen, änderte sich der Name von Drumpf in Trump. Die Familie ist zudem auch mit einem weiteren Unternehmerimperium verwandt. Friedrichs Tante war die Großmutter des Unternehmers Henry John Heinz, der in den USA ebenfalls reich wurde. Mit Ketchup.

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