Schicksalstag für Volkswagen

VW-Skandal: Der Milliarden-Vergleich in den USA in der tz-Analyse

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Endkontrolle eines Phaeton im VW-Werk Dresden.

Wolfsburg - Ein Schicksalstag für VW – wieder mal: Es wird erwartet, dass US-Richter Charles Breyer nach seiner Anhörung am Dienstagabend die finale Zustimmung zum Kompromiss mit US-Klägern geben wird. Die tz analysiert, ob auch nach diesem Vergleich das große Blechen weitergeht:

Was bedeutet der Vergleich für die Zukunft von VW?

Für den Konzern ist es extrem wichtig, ein erstes wirklich abgeschlossenes Verfahren in den USA in der Dieselaffäre vorzeigen zu können. Die US-Gerichte sind besonders gefürchtet, anderswo sind die Schadenersatz-rechte weit weniger ausgeprägt – etwa in Deutschland (siehe unten). VW hatte sich mit geschädigten Kunden sowie US-Behörden auf eine Vergleichszahlung von 16,5 Milliarden Dollar geeinigt.

Welche Entscheidung wird erwartet?

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Breyer den bislang teuersten Vergleich in der Automobilgeschichte genehmigen wird. Der Richter hatte das Entschädigungsangebot des Konzerns bereits vor Monaten als fair und angemessen eingestuft. Bei der finalen Entscheidung geht es vor allem darum, ob die Offerte auch bei den Hunderttausenden betroffenen Dieselbesitzern Anklang findet. Hohe Annahmequoten haben aber bereits gezeigt, dass das wohl der Fall ist.

Überlebt VW die drohenden Strafen?

„VW verkraftet das – es sind große Reserven da. Der Konzern wird sich im Zuge des Skandals verschlanken und so gut gerüstet für die Zukunft sein. Für Dieselautos bedeutet dieser Skandal aber den Tod“, meint dazu Auto-Experte Prof. Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit der tz. In der Bilanz für 2016 hatte VW Rückstellungen in Höhe von 16,2 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten und Mängelbeseitigung eingeplant.

Warum ist der Abgas-skandal in den USA damit noch nicht bewältigt?

Bei der bislang erzielten Einigung geht es um rund 475.000 VW-Dieselwagen mit kleineren 2,0-Liter-Motoren. Bei etwa 85.000 Dickschiffen des Konzerns, die mit 3,0-Liter-Antrieb der Tochter Audi unterwegs sind, ringt man weiterhin mit den US-Behörden um eine Lösung. Bis zur nächsten Anhörung am 3. November will Breyer konkrete Vorschläge sehen, wie diese laut US-Regulierern ebenfalls mit illegaler Software zur Abgaskontrolle ausgerüsteten Autos in einen gesetzeskonformen Zustand versetzt werden können.

Schafft VW das technisch?

Die Ingenieure des Konzerns doktern schon seit Monaten daran herum – bislang vergeblich. Sollte eine technische Umrüstung nicht möglich sein, könnte VW gezwungen sein, Kunden wie bereits bei den 2,0-Liter-Modellen Rückkäufe anzubieten. Da es sich bei den Wagen mitunter um teure Luxus­modelle der Oberklassetöchter von Audi und Porsche handelt, dürfte das noch einmal richtig ins Geld gehen.

Was gibt es noch für Baustellen in den USA?

Kurz nachdem VW die erste grundsätzliche Einigung im Massenrechtsstreit erzielt hatte, legte eine Reihe von Bundesstaaten bereits mit neuen Klagen nach. Vermont, Mary­land, Massachusetts, New York, Washington und Pennsylvania wollen den Konzern wegen Verstößen gegen Umweltgesetze zur Rechenschaft ziehen. VW strebt auch hier einen Vergleich an. „Das wird noch mal richtig teuer“, so „Auto-Papst“ Dudenhöffer. „Das wird in die Milliarden gehen.“

Und was ist mit den strafrechtlichen Vorwürfen?

Das ist der größte Brandherd für VW! Nachdem im September der erste in den Skandal involvierte Ingenieur im Zuge einer Strafanzeige ein Geständnis abgelegt und Kooperation mit den US-Behörden versprochen hat, bleibt abzuwarten, wen der langjährige Mitarbeiter noch alles belastet. Das US-Justizministerium prüfe bereits, welches Strafmaß man dem Konzern wegen krimineller Vergehen zumuten könnte, so der Finanzdienst Bloomberg.

Lesen Sie auch: Wohl doch keine Sammelklagen gegen VW möglich

KR/dpa

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