Spahn (CDU) schimpft auf Kopftücher

TV-Talk bei Illner: SPD-Frau erklärt, was sie zur AfD trieb

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In der Sendung diskutierten (v.l.) Jens Spahn (CDU), Sascha Lobo, Maybrit Illner, Frank Stauss (SPD), Philomena Poetis und Stefan Petzner. 

Berlin - Was machen Rechtspopulisten wie Trump und die AfD richtig, was andere Parteien offenbar falsch machen? Bei „Maybrit Illner“ gab es dazu eine emotionale Debatte. 

Donald Trump ist US-Präsident - wie um Gottes Willen hat er das geschafft? Sind die Hälfte der Amerikaner plötzlich Rassisten? Darüber rätselte am Donnerstagabend die Talk-Runde bei „Maybrit Illner“. Schnell war man aber beim Erfolgsrezept der AfD in Deutschland und beim aufkeimenden Rechtspopulismus in ganz Europa.

Einer diskutierte mit, der ganz genau wissen muss, wie Populismus funktioniert: Stefan Petzner managte einst den FPÖ-Mann Jörg Haider in Österreichs Wahlkampf.  „Rechtspopulisten verknüpfen die soziale Frage mit der Migrationsfrage“, weiß er. „Die sagen: Dir geht es schlecht, weil die Ausländer dir die Jobs wegnehmen. Das ist ihr Erfolgsgeheimnis.“ Solange die Verteilung des Wohlstands in Europa so ungerecht bleibe und von der linken Politik rein gar keine Antworten darauf kämen, sei die „soziale Frage“ wichtigste Antriebsfeder der rechtspopulistischen Parteien.

„Wir wollen, dass ihr euch vor dem Wahlergebnis ekelt“

Noch etwas motiviere so viele, ihr Kreuzchen bei Trump, AfD, der Front National oder ähnlichen Konsorten zu machen: Sie wollen dem Establishment eins auswischen, glaubt Ex-FPÖler Petzner. Die Denkweise der Protestwähler sei: „Wir wollen, dass ihr schockiert seid. Wir wollen, dass ihr euch vor uns fürchtet. Wir wollen, dass ihr euch sogar ein bisschen ekelt vor dem Wahlergebnis.“

Journalist und Blogger Sascha Lobo glaubt außerdem, dass „Rechte und Rechtsextreme weltweit viel besser begriffen haben, wie die sozialen Medien funktionieren.“ Trumps Tweets beispielsweise seien sehr viel emotionaler und direkter gewesen als die von Hillary Clinton.

Jens Spahn (CDU) provoziert mit Kopftuch-Kritik

Populistische Sprüche funktioniere aber auch nur, wenn sie auf fruchtbaren Boden fallen, glaubte Talkgast Jens Spahn (CDU). Viele fürchteten eben um die kulturelle Identität ihre Landes. Auch er empfinde es „nicht als Bereicherung, durch Straßen zu fahren, wo ist fast keine Frauen mehr sehe und wenn, dann mit Kopftuch“. SPD-Wahlkampfmanager Frank Stauss brachte dieser Kommentar auf die Palme: Spahn zettele eine „Scheindebatte“an - kein Problem in Deutschland ließe sich lösen, wenn man Ausländer ausweise. 

Welche Gründe hat jemand, der von einer etablierten Partei zur AfD überläuft? Das konnte wohl keine besser beantworten als Martina Böswald, Rechtsanwältin aus Baden-Württemberg. Das frühere SPD-Mitglied trat der AfD bei: „Ich habe in der SPD keine Heimat mehr, sie hat die Interessen ihrer Klientel verraten.“ Warum aber ausgerechnet die AfD? „Man kann dort solche Sachen sagen, ohne dass man als dumm verschrien wird oder als Rassist.“ Zugegeben, die AfD sei eine „sehr schillernde“ Partei, sagte die dreifache Mutter. Neben „Marktschreiern“ wie Björn Höcke, die sich in den Vordergrund drängen würden, seien aber auch „viele gestandene Leute“ wie sie selbst in der Partei. 

Frank Stauss (SPD) will die AfDlerin nicht zurückgewinnen

SPD-Wahlkampfmanager Frank Stauss wollte die AfD-Rechtsanwältin trotzdem nicht dazu bewegen, wieder zu den Sozialdemokraten zurückzukehren. „Wer in der heutigen Zeit in diese Partei eintritt, wer diese ganzen Vorurteile mitnimmt und sagt, es ist mir völlig egal, welche Brandstifter in der Partei das Sagen haben.... Es gibt auch Leute, da ist es halt verloren.“

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