Die Sprache der Augen

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München - Wir alle beobachten manchmal merkwürdige Dinge an unserem Körper. Manche sind einfach nur lästig, wie plötzliches Lidzucken.

Blähungen beim Abendessen mit Bekannten hingegen sind höchst peinlich. Und oft weiß man gar nicht, wie man plötzliche Hautflecken oder Lichtblitze vor den Augen einschätzen soll. Sind solche Signale gefährlich? Oder doch vollkommen harmlos? Was sagen sie uns? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie hier, in unserer großen Serie der Körpersignale. Zwei Wochen lang stellt Ihnen Ihre tz täglich einen Teil des Körpers und seine Signale vor. Aber Achtung: Diese Rundschau ersetzt nicht den Arzt. Im Gegenteil: Wenn Sie die Sprache Ihres Körpers besser verstehen, können Sie eher mit einem Fachmann über Dinge sprechen, die Sie bisher als unwichtig abgetan haben oder die Ihnen peinlich waren. Lernen Sie die Signale Ihres Körpers kennen und leisten Sie so einen wertvollen Beitrag zu Ihrer Gesundheit!

„Schau mir in die Augen Kleines!“ Mit diesem Satz schrieb Humphrey Bogart 1942 Filmgeschichte. Und die Magie schöner Augen ist bis heute ungebrochen. Doch was ist, wenn die Augen Probleme machen? Das zweitkomlexeste Organ unseres Körpers – nach dem Gehirn – dient hauptsächlich zum Sehen, doch neben seiner physiologische Funktion verrät es uns noch so einiges über unserer Wohlbefinden:

Ringe unter den Augen:Wenn jemand dunkle Ränder unter den Augen hat, dann ist er meistens unausgeschlafen oder hat ein Gläschen zu viel getrunken. Doch es gibt auch andere Gründe: Eine weitere Ursache für die dunklen Schatten ist sehr dünne und durchsichtige Haut unter den Augen. Und die ist vererbbar. Darüber hinaus spielen Hormone eine Rolle: Viele Frauen werden während der Schwangeschaft blasser, was die Ringe begünstigt. Und sie können ein Zeichen für Exzeme, Allergien oder zu viel Sonnenbaden sein.

Tränensäcke:Die geschwollenen Hautsäcke unter den Augen können indirekte Anzeichen einer Depression sein. Schwermütige schlafen oft wenig und weinen viel. Die vielen Tränen sammeln sich unter den Augen und können einen Flüssigkeitsstau verursachen. Auch Menstruation, Schwangerschaft, übermäßiger Salzkonsum sowie bestimmte Medikamente wie die Pille oder Antidepressiva können zu einem Flüssigkeitsstau und damit zu Tränensäcken führen. Darüber hinaus treten die Schwellungen häufig als Warnsignal einer Schilddrüsenunterfunktion auf. Und oft wachen wir mit verquollenen Augen auf, weil sich auch im Schlaf vermehrt Flüssigkeit unter den Augen sammelt.

Gegenmaßnahme: Lagern Sie den Kopf beim Schlafen höher. Auch gekühlte Teebeutel oder Gurkenscheiben fünf bis zehn Minuten auf den Augen lindern die Schwellungen.

Verschiedenfarbige Augensind ein Fall von Iris-Heterochromie: Wenn die Regenbogenhäute der Augen durch eine Störung der Pigmentfärbung verschieden sind, hat man unterschiedliche Augenfarben. Dieses Phänomen tritt bei Hunden, Katzen und Pferden häufig auf, bei Menschen ist es jedoch eher selten. Heterochromie kann sowohl genetisch veranlagt sein als auch eine Folge von Krankheiten, Verletzungen am Auge oder von Medikamenten-Einnahme sein.

Lidzucken: Jeder kennt das: Plötzlich zuckt das Lid und man kann nichts dagegen tun – außer abzuwarten, bis es wieder aufhört. Aber keine Angst: Meistens handelt es sich dabei um eine sogenannte Faszikulation, eine harmlose Kontraktion winziger Muskeln. Gründe können sein: Übermüdung, zu viel Koffein, Stress oder zu langes Starren auf einen Bildschirm. In seltenen Fällen kann das Lidzucken auch Frühzeichen für eine seltene neurologische Erkrankung, das Meige-Syndrom, oder für einen Lidkrampf sein.

Mouches volantes („fliegende Mücken“):So nennen Experten die Punkte oder Flecken, die einem manchmal für Sekunden vor dem Blickfeld schweben. Reibt man sich die Augen, um die lästigen Flecke loszuwerden, hilft das gar nichts. Grund: Die Flecke sind kein Staub oder Schmutz, sondern winzige Klümpchen der gallertartigen Substanz des Glaskörpers. Meistens sieht man Mouches volantes, wenn man auf einen hellen Hintergrund wie den klaren Himmel schaut. Besonders häufig plagen die winzigen Punkte sehr kurzsichtige oder an den Augen operierte Menschen.

Lichtblitzesind in Comics an der Tagesordnung: Bekommt eine Figur Schläge auf den Schädel ab, kreisen um ihren Kopf Sternchen. Im wirklichen Leben sieht man solche Sterne oder Lichblitze, fachsprachlich Phosphene genannt, nur selber. Und das sowohl bei geschlossenen als auch offenen Augen, meist am Rande des Gesichtsfeldes für wenige Sekunden. Auch nach langem Starren auf einen Bildschirm oder bei Übermüdung können sie auftreten. In der Regel sind Lichtblitze kein Grund zur Besorgnis und wie auch Mouches volantes eine normale Alterserscheinung. Sie können aber auch ein Zeichen von niedrigem Blutdruck oder die Vorboten einer Migräne sein.

Blutunterlaufene Augensind meist ein Zeichen für zu viel Alkohol oder einen tränenreichen Abend. Wenn man viel weint, erweitern und entzünden sich die winzigen Blutgefäße im Auge. Zu viel Alkohol kann einen ähnlichen Effekt haben. Manchmal sind blutunterlaufene Augen auch ein Signal für eine Erkältung oder eine Allergie.

Hervortretende Augendeuten oft auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Diese Überfunktion, deren häufigste Form die sogenannte Basedow-Krankheit ist, sorgt für eine Hormon-Überproduktion. Die wiederum ist dafür verantwortlich, dass Muskeln, Bindegewebe und Fett im Bereich der Augenhöhle anschwellen und der Augapfel dadurch nach vorne gedrückt wird. Darüber hinaus können eine Infektion, der grüne Star und Krankheiten wie Leukämie oder ein Augentumor Gründe für hervortetende Augen sein.

Gelbe Augen:Wenn sich das Weiß in den Augen gelb verfärbt, ist das meistens ein Zeichen für Gelbsucht: Zu viel von dem orange-gelben Farbstoff Bilirubini im Blut färbt Haut und Augen gelb. Auch können gelbe Augen Warnsignal für Hepatitis, Zirrhose, Gelbfieber, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs sein.

Eine tz-Serie von Diana Faust

Quelle: tz

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