Bis 2030 fehlen 4000 Kräfte

Pflegenotstand: 25 Vietnamesen für München

Mira Cerovac hilft im St.-Willibrord-Heim einer Bewohnerin aus dem Bett.
Mira Cerovac hilft im St.-Willibrord-Heim einer Bewohnerin aus dem Bett.
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München - Der Personalmangel greift um sich und der Pflegenotstand ist absehbar: Die Arbeitsagentur verzeichnet für Stadt und Landkreis München 174 offene Stellen für Altenpfleger und Helfer.

Schon heute suchen die rund 50 Seniorenheime auch in Fernost nach Pflegern! Ab Herbst sollen 25 Vietnamesen ihre Ausbildung in München fortsetzen. Noch schaffen es viele Heime die Personalquoten zu erfüllen – die Hälfte aller Mitarbeiter müssen per Gesetz examinierte Pflegefachkräfte sein. Aber das gelingt selbst großen und guten Anbietern wie Münchenstift nur mit allergrößten Anstrengungen. Bis zum Jahr 2030 rechnet die Bertelsmann-Stiftung damit, dass allein in der Stadt mehr als 4000 Pflegerinnen und Pfleger fehlen. Umdenken ist angesagt: Bundesweit ist ein Modellprojekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit gestartet. Nach einem Sprachkurs sollen im September 100 Vietnamesen nach Deutschland kommen, um hier die Anerkennung als Pflegefachkraft zu erhalten. Mehr als 1000 hatten sich beworben! 25 von ihnen sind für die Region München vorgesehen, berichtet die Innere Mission. Auch die Caritas beteiligt sich. Für Deutsche ist dieser physisch und psychisch sehr harte Job bei einem Verdienst von 2500 bis 2900 Euro brutto einfach nicht attraktiv genug.

DAC

Sie machte zweite Karriere in der Pflege

Altenpflege war vielleicht nicht ihr Traumberuf, aber die Chance auf ein neues Leben. Denn Mira Cerovac (56) musste 1993 vor dem Bosnienkrieg fliehen. In München fand die studierte Betriebswirtin eine Stelle im Altenheim - und startete eine zweite Karriere. Heute leitet sie eine der drei Stationen im Caritas-Heim St. Willibrord in Schwabing.

Einfach war der Weg dorthin nicht. Nach der Flucht wurde ihr ausländischer Studienabschluss in Deutschland nicht anerkannt. „Ich hätte Prüfungen wiederholen müssen. Die Zeit hatte nicht, denn ich musste für meine zwölfjährige Tochter sorgen“, sagt Cerovac. In die Pflegebranche kam sie durch einen Zufall. Das Kreisverwaltungsreferat schickte die Mutter zu einem Berufsberater für Flüchtlinge vom Balkan. „Er gab mir den Tipp, mich in der Pflege zu bewerben. Dort seien Kräfte gesucht“, erzählt Cerovac. Zunächst kam sie als Pflegehelferin in einer Einrichtung für behinderte Jugendliche unter. Plötzlich andere Menschen zu füttern und ihnen beim Baden zu helfen, war eine große Umstellung für die Akademikerin: „Ich musste mich beruflich auf eine Ebene bringen, auf der ich zuvor nie war. Anfangs fiel mir das schwer.“ Denn in ihrer Heimat arbeitete Mira Cerovac im Finanzbereich und hatte ein gutes Einkommen.

Bewegung ist die beste Medizin

Schließlich entdeckte sie aber ihr Talent für den Pflegeberuf: „Ich habe viel mit der Stationsleitung zusammengearbeitet. Es liegt mir, Sachen zu organisieren. Das habe ich ja schließlich studiert“, sagt Cerovac. Also kämpfte sie für eine Ausbildungsstelle und nahm an vielen Weiterbildungen teil. „Zum Glück hat mir meine Cousine Deutschunterricht gegeben. Beim Lernen hatte ich nie Probleme“, so die Altenpflegerin.

Seit fast sechs Jahren ist sie für ihre eigene Station verantwortlich: „Ich habe es nie bereut, in die Pflege zu wechseln. Mit der Arbeit bei der Caritas bin ich sehr zufrieden. Es macht Spaß, mich um andere zu kümmern.“ Besonders stolz ist Cerovac, dass sie ihrer Tochter eine bessere Zukunft ermöglichen konnte. „Sie hat Chemie und Biologie studiert. Jetzt lebt sie in den USA und forscht an der Uni“, strahlt die Mutter.

Beate Winterer

Kommentare

HM1969
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Ich glaube die Caritas hat vergessen zu erwähnen das die 2500 - 2900 € brutto nur in Privatkliniken in München bezahlt werden . Und dann mit einer Erfahrung von 20 Jahren. So erging es mir. In städtischen Häuser wie zB. Großhadern sind es nur 2300€ . Dort werden nur max. 3 Berufsjahre angerechnet.

Eine Krankenschwester

et aus Bern
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Ich bin vor 18 Monaten aus dem Klinikum Innenstadt in die Schweiz gegangen und arbeite dort als zufriedener exam. Krankenpfleger/dipl. Pflegefachmann in einer UniKlinik. "Zahlt den Leuten in Deutschland mehr Geld zu besseren Stellenschlüsseln und ich komme in mein geliebtes Bayern zurück!"

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