Alarmierender Engpass

Grafik zeigt Münchner Wohnungs-Debakel

Die Zahl der günstigen Wohnungen in München hat einen Tiefststand  erreicht.

München - Münchens größte Mietstudie offenbart einen alarmierenden Engpass: Die Preise türmen sich immer weiter auf und die Zahl der günstigen Wohnungen erreicht einen Tiefststand!

Früher lief das in München so: Die Preise für Wohnungen stiegen fünf Jahre und fielen fünf Jahre wieder, um dann wieder fünf Jahre zu steigen. Alle zehn Jahre erreichten die Mieten eine Spitze. Auch wenn sich die Welle zu immer neuen Rekorden aufschaukelte, konnten man sich auf den Abschwung verlassen. 1990 lief das so, 2000 auch – seit 2010 gilt das Naturgesetz aber nicht mehr. Die Preise türmen sich immer weiter auf und die Zahl der günstigen Wohnungen erreicht einen Tiefststand!

Ein Hilferuf nach bezahlbaren Bleiben: So steht es im neuen „Bericht zur Wohnungssituation“ des Planungsreferats, der nächste Woche im Rathaus vorgestellt wird und der tz vorliegt. „Wohnen in München muss bezahlbar bleiben“, schreibt Stadtbaurätin Elisabeth Merk im Vorwort. „Die Stadt München zieht alle Register, um den Anteil an preiswertem Wohnraum zu schützen und den Neubau zu fördern.“

Nettomieten bei Wiedervermietung: (GRAFIK VERGRÖßERN)

Für die Vergangenheit spricht ihr eigener Bericht eine andere Sprache: „Ein wesentliches Kennzeichen der Entwicklung ist der Rückgang der preisgünstigen Wohnungen.“ Das betrifft zwar vor allem den luxussanierten und umgewandelten Bestand von Investoren auf dem freien Markt, aber auch die „Eingriffsreserve“ der Stadt. Dazu gehören Sozialwohnungen und die weiteren Wohnungen der städtischen Gesellschaften GWG und Gewofag, die auch nur für 6,25 Euro pro Quadratmeter kalt vermietet werden.

Der Bericht offenbart einen dramatischen Rückgang: „Die Zahl der Sozialmietwohnungen und sonstigen Belegrechtswohnungen der städtischen Gesellschaften ist von ca. 120 000 im Jahr 1980 auf heute nur noch rund 75 000 geschrumpft.“ Noch vor zehn Jahren waren fast 13 Prozent aller Apartments im Mietpreis gebunden, zuletzt waren es nicht einmal mehr zehn Prozent. Die Quote ist im Bundes-Vergleich aber immer noch hoch: Nur Hamburg hat mehr geförderte Bleiben.

Das Prinzip Sozialwohnung und der Grund für den Rückgang: In München gehört jede zweite Wohnung Unternehmen, die billige Baukredite vom Staat bekamen und im Gegenzug nur kleine Mieten verlangen. Wenn die Darlehen auslaufen, fallen die Wohnungen aus der Preisbindung. Das ist derzeit massenhaft der Fall – ohne dass genügend neue dazukommen.

Was tut die Stadt? Merk verweist auf das fünfte Wohnungsprogramm. Bis 2016 soll der Wohnungsbau mit 800 Millionen Euro gefördert werden – 1800 Sozialwohnungen sollen pro Jahr entstehen. Im Bericht heißt es: „Angesichts der aktuellen Ausgangssituation ist davon auszugehen, dass es einen sehr langen Atem braucht.“

David Costanzo

Nur noch 74 000 günstige Wohnungen

Stadtbezirke Sozialwohnungen Weitere städtische Wohnungen
Altstadt-Lehel 190 259
Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt 435 211
Maxvorstadt 448 347
Schwabing West 1206 45
Au-Haidhausen 2124 465
Sendling 790 1023
Sendling-Westpark 1826 1503
Schwanthalerhöhe 1855 345
Neuhausen-Nymphenburg 2116 3681
Moosach 1542 1779
Milbertshofen-Am Hart 4420 3663
Schwabing-Freimann 3781 108
Bogenhausen 1092 246
Berg am Laim 1585 3402
Trudering-Riem 3015 35
Ramersdorf-Perlach 6746 4245
Obergiesing-Fasangarten 916 2175
Untergiesing-Harlaching 654 1077
Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln 1250 688
Hadern 1619 896
Pasing-Obermenzing 2004 481
Aubing-Lochhausen-Langwied 1568 84
Allach-Untermenzing 324 9
Feldmoching-Hasenbergl 1598 1589
Laim 1143 1877
München 44 247 30 233
Quelle: Planungsreferat, Bericht zur Wohnungssituation 2010-2011

„Es gibt keine schnelle Lösung“

Alle zwei Jahre erscheint der „Bericht zur Wohnungssituation in München“ – kommende Woche steht im Rathaus die verspätete Version für die Jahre 2010 und 2011 auf der Tagesordnung. Auf über 130 Seiten beleuchten Stadtbaurätin Elisabeth Merk und ihr Planungsreferat alle Seiten des Marktes – Münchens größte Wohnstudie. Die Fakten und die Ursachen für die Lage:

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- München ist attraktiv. Allein in den beiden Jahren des Berichtszeitraums wuchs die Zahl der Wohnberechtigten (inklusive Zweitwohnsitze) um 3,3 Prozent auf 1 437 267 Einwohner. Mittlerweile ist München sogar fast schon eine 1,5 Millionen-Stadt! Grund sind die Zua­groasten und die immer neuen Geburten-Rekorde. „München ist im Vergleich zu vielen anderen Regionen in Deutschland in einer beneidenswerten Situation“, heißt es im Bericht.

- Gleichzeitig war der Dämpfer der Finanzkrise in München nur von kurzer Dauer. Die Kaufkraft steigt – Ende 2011 verdiente ein Münchner im Durchschnitt 37,2 Prozent mehr als die Menschen im Rest der Republik. Tendenz steigend.

- Mit diesem Wachstum können die Wohnungen nicht mithalten. Im Berichtszeitraum wuchs der Bestand an Wohnungen nur um 0,9 Prozent auf 756 385. Hier zeigt sich in zwei Jahren schon eine Entwicklung, die langfristig zu den Horror-Mieten führte. Immer mehr Menschen konkurrieren um den bestehenden Wohnraum. Die Preise steigen! Im Zentrum werden leicht 15 Euro pro Quadratmeter kalt fällig.

- Die Kehrseite der Medaille: Die Zahl der Münchner mit Anspruch auf eine Sozialwohnung ist groß. „Die Vormerkzahlen sind in den letzen Jahren mit über 10 000 auf sehr hohem Niveau verblieben und es ist nicht absehbar, dass hier ein Rückgang erfolgt“, steht im Bericht. Die Not wird immer größer, denn der Anteil der Menschen mit der höchsten Dringlichkeitsstufe 1 nimmt stetig zu. Dabei wurden 2011 nur 3000 Sozialwohnungen neu vergeben! Damit zumindest die dringlichsten Fälle mittelfristig eine günstige Bleibe bekommen, brauche es mindestens 1300 neue Sozialwohnungen pro Jahr, davon 900 für die untersten Einkommensgruppen. „Kurzfristig wird sich keine schnelle Lösung abzeichen“, mahnt der Bericht. München – reiche Stadt mit armen Mietern.

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Kommentare

AntonAntwort
(1)(0)

Ich hoffe Sie meinen das nicht ernst. Zwangsumsiedlung für die Ihrermeinung unnützen Menschen? Wer nicht mehr arbeiten kann wird abgeschoben?

BlasiusAntwort
(1)(0)

Selbstverständlich werden Familien mit drei od. mehr Kindern bevorzugt.

HollerbuschAntwort
(3)(0)

Sie sollten hier nichts schreiben, da Sie offenbar das System nicht kennen.

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