Grünes Venedig: Mit dem Boot durch das Marais Poitevin

Im Sommer herrscht im Marais Hochbetrieb, dann legen die Boote an einigen Anlegern im Minutentakt ab. Foto: Andreas Heimann
1 von 9
Im Sommer herrscht im Marais Hochbetrieb, dann legen die Boote an einigen Anlegern im Minutentakt ab. Foto: Andreas Heimann
Teilweise ragen die Bäume so weit über das Wasser, dass man auf den Booten die Köpfe einziehen muss. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
2 von 9
Teilweise ragen die Bäume so weit über das Wasser, dass man auf den Booten die Köpfe einziehen muss. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
Die Fahrt mit den Batais geht vorbei an den typischen Häusern der Region. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
3 von 9
Die Fahrt mit den Batais geht vorbei an den typischen Häusern der Region. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
Wie durch einen grünen Dschungel: Die Sumpflandschaft des Marais-Poitevin ist ein einzigartiges Ökosystem. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
4 von 9
Wie durch einen grünen Dschungel: Die Sumpflandschaft des Marais-Poitevin ist ein einzigartiges Ökosystem. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
Besonders viele Kanäle gibt es in der Gegend rund um Coulon. Foto: Andreas Heimann
5 von 9
Besonders viele Kanäle gibt es in der Gegend rund um Coulon. Foto: Andreas Heimann
Auf den Weiden rechts und links der Kanäle ruhen Charolais-Rinder. Foto: Andreas Heimann
6 von 9
Auf den Weiden rechts und links der Kanäle ruhen Charolais-Rinder. Foto: Andreas Heimann
In Village de Sèvres suchen zahlreiche Angler ihr Glück. Foto: Andreas Heimann
7 von 9
In Village de Sèvres suchen zahlreiche Angler ihr Glück. Foto: Andreas Heimann
Nicht nur mit dem Boot: Auch mit dem Fahrrad lässt sich das Marais Poitevin gut erkunden. Foto: SAS Carnidaud-Mercier
8 von 9
Nicht nur mit dem Boot: Auch mit dem Fahrrad lässt sich das Marais Poitevin gut erkunden. Foto: SAS Carnidaud-Mercier

Das Marais Poitevin ist eine faszinierende Landschaft im Westen Frankreichs. Das Feuchtgebiet reicht von Niort bis zum Atlantik, durchzogen von Hunderten Kanälen. Reiher, Otter und Bisamratten fühlen sich hier wohl. Letztere gelten als kulinarische Spezialität.

Coulon (dpa/tmn) - Es ist unglaublich still auf dem kleinen Kanal nicht weit hinter dem Ortsausgang von Coulon. Rechts auf einer Wiese steht bewegungslos ein Reiher. Und durch das dichte Grün am Ufer guckt neugierig eine erstaunlich große Bisamratte.

Die Äste der Bäume auf beiden Seiten des Kanals berühren sich über dem Wasser. "Kathedrale der Natur" wird das Marais Poitevin deshalb etwas pathetisch genannt - oder auch "grünes Venedig". Wer einmal hier mit dem Boot gefahren ist, versteht beides sofort. Die 100 000 Hektar große Sumpflandschaft hinter der Atlantikküste, Frankreichs größtes Feuchtgebiet nach der Camargue, ist ein Naturparadies, ein einzigartiges Ökosystem - und eine Touristenattraktion.

Die meisten Besucher erkunden das Marais Poitevin mit dem Boot. Batais ist der traditionelle Name dafür. Früher war es aus Eichenholz, heute ist es oft aus Fiberglas. Bis etwa 1960 gab es eine Reihe von Orten, die ohne Boot gar nicht erreichbar waren. Und auch Tiere, Heu oder Baumaterial wurden damit transportiert.

Möglichkeiten zu Bootstouren gibt es viele. Eine der beliebtesten Stellen zum Einsteigen ist die Embarcadère Cardinaud in Magné etwas östlich von Coulon, der heimlichen Hauptstadt des Marais mit vielen netten Restaurants und behaglichen Hotels. Die ungewöhnliche, manchmal fast surreale Sumpflandschaft ist auch nirgendwo schöner als hier, wo es besonders viele Kanäle gibt. Im Sommer herrscht in diesem Teil des Marais Hochbetrieb, dann legen die Boote im Minutentakt ab. Aber im unendlich scheinenden System der Kanäle sind sie schon bald nur noch von weitem zu sehen.

Man kann das Marais alleine erkunden und dabei mit seinem Boot den markierten Wasserwegen folgen – oder eine Tour mitmachen, bei der bis zu zehn Passagiere auf den schmalen Bänken sitzen. Der Bootsführer steht im Heck, stakt mit seinem Paddel vorwärts und weist auf vieles hin, was seinen Passagieren sonst sicher entgehen würde. Wer es eilig hat, beschränkt sich auf eine Stunde. Eineinhalb sind Standard, möglich sind aber auch zwei, drei oder vier Stunden, für diejenigen, die sich an der Sumpflandschaft nicht sattsehen können. Manche Familien bleiben den ganzen Tag – samt Mittagessen an einem der Picknickplätze. Und wer das Besondere liebt, kann auch am ganz frühen Morgen oder erst abends starten.

Das Wasser in den Kanälen fließt ausgesprochen langsam. Oft stehen Bäume so dicht am Ufer, dass man den Kopf einziehen muss, um nicht mit ihren Ästen zusammenzustoßen. Auf den Weiden links und rechts des Kanals sind oft Kühe mit hellem Fell zu sehen. Charolais heißt die Rasse, die hier verbreitet ist, auch wenn sie nicht von hier stammt. Anders als die Maraichine genannten braunen Kühe, die ebenfalls oft zu sehen sind.

Früher hatten die Bauern im Marais vor allem Milchkühe. Aber täglich zum Melken durch die riesige Sumpflandschaft zu den Weiden zu paddeln, war einfach zu aufwendig. Heute halten sie die Rinder nur noch zur Fleischproduktion. Bisamratten, auf Französisch Ragondin, sind in der Region ebenfalls Fleischlieferanten. Es gibt von ihnen so viele, dass sie gejagt werden müssen. "Paté de Ragondin" gilt als kulinarische Spezialität und wird an vielen Stellen im Glas angeboten. Rehe, Wildschweine, Marder, Fledermäuse und Fischotter leben ebenfalls im Marais. Und Aale natürlich, ein weiterer kulinarischer Klassiker hier.

Informationen zur Region Poitou-Charentes

Parc Naturel Régional du Marais Poitevin

Kontaktformular für Anfragen an Poitou-Charentes Tourismus

Informationen zum Reiseland Frankreich

Touristische Informationen zum Marais Poitevin

Radfahren im Südwesten

Marais Poitevin

Reiseziel: Das Marais Poitevin erstreckt sich zwischen der Atlantikküste und der Stadt Niort. Das eigentliche Grüne Venedig mit seinen zahlreichen Kanälen ist die Region rund um Coulon.

Anreise: Der nächste größere Flughafen ist Nantes Atlantique. Verbindungen von dort gibt es etwa nach München, Düsseldorf und Berlin. Von Nantes bis Coulon sind es gut 135 Kilometer.

Reisezeit: Das Marais ist auch bei französischen Touristen beliebt. Etwas ruhiger wird es nach dem Ende der französischen Sommerferien.

Informationen: Atout France, Postfach 100128, 60001 Frankfurt (E-Mail: info@rendezvouzenfrance.com, Internet: Informationen zum Reiseland Frankreich, Informationen zur Region Poitou-Charentes.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgesehen

Die 20 beliebtesten Städte in Deutschland
Die 20 beliebtesten Städte in Deutschland
Wintersport in der Skihalle Neuss
Wintersport in der Skihalle Neuss
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
Ab in die Berge: Das sind die Trends beim Winterurlaub
Ab in die Berge: Das sind die Trends beim Winterurlaub

Kommentare