La Gomera - Die Urlaubsliebe der Kanzlerin

Der Vulkan Teide auf Gomera - mit Schnee bedeckt.

La Gomera - Urlaubslieben können krisenfester als so manche Koalitions-Ehe sein.

Schon zum zweiten Mal verbrachte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Urlaub in diesem Jahr auf der kleinen Kanaren-Insel La Gomera. Natürlich: Frau Merkel wandert für ihr Leben gerne. Und für solche Leute ist La Gomera wie geschaffen. In den Lorbeerwäldern des Naturschutzparks Garajonay ist man stundelang unterwegs, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Das ist es, was eine vielbeschäftigte Staatsfrau braucht, um abzuschalten. Autor Detlef Berg begab sich auf die Spuren der berühmten Urlauberin.

Wie ein runder Felsen erhebt sich La Gomera aus dem Atlantik. Vom Gipfel des Garajonay, mit 1487 Metern höchster Berg der Insel, haben Wanderer einen eindrucksvollen Rundblick. Mehr als 40 tiefe Schluchten graben sich von hier aus den Weg bis zur Küste. Jede davon ist mit üppiger Vegetation, mächtigen Felsformationen und winzigen Dörfern ein Erlebnis für sich.

Nur wo die Flussmündungen breit sind, entstanden größere Siedlungen wie die Inselhauptstadt San Sebastián. Das Hafenstädtchen war 1492 das Sprungbrett für Christoph Kolumbus, der von hier nach Westen aufbrach. Eigentlich wollte er nach Indien, gelandet ist er in Amerika. Ein kleines Museum erinnert an den Seefahrer.

Heute legen im Hafen von San Sebastián vor allem die Fährschiffe von der Nachbarinsel Teneriffa an. Nach wie vor kommen die meisten Touristen auf dem Seeweg, denn die Landebahn des kleinen Flughafens ist zu kurz für große Jets. Auch die Kanzlerin war nach ihrem Urlaub auf La Gomera via Teneriffa zurück nach Deutschland geflogen.

Dem Bau von Bettenburgen haben sich La Gomeras Inselbewohner kämpferisch widersetzt. „Zum Glück haben wir rechtzeitig erkannt, dass die Natur unser Schatz ist“, sagt Jorge, der im Zentrum von San Sebastián eine kleine Weinbar betreibt.

Besonders Bergwanderer zieht es nach La Gomera. Beliebter Ausgangspunkt für Touren ist das Valle Gran Rey, das Tal des großen Königs im Südwesten. Es weitet sich von einer engen Bergschlucht zu einem großen grünen Trichter am Meer. An seinen Seiten kleben Jahrhunderte alte kunstvoll angelegte Terrassen, auf denen Bananen, Papayas und Zitrusfrüchte gedeihen. Mehr als 160 tropische und subtropische Fruchtbäume wachsen zum Beispiel in der Finca Argaga des Ehepaars Schrader. Zunächst war der Garten nur für den eigenen Bedarf gedacht, doch weil sich immer mehr Besucher für die exotischen Pflanzen und Früchte interessierten, gibt es jetzt an bestimmten Tagen Führungen mit Fruchtproben durch das Paradies der Schraders.

Eine leichte Wanderung zur Eingewöhnung führt im Valle Gran Rey zum Wasserfall in der Schlucht von Arure. Wie ein Dschungelpfad schlängelt sich der schmale Weg am Bach entlang durch meterhohes Schilf. Unterwegs laden kleine Wasserfälle zum erfrischenden Bad ein.

Deutlich anspruchsvoller ist eine Tour zu den Bergdörfern im Süden Gomeras. „Dafür braucht man Kondition, festes Schuhwerk und immer ausreichend Wasser in Gepäck“, rät Wanderführer Jürgen, den es vom Ruhrgebiet auf die Insel verschlagen hat. Wichtig sei auch wetterfeste Kleidung, denn das Wetter in den Bergen könne sich plötzlich ändern.

Über einen Weg, auf dem Bauern und Händler seit jeher Waren transportierten, gelangt man zum ersten Tagesziel, dem Töpferdorf El Cercado. Hier laden gemütliche Restaurants zur Stärkung ein. Landestypische Kost kommt auf den Tisch: Kaninchen in scharfer Sauce, ungeschält zu essende Kartoffeln, Fisch und Meeresfrüchte. Zum Dessert gibt es Leche asada, Milch mit Palmenhonig, der aus Dattelpalmen gewonnen wird. Dazu werden die oberen Wedel abgeschlagen, der Saft aufgefangen und zu zähflüssigem Sirup eingedickt.

Es geht weiter nach Las Hayas, einem der palmenreichsten Täler Gomeras. Unterwegs verändert sich die Landschaft und auch das Wetter: Während im Tal noch die Sonne scheint, ziehen hier oben schwere Regenwolken durch den sagenumwobenen Märchenwald. Im Bergdorf Arure, dem Ziel der Wanderer, ist es deutlich kühler.

Stundenlang kann man im Nationalpark von Garajonay wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Das Bergmassiv im Zentrum der Insel gehört zu den letzten Resten der immergrünen Lorbeerwälder, die vor Millionen Jahren die meisten der Länder am Mittelmeer bedeckten. Deshalb steht das Areal rund um den Garajonay seit 1981 unter Naturschutz (und ist seit 1986 auch Unesco-Weltnaturerbe).

Der Nationalpark hat ein gut ausgeschildertes Wegesystem, darunter drei Lehrpfade, zu denen im Besucherzentrum Info-Broschüren auch in deutscher Sprache ausliegen. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sind viele Baumstämme des Nationalparks von Moosen überzogen, von den Ästen hängen lange Flechten. Lange hatte der Wald als Wasserreservoir die Inselbewohner wenig gekümmert. Sie rodeten und verfeuerten das Holz und pflanzten statt der heimischen Baumarten schnell wachsenden Eukalyptus an, der viel Wasser braucht. Die Einrichtung des Nationalparks kam gerade noch rechtzeitig, um den Wald zu schützen.

Mitten im Lorbeerwald liegt die Siedlung El Cedro, eine Lichtung aus wenigen Natursteinhäusern. Hier befindet sich das einzige Lokal weit und breit. Die Chefin serviert Brennnesselsuppe im Holznapf, eine Spezialität der Insel.

Eine Reise nach La Gomera lässt sich gut mit einer Bootstour abrunden. Mit etwas Glück begleiten einen auf diesen Fahrten mit umgebauten Fischerbooten Delfine oder Pilotwale. An einsamen Buchten ankern die Kapitäne dann für einen Badestopp und zum Schnorcheln. Verständlich, dass Kanzlerin Merkel bei der Abreise von La Gomera schwärmte: „Ich habe mich in diese Insel verliebt!“

Quelle: tz

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