„Das war uns diese Reise wert!“

Kostenfalle Schweiz? Ein Urlaubstest unserer Leserreporter

Unsere Leserreporter: Marianne und Sascha Beyerlein fuhren nach Samnaun.

Kostenfalle Schweiz? Das Eidgenossenland hat bei Urlaubern an Beliebtheit verloren, seitdem die Preise durch die Aufwertung des Franken im Januar 2015 sprunghaft angestiegen sind.

Hoteliers wie Daniel Eisner von Chasa Montana in Samnaun fanden Mittel und Wege, um dem Preisanstieg gegenzusteuern. Er lud zwei Leserreporter unserer Zeitung ein, um herauszufinden, wie teuer der Urlaub dort wirklich ist.

Hier ihre Bilanz:

Wer wir sind: Marianne (39) und Sascha Beyerlein (44), KFZ-Mechaniker und Erzieherin aus Lenggries. Wir haben drei Kinder im Alter von sieben, zwölf und 15 Jahren. Wir fuhren als Lesereporter drei Tage in das Chasa Montana in Samnaun, laut Holidaycheck das beliebteste Hotel der Schweiz.

Wo wir bisher Urlaub gemacht haben: Bisher war unser Lieblingsurlaubsziel immer Italien, dort meistens Südtirol oder mit den drei Kindern die Marken. Auch waren wir bereits auf Sardinien, in den Abruzzen, Umbrien und in der Toskana.

Über den Dingen: Marianne und Sascha Beyerlein am Gipfelgrat.

Was uns im Urlaub besonders wichtig ist: Wir genießen gerne eine Kombination aus Natur, gutem Essen und aktiv sein: Schwimmen, auf den Berg gehen und Kultur erleben. Wir fühlen uns abseits der deutschen Touristenströme wohl und essen auch im Urlaub regionale Produkte. Im Sommerurlaub mit Kindern nehmen wir immer eine Ferienwohnung, da man hier als Familie unabhängig und flexibel seinen Tag gestalten kann.

Warum wir noch nie in der Schweiz waren: Wir ließen uns bisher immer abschrecken von dem Vorurteil, dass die Schweiz nicht erschwinglich wäre für Familien.

Unser erster Eindruck bei der Ankunft in Samnaun: Das Hotel Chasa Montana liegt in Samnaun-Dorf, ziemlich am Ende des Tales auf 1800 Metern. Während der Geschäftsöffnungszeiten herrscht hier wegen des Zollfreigebiets reger Betrieb. Mit Ladenschluss jedoch wird es ruhig im Dorf und das Flair der Berge wirkt selbst auf uns, die wir ja eigentlich Berge vom Heimatort Lenggries gewohnt sind.

Hotels wie das Chasa Montana schlagen dem teueren Franken ein Schnippchen.

Ein erster Rundgang: Wir wurden sehr freundlich empfangen. Von Anfang an merkt man den hohen Standard des Chasa Montana. Die Zimmer sind hell und freundlich eingerichtet und auch hier war ein kleiner Willkommensgruß vorbereitet. Das Hotel verfügt über verschiedene Restaurants, von edel bis leger ist alles dabei. Der Gast hat die Wahlmöglichkeit. Direktor Daniel Eisner führte uns erst einmal durch das Hotel. Dabei beeindruckte uns vor allem der Weinkeller mit 20 000 Flaschen Wein aus der ganzen Welt (Preisspanne von 22 Euro bis hin zu 5000 Euro die Flasche). Der durchschnittliche Preis bei den Weinen, die passend zum Sechs-Gang-Menü der Halbpension empfohlen werden, beträgt etwa zehn Euro das Glas.

Was uns besonders gefallen hat: Neben Murmeltieren begeisterten uns auch die blühenden Wiesen, die auf unseren Bergtouren an Farbenpracht und Artenvielfalt nicht zu überbieten waren. Ein besonderes Lob verdient der außerordentlich gepflegte Wellnessbereich des Hotels. Das groß- zügige römische Hallenbad, die bequemen Liegen, die in ausreichender Zahl vorhanden sind, die beleuchtete Steingrotte, der Solepool mit Bergblick im Außenbereich. Im Saunabereich gibt es immer frisches Obst, verschiedene Getränke (heiß und kalt) sowie Nüsse.

Welche Gäste hat das Hotel? Bei unserem Aufenthalt waren vorrangig ältere Gäste da, wir zählten mit unseren 39 und 44 Jahren eher zum jüngeren Publikum.

Das Preisgefüge: Man muss ein bisschen auf die Preise schauen. Pizza gibt es in einem Restaurant für 12 Euro (das kostet sie auch daheim bei uns), in einem anderen für 19 Euro. Tanken ist dank der zollfreien Zone sehr billig (Diesel 84 Cent der Liter). Richtig teuer allerdings wird der zollfreie Einkauf, wenn man bei der Heimreise von den österreichischen Nachbarn gefilzt wird, was wir bei anderen beobachtet haben.

Eigene Kurspolitik im Chasa Montana.

Was wir während des Aufenthalts ausgegeben haben: Auf der Alp Bella acht Euro für einen Kaffee und ein Spezi. Allerdings schenkte uns die Sennerin noch ein Stück Kuchen und ein Glas Wasser dazu. In den drei Tagen haben wir für Tanken, Vignette, Getränke, Mitbringsel und Snacks circa 125 Euro ausgegeben. Zwei Übernachtungen im Chasa Montana mit Halbpension kosten für zwei Personen 680 Euro. Unterm Strich also gut 800 Euro für ein verlängertes Wochenende.

Wie und wo kann man Geld sparen? Das Chasa Montana bietet den Gästen viele Extras, wie z. B. die Gästekarte mit der alle Bergbahnen in Samnaun und Ischgl kostenlos benutzbar sind. Wir fuhren täglich mit verschiedenen Lifte, mit und ohne Rad, und genossen das fantastische Bergpanorama auf circa 2800 Metern. Die Ersparnis hierbei ist beträchtlich, kostet doch die Berg- und Talfahrt ohne diese Gästekarte 22 Euro. Überall ist zu lesen, dass es Währungsrabatte gibt und auch das Tauschen von Euro in Franken ist in den Geschäften oft zu besseren Konditionen möglich als bei der Bank. Euros werden gern genommen. Auch werden viele kostenlose Angebote gemacht, wie z. B. das Waschen der Räder mit einem Hochdruckreiniger am Ende der Tour. Beim Frühstück im Hotel hat man die Möglichkeit sich ein „Proviantpäckli“ zusammenzustellen, für den kleinen Hunger zwischendurch. Viele, die wandern oder Radl fahren gehen, nutzen diese Möglichkeit. Ebenso bekommt man für die Geschäfte, die wie das Hotel zur ZEGG-Gruppe gehören, Vergünstigungen. Mit der Gästekarte wären auch der Besuch des Schwimmbades, Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sowie die Teilnahme am Samnauner Wochenprogramm kostenlos. In der Touristinfo bekamen wir hochwertige Mountainbikekarten und Wanderkarten ohne Zuzahlung.

Der Gastgeber: Daniel Eisner vom Hotel Chasa Montana in Samnaun.

Stimmt das Preis-Leistungsverhältnis? Wir haben den Aufenthalt sehr genossen und kommen deshalb zu dem Schluss, dass das Preis-Leistungsverhältnis im Hotel stimmt. Die Preise für Getränke sind hoch, nicht nurim Hotel, sondern auch auf Almen und in Supermärkten. Das Essen im Hotel ist aber dermaßen exquisit und raffiniert, dass es auf alle Fälle eine Topadresse ist für alle, die gerne gut essen. Wenn man in der Schweiz eine Ferienwohnung nimmt, Nahrungsmittel einkauft, und auch noch alle Bergbahnen zahlen muss, ist vielleicht das Hotel die kostengünstigere Variante. Wir hatten den Eindruck, dass den Menschen aus der Schweiz bewusst ist, dass die Speisen und Getränke teurer sind als in den Nachbarländern. Aber die Qualität und auch die Darbietung des Essens ist hochwertig und kreativ.

Würden wir wiederkommen? Wir wollen gerne wiederkommen, das haben wir uns fest vorgenommen. Schließlich ist das Chasa Montana auch für Wintersportler eine Topadresse.

Die Kosten im Überblick:

Österreichische Vignette

8,80 Euro

Getränke im Hotel ca.

45,00 Euro

Alp Bella Tasse Kaffee, Spezi

8,00 Euro

2 belegte Semmeln (groß)

8,30 Euro

Sprit für die Fahrt

21,00 Euro

Mitbringsel für die Kinder

17,00 Euro

2 Cappuccini, 2 Apfelstrudel am Berg

18,00 Euro

2 Übernachtungen mit Halbpension

680,00 Euro

daraus ergeben sich

806,10 Euro

Reise-Infos Samnaun

REISEZIEL Samnaun liegt am östlichen Nordrand des Kantons Graubünden in der Schweiz und ist über einen Pass mit dem österreichischen Nauders verbunden. Samnaun ist Schweizerisches Zollausschlussgebiet.

WOHNEN Das Relais & Chateau Hotel Chasa Montana mit 55 luxuriösen Doppelzimmern und Suiten liegt auf 1850 Metern am Fuße der Samnauner Berge in der Dorfstraße von Samnaun. Kulinarische Highlights sind das Gourmet-Restaurant La Miranda, das mit einem Michelin-Stern und 15 Gault-Millau-Hauben ausgezeichnet ist, und der Weinkeller mit 20 000 erlesenen Weinen. Auf 1500 Quadratmetern erstreckt sich der luxuriöse Spabereich mit vier Pools und sieben Saunen.

EXTRAS Kostenlose Bikes, Nutzung der Reinigungsstation, Werkstatt und Bikegarage. Freie Nutzung der Bergbahnen, Gratis-Kinderbetreuung.

PREISE Das Doppelzimmer mit Frühstück kostet im Chasa Montana ab 98 Schweizer Franken, also 89 Euro pro Person. Montana Wanderwoche mit Halbpension und täglichem Proviantsäckchen ab 980 Schweizer Franken (886 Euro) pro Person.

INFO/BUCHUNG Chasa Montana Hotel & Spa, Tel. 0041/81-86 19 000, www.hotelchasamontana.ch.

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