Peinliches Video

Diesen Werbespot kann Niedersachsen nicht ernst meinen

Hannover - Niedersachsen wirbt in einem bizarren Drei-Minuten-Spot für sich als Urlaubsland. Was als selbstironischer Ansatz gemeint war, geht dabei aber in den Augen vieler nach hinten los.

Der Slogan zum Video heißt "Urlaub in Niedersachsen. Anders als du denkst". Das passt, denn der Spot ist kein bisschen so, wie man ihn erwartet hätte: Er zeigt eine Großstadt-Familie mit einem computerspielenden Sohn und einer nörgelnden Teenager-Tochter, die es im Urlaub in die niedersächsische Provinz verschlägt. Die Familie trifft dann auf Küstenbewohner wie einen Bauern, der urplötzlich ein an Rührseligkeit kaum zu übertreffendes Lied anstimmt: "Endlos Himmel, lange Zeit, rauhes Wesen, Einsamkeit. Unsere Hoffnung, unser Sehnen, lasst uns nicht um Liebe flehen.“ Dabei bewegt eine Möwen-Imitation, die auf seiner Hand sitzt, ihre Flügel mechanisch auf und ab. "Seht das Land und seht es richtig, eure Träume sind uns wichtig. Eure Seelen werden klingen, wenn wir unser Land besingen“, behauptet seine ebenfalls singende Frau. Dem Zuschauer klingen zu dem Zeitpunkt bereits die Ohren. 

Es folgt - neben den unvermeidlichen Klischee-Postkarten-Bildern von Sonnenuntergängen an Küste, Meer und Wald - eine tanzende Hexen-Gruppe wie aus einer schlechten Schulaufführung. Einer der Höhepunkte des Clips sind aber die beiden Kinder der Familie, die, mittlerweile vollkommen begeistert von ihrem Reiseziel, auf einmal in Kostümen stecken, in denen sie mampfende Heide-Schafe imitieren. Der "grüne Zauber", der derweil musikalisch angepriesen wird, mag sich partout nicht einstellen. Weitere Highlights: singende Plastik-Fische auf den Schultern eines Sandburgen zerstörenden Eisverkäufers am Strand und der wohl verkrampfteste Möchtegern-Flashmob aller Zeiten. Dazu schwingt sich - so gar nicht passend - der Song in ungeahnte Kitsch-Höhen auf.

Spott und Häme auf Youtube und Twitter

"Was den besonderen Zauber ausmacht und was der unverwechselbare Reiz eines Urlaubes in Niedersachsen ist, zeigt unser neues Musikvideo", heißt es in der Beschreibung auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Reiselandes Niedersachsen. Dort hat der Clip in einer Woche mehr als 90.000 Klicks eingesammelt - aber auch knapp 480 nach unten gesenkte Daumen, während die Positiv-Wertungen sich auf knapp 270 beschränken.

Die User-Kommentare sind dementsprechend kritisch bis vernichtend. "Ist das Satire? Das muss Satire sein ...", fragt ungläubig "strahlerin". "Liebe Urlauber, macht am besten einen ganz großen Bogen um Niedersachsen. Es ist wohl besser so", urteilt Carl B.

"Hast du Bock auf animierte Tiere und Landschaften? Pfeifst du auf Internet und Telefonanbindungen? Willst du durchgeknallte Menschen sehen, die sich tagsüber als Schafe verkleiden [...]? Dann komm nach Niedersachen und singe mit vielen fremden Menschen mitten in der Fußgängerzone ein paar lustige Lieder, bei denen selbst die Fische aus dem Wasser und in den sicheren Freitod springen", lästert Horst W.

Auch auf Twitter ist Fremdschämen angesagt:

Doch es gibt auch Fans des Spots: "Humormodus einschalten, ist doch witzig. Langweilig kann jeder!", meint einer von ihnen. "Mutig albern", stimmt ein anderer zu.

"Nicht alles gefällt allen"

Der Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, Stefan Wittke, verteidigt den Werbespot: „Dieser Film sollte Niedersachsen anders darstellen. Ziel war es, Küste, Städte, Harz und Heide auf eine originelle Weise zu präsentieren.“ Die Kritik kontert der Ministeriumssprecher gelassen: „Nicht alles gefällt allen.“

Der von der Filmagentur Day for Night gedrehte Film war zuvor von der Jury des Filmpreises „Das goldene Stadttor“ in der Kategorie „Film - National“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden, wie der Auftraggeber, "TourismusMarketing Niedersachsen", mitteilte.

Doch egal, was man von der Image-Kampagne hält: Ihr Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen, hat sie definitiv erfüllt.

hn/dpa

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