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"Gehen mit aller Macht gegen die Chaoten vor"

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Von: Ludwig Krammer

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Kritischer Blick in Richtung Löwen-Block in Ingolstadt: 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer. © dpa

München - Dass der fußballerische Offenbarungseid gegen Ingolstadt nicht der negative Höhepunkt des 1860-Wochenendes war, lag an den Ausschreitungen der sogenannten Fans.

Sportlich sind die Löwen nach dem 0:2 in Ingolstadt endgültig zurück im Niemandsland der Zweiten Liga. Acht Siegen stehen bei fünf Remis acht Niederlagen gegenüber – die Bilanz eines Durchschnitts­teams. Von einer Aufholjagd kann bei vier sieglosen Spielen in Serie und fußballerisch größtenteils trostlosen Darbietungen keine Rede sein. Dafür herrscht Redebedarf an der Personalfront. „Wir haben eine sehr intensive Woche vor uns“, sagte Präsident Gerhard Mayrhofer am Sonntag gegenüber der tz, ohne ins Detail gehen zu wollen.

Tags zuvor hatte auf dem Trainingsgelände Friedhelm Funkel gesprochen. „Die ersten 30 Minuten waren katastrophal“, wiederholte der Coach seine Analyse vom Freitagabend. „Wir haben den Gegner stark gemacht. Das war herzloser Fußball, ein totaler Rückschritt. Ich bin schon enttäuscht.“ Funkels vorläufiges Fazit, bevor heute um 15 Uhr die Vorbereitung aufs Paderborn-Spiel am Samstag beginnt: „Es verbietet sich jetzt, nach oben zu schauen.“

Dass der fußballerische Offenbarungseid gegen Ingolstadt nicht der negative Höhepunkt des Wochenendes war, lag an den Ausschreitungen der sogenannten Fans. Schon auf der Fahrt vom Ingolstädter Bahnhof zum Stadion waren bei drei Shuttlebussen die Scheiben eingeschlagen worden. In der Audi-Arena sorgten unverbesserliche Knalldeppen mit Rauchbomben und Feuerzeugwürfen auf den am Boden behandelten FCI-Torwart Ramadan Özcan für eine zehnminütige Spielunterbrechung. Im Zug zurück nach München eskalierte die Situation dann vollends. Teils vermummte Hooligans verwüsteten einen Waggon, traten Toilettentüren ein und zerstörten die Deckenverkleidung. Elf Polizisten wurden durch Schläge und Flaschenwürfe verletzt. Die Einsatzkräfte sahen keine andere Möglichkeit als den Zug am Bahnhof Petershausen stoppen zu lassen, bis sich die Lage wieder beruhigt hatte. Anschließend sei es laut Polizeibericht am Münchner Hauptbahnhof zu einem weiteren Zwischenfall gekommen. Ein 28-Jähriger, der bereits als „Gewalttäter Sport“ bekannt war, griff mit 1,48 Promille im Blut zwei Bahnmitarbeiter an und verletzte sie durch Sprungtritte. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und Beleidigung.

1860 zum Derby in Ingolstadt - Bilder & Noten

Und was machen die Löwen, denen vom DFB neben einer Geldstrafe in fünfstelliger Höhe auch ein Zuschauerverbot bei einem der nächsten Auswärtsspiele droht?

Präsident Mayrhofer zur tz: „Wir werden uns am Montagfrüh in der Geschäftsstelle zusammensetzen und alle gesammelten Fakten auf den Tisch legen. Klar ist, dass wir mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, gegen diese Leute vorgehen werden. Dazu gehören Strafanzeigen genauso wie Schadensersatzklagen. Es kann nicht sein, dass uns diese Chaoten alles einreißen, was wir uns seit einem halben Jahr aufbauen.“

1860-Geschäftsführer Markus Rejek äußerte sich gestern Nachmittag via Pressemitteilung gleichlautend zur Lage. Seine Ergänzung: „Bei allen Fans und insbesondere allen Unbeteiligten, die aufgrund der Vorfälle unverhofft beeinträchtigt wurden, möchten wir uns entschuldigen.“

lk

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