Ex-Präsident Mayrhofer für 50+1-Abschaffung

"Diese Mischung wird für 1860 auf Dauer tödlich sein"

Markus Rejek, Gerhard Mayrhofer
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1860-Geschäftsführer Markus Rejek und der damalige Präsident Gerhard Mayrhofer im Trainingslager der Löwen in Belek (Januar 2014).

München - 1860-Geschäftsführer Markus Rejek ist für eine Abänderung der 50+1-Regel. Ex-Präsident Gerhard Mayrhofer hält sie für sinnlos und in der Kombination mit Hasan Ismaik tödlich.

50+1 - diese einfache mathematische Gleichung schützt im deutschen Fußball bekanntlich die Eigenständigkeit der Klubs. Der Stammverein behält dadurch immer die Mehrheitsrechte an seiner Fußball-Abteilung und damit auch die Entscheidungsgewalt.

Aber ist das wirklich so? Beim TSV 1860 wohl eher nicht. Die Löwen sind von Investor Hasan Ismaik abhängig. Im Kicker (Montagsausgabe) wird genau das thematisiert. Und zu Wort kommen dabei nicht nur die beiden 1860-Geschäftsführer Markus Rejek und Noor Basha, sondern auch der Ex-Präsident Gerhard Mayrhofer.

Rejek findet klare Worte in Bezug auf die ominöse Regelung der DFL: "Die 50+1-Regel, so wie sie sich aktuell gestaltet und gelebt wird, ist nicht mehr zeitgemäß. 50+1 soll die Traditionsvereine schützen. Aktuell gibt es Beispiele, wie sie de facto ausgehebelt ist. Die aktuelle Regelung bremst die Traditionsvereine mehr, als dass sie sie schützt." Rejek befürworte den Schutz der Vereine, aber es müsse "über neue Lösungsansätze gesprochen werden".

"Ismaik will sich nicht mit dem Verein beschäftigen"

Ex-Präsident Gerhard Mayrhofer geht da noch viel weiter. "Die 50+1-Regel bei 1860? Wie soll das gehen?", frägt er und erklärt: "Bei einer finanziellen Abhängigkeit des Mehrheitsgesellschafters ist 50+1 reine Makulatur. Die DFL sollte die Regel komplett fallen lassen, weil sie absurd ist." Mayrhofer ist der Meinung, dass Ismaik offensichtlich nicht gewillt sei, sich intensiver mit dem Verein zu beschäftigen. Er treibe damit die Löwen in die Handlungsunfähigkeit: "Diese Mischung ist absolut toxisch und wird für 1860 auf Dauer tödlich sein."

So tödlich, dass die Löwen mit der anvisierten Verpflichtung von Felix Magath im Sommer wohl vor dem Aus gestanden hätten. Denn Ismaik war gegen Magath, hätte seine Darlehen außerordentlich kündigen können. Für Mayrhofer wäre die Beschäftigung von Magath ein Quantensprung gewesen, eine "historische Möglichkeit" sei so verpasst worden.

Hätte sich Ismaik vor dem Kauf der Löwen-Anteile intensiver mit der 50+1-Regelung beschäftigt, so ist sich Rejek sicher, "hätte er das wahrscheinlich nicht übernommen". Ins Bild passt da auch, dass Hasan Ismaik vor einigen Monaten seine Anteile an 1860 loswerden wollte, weil er laut Mayrhofer wohl erkannte, "dass er ein wesentlich schwierigeres und kapitalintensiveres Investment getätigt hat, als ihm beim Kauf suggeriert worden war". Ein Kaufangebot, das laut dem Ex-Präsidenten weit über dem tatsächlichen Wert lag, lehnte Ismaik aber ab. Inzwischen sind dessen Verkaufsgedanken auch wieder vom Tisch.

Und die Löwen sind weiterhin komplett abhängig vom Willen des Jordaniers - auch dank der 50+1-Regel.

fw

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