Bombe im Grünwalder Stadion entdeckt

München - Jahrzehntelang rannten die Kicker des TSV 1860 buchstäblich über ein Pulverfass: Direkt unter dem Rasen des Grünwalder Stadions ist am Donnerstag bei Bauarbeiten eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden.

Die Grünwalder Straße – plötzlich ist sie komplett leergefegt. Am Straßenrand stehen Einsatzwagen von Polizei und Feuerwehr, dutzende Einsatzkräfte rollen rot-weiße Absperrbänder durch die Hauseingänge. Sie evakuieren die Anwohner in eine nahe gelegene Turnhalle.

Fliegerbombe im Grünwalder Stadion gefunden

Ersthelfer stützen Senioren – auch sie müssen schnell ihre Wohnung verlassen: Bombenalarm am Grünwalder Stadion! Ein 225 Kilo schweres Ungetüm lag Jahrzehnte lang im Strafraum! Zwischen Candidtunnel und Tegernseer Landstraße bis zum Wettersteinplatz ging auf einmal gar nichts mehr. „Was ist denn hier nur los? Das sieht ja gespenstisch aus“, sagte ein verärgerter Giesinger. Schuld waren wohl die Engländer, die die Bombe während des Zweiten Weltkriegs über München abgeworfen hatten. 125 Kilogramm des Inhalts waren reiner Sprengstoff – mehr als 60 Jahre lag das explosive Geschoss in rund zwei Metern Tiefe unter dem rechten Strafraumeck des Sechzger-Stadions vergraben.

Hunderte Spiele wurden hier gespielt, so manche Schlacht geschlagen. Erst durch Luftbildaufnahmen wurde die intakte Fliegerbombe jetzt zufällig entdeckt – gestern Mittag um zwölf Uhr schlug die Stadt dann Alarm. Erst sieben Stunden später, gegen 19 Uhr, rückte der Münchner Sprengmeister Martin Tietjen (37) mit der Kampfmittelbeseitigung an.

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Eine halbe Stunde lang blieb das Viertel abgeriegelt, 250 Bewohner wurden evakuiert. Dann erst die Entwarnung: „Bombe entschärft“. meldete Tietjen an die Polizei. „Wir haben die Zünder rausgeschraubt und so die Zündkette unterbrochen.“

Was viele nicht wissen: Die Sache war gefährlicher als zunächst angenommen. „Bei einer Detonation der Fliegerbombe wären die Splitter in die erste Häuserzeile der Grünwalderstraße eingeschlagen“, sagt der Sprengmeister Martin Tietjen (37). Und: „1860 hätte sich wohl ein neues Stadion bauen können.“

ANDREAS THIEME

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