1860 macht die alten Fehler

Kommentar: Die Zeit läuft den Löwen davon

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Merkur-Autor Armin Gibis.

München - Vor drei Wochen schafften die Löwen durch das 1:0 gegen Paderborn Planungssicherheit. Seitdem ist nichts geschehen. Die Vereinsführung vertröstet. Ein Kommentar von Armin Gibis.

Es kann bestimmt nicht behauptet werden, der Fußball-Zweitligist TSV 1860 habe in den vergangenen Jahren durch professionelles Management geglänzt. Vielmehr ging es drunter und drüber, die Personalpolitik schien dem Chaosprinzip zu gehorchen (erinnert sei besonders an den unseligen Gerhard Poschner). Vor einem Jahr stand zum Trainingsauftakt nicht einmal fest, wer der Coach sein wird. Typisch Sechzig – lautete die allgemeine Einschätzung.

Doch 1860 ist auch ein Klub, in dem die Hoffnung immer wieder neue Nahrung findet, in dem selbst nach schrecklichen Fast-Abstiegsjahren sich die Zuversicht nie ganz bezwingen lässt. Und in den vergangenen Monaten gab es ja tatsächlich ein paar Indizien dafür, dass selbst in diesem traditionell krisengeschüttelten Klub endlich einmal so etwas wie ein konstruktives, planvolles Miteinander einkehren könnte. Hasan Ismaik, der so streitbare Geldgeber, hielt sich angenehm zurück, agierte nicht mehr als Unruhestifter, sondern als Mutmacher. 

Cassalette profilierte sich als moderate Führungsfigur

Präsident Peter Cassalette profilierte sich als moderate Führungsfigur, und Sportdirektor Oliver Kreuzer punktete als gut vernetzter Fachmann. So weit, so gut. Inzwischen drängt sich aber ein anderer Eindruck auf: Man hat sich zu früh gefreut – die Löwen sind allem Anschein nach nicht fähig, aus ihren Fehlern zu lernen. Ein trauriger Befund zum 50-jährigen Meisterjubiläum.

Drei Wochen ist es her, dass sich die Blauen durch ein 1:0 gegen Paderborn vor dem Abstieg retteten. Endlich war Planungssicherheit da, sogleich wurde ein sogenannter Strategie-Ausschuss gegründet, nach zwei Zitter-Jahren sollte rasch die personelle Basis für eine bessere Zukunft gelegt werden. Doch was ist inzwischen geschehen? Nichts. Die Sechziger haben immer noch keinen neuen Trainer, keine neuen Spieler, keinen neuen Geschäftsführer. Es ist noch nicht einmal offiziell, was aus dem bisherigen Geschäftsführer Markus Rejek, der bei Ismaik in Ungnade gefallen ist, wird. Es ist nicht zu fassen.

Die Ursache für den fatalen Stillstand dürfte im Strategie-Ausschuss zu finden sein. Beide Gesellschafter sind dort vertreten, es prallen – wie schon so oft in der 1860-Geschichte – zu viele Meinungen und Interessen aufeinander. Es wird debattiert und nicht gehandelt. Auch weil Ismaik offenbar seine altbekannte Widerborstigkeit wiederentdeckt hat. Und was macht die Vereinsführung? Sie reagiert mit Vertröstungen: Es bleibe noch genügend Zeit. Ein Irrtum. Sie läuft den Löwen davon. Wieder einmal.

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