1860-Stürmer beendet Torflaute

1100 Minuten! Okoties Erlösung nach einer kleinen Ewigkeit

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Rubin Okotie hat sich Spiel für Spiel seinem Erfolgserlebnis genähert.

München – Für einen Stürmer sind Tore das täglich Brot - insofern hat 1860-Angreifer Rubin Okotie eine lange Fastenzeit hinter sich. An sich gezweifelt hat der Österreicher aber nie.

Viele Tore hat Marius Wolf, 20, noch nicht in seiner jungen Karriere als Fußballprofi geschossen: drei insgesamt. Daher war es eine bemerkenswerte Aussage, die der Schütze des 1:1 spontan formulierte, als die Sprache auf Rubin Okotie kam, den Schützen des 2:2. „Ich spiele immer richtig gut mit ihm zusammen“, sagte Wolf über seinen kongenialen Offensivpartner: „Ich verstehe einfach, wie Rubin läuft. Er versteht mich. Heute hat’s doppelt geklappt. Mich freut’s unheimlich. Sein Tor war für mich schöner als meins.“

Okotie hatte Wolf das 1:1 aufgelegt, Wolf Okotie das 2:2 – beide Tore waren sehr wertvoll für den TSV 1860, für Trainer Torsten Fröhling, aber auch für Wolf selber, der zuletzt in einem kleinen Tief steckte. Und vor allem für Okotie, der seit Februar nicht mehr getroffen hatte.

„Es war eine lange Durststrecke“, räumte der Wiener ein: „Als Stürmer willst du in jedem Spiel ein Tor machen, deswegen war das schon eine Erleichterung.“ An sich gezweifelt habe er jedoch nicht – ganz im Gegensatz zum Umfeld, das ihn vor allem in der Rückrunde, nach langer Verletzung, kritisiert hatte: „Natürlich denkt man nach, aber wer unsere Spiele analysiert, der sieht, dass ich sehr wenige Chancen habe. Ich weiß, dass ich normal wenige Chancen brauche, daher hab ich immer an mich geglaubt.“

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Okoties Tor am Sonntag war eine Belohnung, die er sich buchstäblich erarbeitet hatte. Mit einer engagierten Sommervorbereitung. Mit mentaler Stärke. Okotie akzeptierte irgendwann, dass seine Zukunft zunächst bis 2016 bei 1860 liegt. Nach seinen zwölf Hinrundentreffern 2014 hatte er womöglich von Angeboten aus der Bundesliga geträumt.

Zuletzt war zu bestaunen, wie sich der verhinderte Torjäger quasi von Spiel zu Spiel einem persönlichen Erfolgserlebnis näherte: Doppeltes Pfostenpech in Nürnberg, Strafraumpech gegen Union Berlin (immerhin führte ein Foul an ihm zum Elfmeter). Jetzt, nach einer Ewigkeit von 1100 torlosen Minuten, die Erlösung. Hat sie genervt, diese Erbsenzählerei? „Es nervt nur, wenn man sich damit beschäftigen würde“, behauptete der stolze Nationalspieler: „Ich hab das nur mitgekriegt, weil ich mir unsere Spiele immer noch mal anschaue. Da wird dann immer gesagt, wieviele Minuten das sind. Aber im Endeffekt hat mich das kalt gelassen.“

Die Rückendeckung der Mannschaft hatte Okotie offenbar immer, wie Christopher Schindler glaubhaft erklärte. „Ich war auch superzufrieden, wo er noch nicht getroffen hat“, so der Kapitän: „Er hat sich immer super für die Mannschaft aufgerieben. Jetzt hat er’s endlich geschafft – und uns heute mit seinem Tor gerettet.“

Uli Kellner

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