Der stille Retter ist wieder bereit

Bülow: Alles geben für die Vorentscheidung

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Kai Bülow ist nur selten ein Mann, der Emotionen zeigt.

München - Kai Bülow, vor einem Jahr Held der Löwen, glaubt im Abstiegskampf an eine Vorentscheidung gegen Paderborn.

Kai Bülow weiß nur zu genau, wie es sich anfühlt, wenn es um Alles oder Nichts geht, wenn sich in einem einzigen Spiel das Schicksal einer Mannschaft entscheiden kann, oder gar eines Vereins. Vor einem Jahr ist er in solch einer Partie sogar zum blauen Fußball-Helden geworden, zu einem Spieler, dem ein Platz in den 1860-Annalen sicher ist, und in den Herzen der Fans. Die Hoffnung hing damals nur noch an einem dünnen Faden, da traf Bülow vor 57.000 Zuschauern in der Nachspielzeit des zweiten Relegationsspiels gegen Kiel. Nach einem Pfostenschuss von Valdet Rama staubte er zum 2:1 ab, bewahrte den TSV 1860 damit vor der Drittklassigkeit und bescherte dem Löwen-Anhang den größten Glücksmoment des zurückliegenden Jahrzehnts. „Ja, das war das wichtigste Tor in meiner Karriere, das kann man so stehenlassen“, sagte der nicht gerade zu Überschwang neigende Bülow.

1860 hat den Klassenerhalt in der eigenen Hand

Der frühere Rostocker hat schon einiges durchgemacht mit den Löwen. Zusammen mit Kapitän Christopher Schindler ist er der mit Abstand Dienstälteste im Team, brachte es in sechs Spieljahren auf 148 Einsätze, war auch in bewegten, oft schwierigen Zeiten immer zuverlässige Defensivkraft, ohne davon großes Aufhebens zu machen – ein stiller, in sich gekehrter Retter sozusagen. Und dass man sich vor der Heimpartie gegen SC Paderborn (Sonntag, 15.30 Uhr, Allianz Arena) wieder besonders an seine Großtat gegen Kiel erinnert, lässt den nüchternen Mecklenburger eher kalt. Auf die Frage, ob er sich denn als Rettungsexperte fühlte, meinte der 29-Jährige nur: „Na ja, das liest sich immer ganz gut in der Presse.“

Auf jeden Fall ist die Konstellation durchaus vergleichbar. Zwei Spieltage vor Saisonende könnten die Löwen durch einen Sieg über den Tabellenletzten die Zugehörigkeit zur 2. Liga vorzeitig sicherstellen. Im Falle einer Niederlage wäre alles möglich: auch der direkte Absturz in die 3. Liga. Bülow betont somit: „Noch haben wir den Klassenerhalt nicht geschafft.“ Allerdings hat sich durch den 2:0-Sieg vor einer Woche beim FC St. Pauli und den damit verbundenen Sprung auf Rang 14 die Lage doch etwas entspannt. „Wenn uns in der Winterpause einer gesagt hätte, dass wir zwei Spiele vor Schluss die Chance haben, im Heimspiel gegen Paderborn alles klar zu machen, dann hätten wir das alle unterschrieben. Umso motivierter sind wir, am Sonntag für eine Vorentscheidung zu sorgen. Wir werden alles tun, um zu gewinnen.“

Mit diesen neuen Perspektiven war nicht unbedingt zu rechnen gewesen, nachdem die dauerkriselnden Blauen am 30. Spieltag Vorletzter gewesen waren, sich mit einem Bein bereits in der Drittklassigkeit wähnten. Benno Möhlmann musste daraufhin gehen. Doch Bülow will dem Trainer nicht die Schuld geben an der zwischenzeitlich höchst bedrohlichen Situation: „Es ist ja nicht so, dass wir jedes Mal hoffnungslos unterlegen waren oder grottenschlecht gespielt haben. Mit ein bisschen Glück hätten wir vielleicht auch mit Benno Möhlmann die nötigen Punkte geholt.“

"Natürlich hat Biero einen großen Anteil an den beiden letzten Siegen"

Es ist typisch für den nachdenklichen Bülow, dass er sich stets um eine differenzierte Sicht der Dinge bemüht – und dabei auch nicht außer Acht lässt, dass es selbst in der bisweilen so gnadenlosen Fußballbranche durchaus Spielräume gibt für einigermaßen taktvollen Umgang miteinander. „Ich rede ungern über Trainerwechsel, weil das respektlos ist gegenüber dem Vorgänger“, sagt er. Dass die Wende zum Besseren nicht zuletzt mit Daniel Bierofka zu tun hat, mag aber auch Bülow nicht bestreiten. „Wir hatten jetzt auch wieder das nötige Quäntchen Glück – aber natürlich hat Biero einen großen Anteil an den beiden letzten Siegen.“

Mit dem 37-Jährigen, der kurzfristig als Nothelfer eingesprungen ist, hat Bülow einst zusammen gespielt. Er kennt ihn bestens. Seine Einschätzung: „Ihm hilft auch als Trainer seine Einstellung, immer 150 Prozent zu geben. Das hat ihn schon als Spieler ausgezeichnet. Und: Er ist einfach ein guter Typ.“

Auch im Hinblick auf das Schlüsselspiel gegen den Bundesliga-Absteiger SC Paderborn setzt Bülow auf den neuen Trainer. „Wir spielen gegen einen guten Gegner, und in dieser Liga kann jeder jeden schlagen“, gibt er zwar zu bedenken: „Aber Biero wird schon dafür sorgen, dass wir an die Leistungsgrenzen gehen.“

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Armin Gibis / Uli Kellner

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