Sportwetten-Skandal

DFB-Regeln: Darum wurde Olic bestraft

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Ivica Olic steht aktuell wegen seiner Sportwetten im Fokus von DFB und Vereinsverantwortlichen.

München - Löwen-Angreifer Ivica Olic wurde vom DFB wegen illegalen Fußballwetten verurteilt. Er gibt sich einsichtig. Doch welche Art von Wetten sind Profis verboten? Wir klären auf.

Ivica Olic war an Wetten auf deutsche Zweitligespiele beteiligt und wurde daraufhin am Mittwoch vom DFB-Sportgericht zu zwei Spielen Sperre und einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Der TSV 1860 kündigte an, obendrauf noch selbst eine Strafe zu verhängen. Olic gab sich einsichtig und hat die Strafe akzeptiert: "Ich habe eine große Dummheit gemacht", sagte er gegenüber der Bild. Er ergänzte allerdings:  "Ich war mir in diesem Moment nicht bewusst, dass man als Profi nicht wetten darf." Ein Grund, sich die Statuten des DFB genauer anzusehen und zu klären, welche Sportwetten erlaubt sind und welche nicht:

Neues Recht wegen Hoyzer-Skandal

Der Name Hoyzer wurde seit dem Jahr 2005 schon fast zum geflügelten Wort für Betrug im Profi-Fußball. Der Bundesliga-Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte damals gegen Geldzahlungen Spiele bewusst beeinflusst. Auf Basis dieses Wett-Skandals änderte der DFB seinerzeit seine Rechtssatzung, um gezielter gegen Spiel-Manipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten vorgehen zu können. Das Thema war dem DFB so wichtig, dass die neu ergänzte Regelung heute ganz vorne in Paragraph Eins der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB steht. Dieser Paragraph ist auch Teil des DFL-Mustervertrages für Sportler, auf dem auch der Vertrag von Olic beim TSV 1860 München basiert.

Wer darf auf was wetten?

Die Regel bezieht sich auf alle Personen, die ein Fußballspiel selbst beeinflussen könnten, also Spieler, Trainer, Funktionsträger in den Vereinen und auch Schiedsrichter. Verboten sind Sportwetten "auf den Ausgang oder den Verlauf von Fußballspielen oder Fußballwettbewerben, an denen ihre Mannschaften mittelbar oder unmittelbar beteiligt sind, abzuschließen oder dieses zu versuchen." 

Das war bei Olic eindeutig der Fall, denn im Fall des Kroaten wurde auf neun Spiele der zweiten Fußball Bundesliga gewettet. Obwohl nicht auf Spiele des eigenen Vereins gewettet wurde, ist das nicht erlaubt. 

Wetten auf andere Ligen erlaubt?

Der Bild gegenüber sagte Olic, dass neben der zweiten Liga auch auf Spiele anderer Spielklassen gesetzt wurde. In dem DFB-Urteil ging es jedoch nur um seine Wetten auf Zweitligaspiele. Aus den Statuten des DFB ist nicht ganz klar erkennbar, ob Olic auf Spiele der ersten oder dritten Liga hätte wetten dürfen. Etwa wegen der Relegationsspiel-Regel könnte der DFB auch hier argumentieren, dass die Löwen vom Ausgang dieser Spiele zumindest "mittelbar" betroffen sein könnten. Im aktuellen Urteil ging es dem DFB aber nur um Wetten auf Zweitliga-Spiele.
Anders ist dies übrigens bei Schiedsrichtern: Den Unparteiischen ist es generell verboten, auf Fußballspiele zu wetten, egal, ob sie selbst in dieser Spielklasse oder einer anderen pfeifen.

Man muss nicht selbst wetten

Olic hatte Freunden seine Kreditkarte zur Verfügung gestellt, damit diese Kombi-Wetten abschließen. Anhand der Abrechnung war also leicht erkennbar, dass der Spieler Olic an der Wette beteiligt war. Aber auch, wenn einer seiner Freunde die Wetten bezahlt hätte, wäre dies illegal gewesen. Laut des DFB-Statuts ist es verboten "selbst oder durch Dritte, insbesondere nahe Angehörige, für eigene oder fremde Rechnung" zu wetten. Nach Angaben der Bild war auch Olics Bruder Marin an den Kombi-Wetten beteiligt.
Auch wenn Olic interne Informationen, die bei Wetten hilfreich sein könnten, weitergegeben hätte und selbst gar nicht an den Wetten beteiligt gewesen wäre, wäre dies illegal gewesen. Ähnlich wie bei den Insider-Regeln des Banken- und Börsenrechts ist es laut den DFB-Regeln auch verboten, Außenstehenden "nicht allgemein zugängliche Informationen" und "Sonderwissen" zu vermitteln und so anderen zu helfen, Wetten abzuschließen.

Relativ geringe Strafe für Olic

Der Fall Olic ist den DFB-Regeln nach sehr eindeutig, da die Wetten mit seiner eigenen Kreditkarte bezahlt wurden und auf Zweitliga-Spiele gesetzt worden war, also der Spielklasse, in der auch sein eigener Verein aktuell spielt. Dennoch wurde Olic letztlich nur für zwei Ligaspiele gesperrt. Zum Vergleich: Robert Hoyzer wurde komplett aus dem DFB ausgeschlossen.

Dass die Strafe bei Olic geringer ausfiel liegt wohl daran, dass es aktuell keine Anzeichen auf eine Manipulation der Spiele gibt. Der sogenannte "Betradar", der nach dem Hoyzer-Skandal als Frühwarnsystem gegen Spiel-Manipulationen eingeführt wurde, zeigte keine Unregelmäßigkeiten. Hilfreich war wohl auch, dass nicht auf den TSV 1860 München gesetzt worden war.

In dem Urteil zeigt der DFB also ein gewisses Augenmaß, da Olic sich wohl wirklich nur zum Spaß an der Wette beteiligt hatte, ohne manipulieren zu wollen. Dafür spricht vor allem, dass er mit seiner eigenen Kreditkarte bezahlt hatte, also überhaupt nicht versucht hatte den Vorgang zu verheimlichen. Auch der DFB-Gerichtsvorsitzende E. Lorenz sagte der Bild, dass das Urteil und die Strafe ein "Signal und ein Warnschuss für alle Beteiligten sein soll."

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rs

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