Ex-Löwen-Sportdirektor übt Kritik

Miki Stevic: Moniz hat viele Fehler gemacht

Miki Stevic
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Miroslav "Miki" Stevic war von Februar 2009 bis zum Ende der Saison 2010/11 Sportdirektor beim TSV 1860.

München - Lange Zeit war es ruhig um Miki Stevic. Nun hat sich der Ex-Löwen-Sportchef erstmals wieder über die Lage bei 1860 geäußert. Er übt Kritik, traut den Löwen aber dennoch den Aufstieg zu.

Er trug in der Bundesliga 104 mal das blaue 1860-Trikot und war von 2009 bis 2011 Sportdirektor bei den Löwen. Doch er schied damals im Unfrieden aus dem Verein und hielt sich seitdem zurück mit Aussagen über den Münchner Traditionsverein. "Nachdem ich bei Sechzig gehen musste, war ich so enttäuscht, dass ich lange Zeit gar nichts zu dem Verein sagen wollte", verrät Stevic im Interview mit Sport1.de. Für gut informiert hält sich der 44-Jährige dennoch: "Ich blicke immer mit einem Auge auf den Klub, weil ich dort selber gespielt habe und auch als Sportdirektor gearbeitet habe."

"Weigl die Kapitänsbinde zu geben, war ein Fehler"

Die aktuelle sportliche Situation findet Stevic beunruhigend, ihm missfällt das Auftreten in den bisherigen vier Saisonspielen. "Die Handschrift des Trainer ist sehr wichtig (...). Die kann man bei 1860 noch nicht erkennen", sagt er. Die Ankündigung von Trainer Ricardo Moniz, Meister werden zu wollen, findet Stevic "sehr abenteuerlich. Jeder, der zu 1860 kommt, muss das Ziel Aufstieg im Hinterkopf haben, aber wie er das ausgedrückt hat, ist fragwürdig. Jetzt bekommt Herr Moniz das als Bumerang zurück. Es war zwar ehrlich, was er gesagt hat, aber das muss auch in der Praxis umgesetzt werden".

Auch die Maßnahme, mit Julian Weigl einen 18-Jährigen zum Kapitän zu machen, ihn dann nach einer Verfehlung abzusetzen und kurz darauf wieder zu begnadigen, hält Stevic für höchst problematisch. "Ein ganz großer Fehler war es, einem jungen Spieler, der erst ein paar Spiele gemacht hat, die Kapitänsbinde zu geben. Das war ein Fehler gegenüber dem Spieler und gegenüber der ganzen Mannschaft. Das ist ein junger Bursche mit einem guten Charakter, und ihm einen schweren Stein auf den Rücken zu hängen, war die falsche Entscheidung. Ein weiterer Fehler war es, nachdem man Spieler sanktioniert hat, dann am nächsten Tag alles zurückzunehmen. Das ist ein Problem der Glaubwürdigkeit. Du weißt als Fan nicht mehr, was du denken sollst."

Stevic fehlen die Identifikationsfiguren bei 1860

Die Arbeit seines indirekten Nachfolgers Gerhard Poschner beurteilt Stevic eher allgemein. Obwohl die meisten Löwen-Neuzugänge in dieser Saison nur wenigen Fußballinteressierten bekannt waren, traut Stevic ihnen einiges zu: "Vielleicht wird von einigen der Neuen bei 1860 in einem Jahr in Superlativen gesprochen."

Allerdings vermisst er Führungsfiguren in der Mannschaft nach dem Abgang von Benny Lauth, Daniel Bierofka oder Gabor Kiraly. "Früher hatte man einige Spieler aus der eigenen Jugend in der Hinterhand, mit denen sich die Fans identifizieren konnten. Diese Spieler fehlen gerade, und das ist sehr problematisch. Ein Fan will Spieler haben, die das Gesicht des Vereins bilden", so der Deutsch-Serbe.

Identifikation könne sich zwar auch schnell über den Erfolg einstellen, doch es sei immer besser, "wenn Jungs aus dem Verein auf dem Rasen stehen. Wenn du in Bayern bayrisch kochen willst, und nur Zutaten aus dem Ausland holst, dann schmeckt es nicht. Das Rezept muss aus dem eigenen Land sein. Gute Spieler kann man kaufen, man kann sie auch selber machen, doch das braucht Zeit."

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Nichtsdestotrotz hält er den Löwen-Aufstieg in dieser Saison noch für möglich: "Momentan sieht es nicht danach aus. Alle im Verein und im Umfeld haben etwas anderes erwartet, aber am Ende des Tages kann Sechzig vielleicht doch noch die Ziele erreichen, wenn man aus den Fehlern, die man in den ersten Spielen gemacht hat, lernt und versucht mit ganzer Kraft die Ziele zu erreichen."

Seiner eigenen Zeit bei 1860 trauert Stevic immer noch hinterher. "Das war eine große Erfahrung für mich - beruflich und menschlich. Heute kann ich sagen, dass ich einige Entscheidungen anders getroffen hätte", blickt er zurück. Durch die Tatsache, dass zahlreiche Spieler aus dem damaligen Löwen-Kader inzwischen in der Bundesliga zu den etablierten Kickern zählten, sieht sich Stevic in seinem Schaffen bestätigt: "Das zeigt, dass ich nicht alles falsch gemacht habe."

Ob die 1860-Fans das genauso sehen?

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