"Viele Fans sind innerlich zerrissen"

Das sind die Gründe für die "Cosa Nostra"-Auflösung

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Seit 2001 unterstütze die "Cosa Nostra 1860" die Löwen lautstark und farbenfroh. Jetzt ist sie Geschichte.

München - Für viele Fans des TSV 1860 war es eine überraschende Bekanntgabe: Die Ultra-Gruppierung "Cosa Nostra" gab ihre Auflösung bekannt. Was sind die wahren Gründe?

Wer durch München und vor allem durch Giesing läuft oder fährt, der kennt zumindest ihre Aufkleber und Graffiti. Die Löwen-Ultra-Gruppierung „Cosa Nostra 1860“ (CN) gehört seit 2001 zu den Sechzigern – oder besser gesagt: gehörte. Denn mit dem letzten Junitag des Jahres 2016 hat sich die CN aufgelöst. „Danke an all unsere Weggefährten und Sympathisanten, die uns im Kampf für Unsere Farben, Unsere Stadt, Unseren Verein, Unser Stadion, Unsere Kurve und UNSERE SACHE unterstützt haben“, hieß es in dem Statement, das die blauen Hardcore-Fans auf ihrer Homepage veröffentlichten. „Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig, wir haben alles gegeben, bleiben uns treu und tragen den Löwen weiter im Herzen!“

15 Jahre bildete die CN das wilde Herz der Fankurve. „Bedingungslose Unterstützung der Mannschaft, die Durchführung von aufwendigen Choreografien und der Besuch aller Auswärtsspiele des TSV 1860“ war ebenso charakteristisch für die zu Olympiastadion-Zeiten gegründeten Ultras wie Pyrotechnik und ein Hang zur Grenzüberschreitung, der mit Stadionverboten und 2008 mit einem (einstweiligen) Mitbringverbot für CN-Utensilien geahndet wurde.

Das Fanprojekt München um Lothar Langer (ganz links).

Warum sich die Gruppierung nun aufgelöst hat? Für Lothar Langer, als langjähriger Mitarbeiter des „Fanprojekts München“ der Arbeiterwohlfahrt bestens mit der Szene vertraut, sind es vor allem drei Gründe: „Erstens die innere Zerrissenheit eines großen Teils der aktiven Fans nach dem Einstieg des Investors Hasan Ismaik und zahlreichen Possen. Zweitens die beiderseitige Entfremdung von 1860 und seiner Ultras. Und drittens die sportliche Misere, die viele Fans über die Jahre hat resignieren lassen.“

Die in Internet-Foren angesprochene Angst, dass ein eventuell entstehendes Vakuum von Mitgliedern der rechtsradikalen Szene genutzt werden könnte, teilt Langer nicht. Nun läge es an den verbliebenen Ultra-Gruppierungen wie den „Giasinga Buam“ und neuen, in Entstehung befindlichen Gruppen, für friedliche Stimmung zu sorgen. Für die Sozialarbeiter wie Langer wird es in den nächsten Wochen und Monaten darauf ankommen, einen guten, belastbaren Kontakt zu den Fangruppen herzustellen. Einfacher, das ahnt er, wird sein Job durch das Ende der Cosa ­Nostra eher nicht werden.

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