Viel Lob nach Positionswechsel

Liendl: "Ich hab jetzt alles durch"

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Michael Liendl hat im Mittelfeld jetzt alle Rollen durch

München - Michael Liendl wird bei 1860 plötzlich wieder gebraucht – als Sechser.  „Er ist unser bester Fußballer“, schwärmt Jan Mauersberger.

In der 29. Minute wäre es fast passiert: Da hätte seine neue Karriere beinahe den ersten Knick bekommen. Michael Liendl, erstmals in seinem Fußballer-Leben als Solo-Sechser aufgeboten, verschluderte einen Ball im Spielaufbau und musste dann mitansehen, wie drei Bielefelder eine Großchance herauskombinierten, die wie durch ein Wunder nicht zum 1:0 für die Gäste führte. „Dann wäre ich der Depp gewesen“, sagte der Grazer mit einer Portion steirischem Schmäh.

Die Deppenrolle blieb Liendl, 30, erspart – Tomasz Holata, ein gelernter Sechser, schob den Ball am leeren Tor vorbei. Später durfte Liendl dann sogar den Siegtreffer durch Stefan Aigner bejubeln, doch sein eigener Name fiel mindestens ebenso häufig, als in der Mixed-Zone hinterher die „Mitarbeiter des Tages“ benannt wurden.

„Überragender Kicker, überragender Spielmacher“, adelte Aigner seinen zum Sechser umgeschulten Offensivkollegen. „Er ist unser bester Fußballer“, schwärmte Jan Mauersberger. Und auch der Trainer zeigte sich angetan. „Er hat die Bälle gefordert, sie klug verteilt und viel Verantwortung übernommen“, gab Kosta Runjaic durchaus beeindruckt zu Protokoll.

Noch im Juni in der Krise

Lobeshymnen, die in Liendl zwiespältige Gefühle auslösen dürften. Im Juni hatte ihm sein Berater mitgeteilt, dass 1860 ohne ihn plant. Beim Start in Fürth schmorte er bis zum Schlusspfiff auf der Bank. Jetzt war er plötzlich das Herzstück einer Mannschaft im Umbruch. Andererseits: Hat er sich mit seinem beherzten Auftritt nicht einen Bärendienst erwiesen? Muss der leidenschaftliche Spielmacher Liendl nicht fürchten, jetzt immer für die laufintensive Position vor der Abwehr missbraucht zu werden?

Liendl, der die Rückennummer 10 aus innerer Überzeugung trägt, scheint für sich beschlossen zu haben, die ungewohnte Rolle anzunehmen, sie als neue Chance zu begreifen. „Ich bin ein Spieler, der gerne den Ball hat und mitten im Geschehen ist“, sagt er. Das Gefühl, gebraucht zu werden, mag er auch. Dazu kommt, dass sich Liendl im Herbst der Karriere beweisen kann, ein kompletter Mittelfeldspieler zu sein. „Ich hab jetzt alles durch“, berichtet er: „Links. Rechts. Zentrale. Und nun auch die Sechs.“ Für den Österreicher steht fest: „Ich will eine gute Saison spielen.“

Liendls Vertrag läuft noch ein Jahr. Was danach kommt, steht in den Sternen. Die Erfahrung der letzten Wochen lehrt ihn, dass man speziell beim TSV 1860 flexibel bleiben sollte. 

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