Serie zum 50. Jahrestag der Löwen-Meisterschaft

Hier zeigt uns Fredi Heiß seinen Meisterring

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Fredi Heiß mit dem Ring, den er anlässlich des Titel­gewinns 1966 erhalten hat.

München - Zum 50. Jahrestag der Deutschen Meisterschaft für den TSV 1860 blicken wir in einer Serie noch einmal zurück. Fredi Heiß erinnert sich an die Meister-Saison.

Sein Faible für Ringe hält sich eigentlich in Grenzen, aber diesen präsentiert Fredi Heiß ganz besonders stolz: den Meisterring. Ein goldenes Schmuckstück mit einem Onyx, auf dem ein ebenfalls goldener Löwe eingearbeitet ist, und mit der Gravur „Deutscher Fußballmeister 1966“ auf der Innenseite. „Ich trage ihn aber eigentlich nie“, sagt Heiß. „Ich bin kein großer Freund von Ringen.“ Nicht mal den Ehering streift er mehr über, seitdem dieser ihn fast einen Finger gekostet hätte. Heiß: „Das war vor vielen Jahren, als ich mich mal ausgesperrt hatte und über den Balkon in die Wohnung kraxeln wollte. An einem Fensterbrett blieb ich dann mit dem Ring hängen, ich hätte mir fast den Finger auseinandergerissen, aber im „Rechts der Isar“ haben sie ihn dann wieder zusammengeflickt.“

Neben dem Ring gab’s für die Spieler natürlich auch noch eine Prämie für den Gewinn der Meisterschaft. Im Vergleich zu heute eine lächerliche Summe. Heiß: „Es waren rund 6000 Mark, aber darin war auch das Geld für das Erreichen des Europacup-Finales ein Jahr zuvor enthalten.“ Warum das so lange gedauert hat, glaubt Heiß zu wissen: „Unsere Funktionäre mussten wohl erst mal wieder das Geld zusammenkratzen…“

Heiß: "Merkel hat total durchgedreht"

Gut eine Woche vor Saisonschluss sah alles danach aus, als könnte sich der TSV 1860 eine Prämie für den Titelgewinn sparen. Die punktgleichen Löwen mussten am vorletzten Spieltag zum Tabellenführer Borussia Dortmund, gerade frischgebackener Europacupsieger und eindeutiger Favorit. Heiß erinnert sich: „Nach unserer souveränen Vorrunde mit nur fünf Minuspunkten hat uns Trainer Max Merkel im Winter derart rangenommen, dass wir völlig übertrainiert und kaputt waren. Wir haben das erste Spiel im neuen Jahr gleich gegen die Bayern 0:3 verloren, für Merkel ein willkommener Anlass, uns noch mehr ranzunehmen. Der hat total durchgedreht.“

So richtig in Form kamen die Löwen daher nicht mehr. Nach wie vor gab’s unerwartete Punktverluste, die sich allerdings auch mit hohen Siegen abwechselten. Wie einem 9:1 bei Borussia Neunkirchen Mitte April 1966. Mit gleich vier Treffern des Flügelflitzers Heiß. Der damals 25-Jährige sagt heute: „Ich hätte eigentlich noch mehr Tore schießen können, aber irgendwann haben wir jeden Ball nur noch auf Timo Konietzka gespielt, damit der Torschützenkönig wird…“

Und dann der Showdown im Stadion „Rote Erde“ in Dortmund am 21. Mai. Für Heiß brach am Tag zuvor eine Welt zusammen: „Merkel sagte, dass er mich nicht aufstelle, weil ihm zu Ohren gekommen sei, dass ich schlecht über seine Arbeit gesprochen hätte. Ich hätte gesagt, er habe so viele Fehler gemacht. Das stimmte zwar, aber ich war so was von sauer.“

Brunnenmeier und Grosser schossen die Löwen zum Meisterglück

Trotzdem. Merkel, der zwischendrin mal zwei Wochen dem Training ferngeblieben war und nur hin und wieder mal beim Gassigehen mit seinem Pudel an der Grünwalder Straße die Übungseinheiten, geleitet von Kapitän Peter Grosser, beobachtete, hatte vor dem Dortmund-Spiel wieder vieles im Griff. Heiß: „Es ist ihm gelungen, die Mannschaft wieder in Stimmung zu bringen. Und wir wussten ja, dass wir Qualität haben, und wollten die Chance auf den Titel einfach nicht mehr aus der Hand geben.“ Die Tore von Rudi Brunnenmeier und Peter Grosser, der nach einem wunderbaren Sololauf traf, machten das Glück der Löwen perfekt. Jetzt stand als einzige Hürde nur noch der Hamburger SV im Wege, gegen den man zu Hause einen Punkt holen musste, um den Titel sicherzustellen. Egal wie Dortmund in Frankfurt spielte.

Auch diese Partie fand ohne Fredi Heiß statt. „Merkel hätte mich dieses Mal zwar aufgestellt, aber ich habe mir im Training einen Muskelriss zugezogen, der mich auch die WM-Teilnahme in England gekostet hat“, bedauert Heiß noch heute.

Die Woche bis zum HSV-Spiel zog sich quälend lang hin. Heiß: „Wir waren alle sehr nervös in den Tagen davor, auch Max Merkel. Jeder hatte nur einen Gedanken: Jetzt stehen wir so kurz vor unserem Ziel, aber was ist, wenn wir das vergeigen? Das hätte jedem von uns ein Leben lang nachgehangen.“ Diese Anspannung sah man hinterher auch auf den Meisterfotos: Kein Lachen, kein Jubel. „Da war keine überschwängliche Freude“, sagt Heiß, „sondern einfach nur Erleichterung. Und Stolz, weil wir etwas Besonderes erreicht haben.“

"Uwe Seeler war mein Idol"

Dass ihm ausgerechnet auch noch Uwe Seeler, der HSV-Kapitän, an diesem Tag zum Titelgewinn gratulierte, war für den Fredi eine besondere Ehre: „Der Uwe ist immer mein Idol gewesen, und ich habe mich mit ihm bestens verstanden. Bei der Nationalmannschaft verbrachte ich mal ein paar Tage mit ihm und Charly Dörfel in einem Dreibettzimmer in der Sportschule Malente. Nie mehr in meinem Leben habe ich so viel gelacht wie damals mit diesen beiden Vögeln.“

Und wie ist es heute mit den Erinnerungen? Fünfzig Jahre danach. Heiß: „Das Spiel gegen den HSV war der schönste Tag in meinem Leben. Auch wenn ich nur Zuschauer war. Bis heute denke ich jedes Mal daran zurück, wenn ich am Sechzger-Stadion vorbeifahre. Und an alle Kollegen. Allen voran an den Radi, der eine unglaublich starke Saison im Tor hingelegt hat, oder an den Perusic, der vielleicht unser wichtigster Spieler war. Er hat wirklich immer alles gegeben.“

Aber auch die persönliche Bilanz von Heiß kann sich sehen lassen. Zehn Tore hat er in dieser Saison als Außenstürmer geschossen – seine beste Saisonquote in sieben Jahren Bundesliga. Meisterlich halt.

tz

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