Abschiedsworte an die Mannschaft

Kreuzer korrigiert sich: Kein wohlverdienter Urlaub

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Sportchef Oliver Kreuzer (r., neben Sascha Mölders) hat diese Woche noch ordentlich zu tun.

München - Sportchef Oliver Kreuzer hofft auf seinen Trainerfreund Mirko Slomka – die Entscheidung steht in den nächsten Tagen an. Bei der Verabschiedung der Mannschaft in den Urlaub muss sich Kreuzer korrigieren.

Es war eine Choreografie, auf die sich der Löwen-Anhang gut vorbereitet hatte. Schlusspfiff in Frankfurt, der TSV 1860 verliert das letzte Saisonspiel mit 1:2, der gastgebende FSV steigt trotzdem ab, und viele der 6000 Gästefans zücken wie auf Knopfdruck weiße Papiertaschentücher, mit denen sie vergnügt wedeln. Adressat der Geste: Trainer-Feindbild Falko Götz.

Um den Abschiedsgruß in all seiner Häme zu verstehen, muss man tief mit vereinsgeschichtlichen Details vertraut sein. Bekanntlich war Götz einer der Hauptverantwortlichen für den Abstieg aus der Bundesliga 2004. Fünf Spieltage vor Saisonende wurde der zu Überheblichkeit neigende Berliner entlassen – und dass er noch eine offene Zeche im „Löwenstüberl“ hatte, regelte er auf seine Weise. Er sandte Wirtin Christl nach deren öffentlicher Beschwerde einen Brief. Inhalt: seine Schulden in Höhe von 30 Euro – und ein Packerl Taschentücher, um ihre „Abstiegstränen zu trocknen“.

Zwölf Jahre später also: Genugtuung für Christl und die 1860-Fans. Götz steigt ab. Die Löwen bleiben drin. Stolz brauchte aber keiner zu sein auf diesen Auftritt, der dem ungeliebten „Ex“ immerhin seine ersten drei Punkte als FSV-Coach beschied.

Dass es keine Komplettdemütigung für den ungeliebten Götz wurde, hatten sich die vorzeitig geretteten Löwen selber zuzuschreiben. Nach glücklicher Führung durch Valdet Rama (Linksschuss aus spitzem Winkel) brachte sich die von Denis Bushuev auf fünf Positionen geänderte 1860-Elf selber um den möglichen Sieg. Zwei Fouls durch Christopher Schindler und Gary Kagelmacher führten zu zwei Elfmetern – Edmond Kapllani, Albaner wie Rama, verwandelte zweimal sicher. Die Folge des verschenkten Sieges: 1860 verpasste Platz 14 in der Abschlusstabelle, was finanziell schmerzhaft ist (450 000 Euro an TV-Geldern weniger). Außerdem droht nun ein schweres Los im DFB-Pokal. Durch den verpassten Sprung in die Top 32 landet 1860 in dem Topf mit den kleinen Mannschaften.

Am Tag danach trommelte Oliver Kreuzer ein letztes Mal den Kader zusammen, um die Spieler in den Urlaub zu verabschieden. „Beinahe hätte ich gesagt: ,in den wohlverdienten Urlaub’“, sagte der Sportchef und korrigierte sich: „Nein, in den Urlaub eben. Das gehört sich so. Beim ein oder anderen weiß man ja auch nicht, ob man ihn wiedersehen wird."

Sechzig unterliegt Frankfurt - nur einmal Note drei

Abwehrkante Rodnei ist der nächste Spieler, der mitgeteilt bekam, dass er gehen soll (obwohl er am Sonntag einer der Lichtblicke war). Klar ist inzwischen auch, dass eine Rückkehr von Moritz Stoppelkamp vorangetrieben wird. Kreuzer hat sehr konkrete Pläne, doch das letzte Wort beim Kader obliegt dem neuen Trainer, „der ja der wichtigste Mann im Verein ist“, wie der Sportchef betont.

Bis Ende dieser Woche soll der Nachfolger von Daniel Bierofka und Helfer Bushuev feststehen, und es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass es Mirko Slomka ist, dem Kreuzer das Projekt Neuaufbau anvertrauen will. Mit Slomka, 48, hat er beim HSV gute Erfahrungen gemacht. Er wollte ihn schon holen, als Benno Möhlmann gehen musste (was an der Höhe der geforderten Nichtabstiegsprämie scheiterte). Mitte letzter Woche sollen sich die beiden in einem Münchner Hotel getroffen haben.

Nach Informationen der „tz“ hat Hasan Ismaik seinen grundsätzlichen Segen zur Personalie Slomka gegeben – auch zu weiteren Investitionen soll der Jordanier bereit sein. Doch offenbar ist sein Wohlwollen wie so oft an knallharte Bedingungen gekoppelt. Forderung Nummer eins: Markus Rejek soll gehen. Forderung Nummer zwei: Mit dem Geschäftsführer sollen sich auch drei namhafte Aufsichtsräte schleichen, die dem nach noch mehr Macht strebenden Ismaik ein Dorn im Auge sind.

Mit anderen Worten: Der zuletzt wie ein Fan auftretende Ismaik hat den Verein mal wieder in der Hand. Fällige Schritte, „um die Wünsche aller Löwen-Fans zu erfüllen“, würden „zeitnah in Angriff genommen“, hieß es vorige Woche in einem kryptisch formulierten Strategiepapier. Oberste Priorität hätten für beide Gesellschafter die Neuausrichtung der Geschäftsstelle, die Weiterentwicklung der Profimannschaft und die Förderung des Nachwuchses.

Franco Foda, Kreuzers Lösung 1b, scheint inzwischen aus dem Rennen zu sein, alles deutet jetzt auf Slomka hin. „Die Trainersuche ist das große Hauptthema“, betonte der Sportchef erneut: „Damit steht und fällt alles. Alle Spieler wollen vor ihrem Urlaub wissen, wo und bei wem sie in vier, fünf Wochen antanzen müssen.“ Konkret wollte sich Kreuzer auf keinen Namen festlegen, nur so viel deutete er an: „Es ist ein Trainer, von dem wir glauben, dass er den Laden stabilisieren kann.“

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