So denkt der Nachwuchs des TSV 1860

Sané, Bale oder Benzema? Die Wunschspieler der Junglöwen

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Emre Dursum (10), Emirhan Demircan (11), Nenad Petkovic (11), Mansour Ouro-Tagba (11) und Carlo Cosenza (10) vor dem Poster der Meistermannschaft.

München - Vor 50 Jahren waren die Löwen Deutscher Meister. Das wissen auch die jüngsten Kicker der Blauen, die stolz auf ihren Verein sind. Bei den Wunschspielern legen sie die Messlatte für Oliver Kreuzer und Hasan Ismaik hoch. 

Die Männer auf dem großen Foto in der Geschäftsstelle könnten ihre Väter sein – heutzutage eher ihre Urgroßväter. Emre Dursum (10), Emirhan Demircan (11), Nenad Petkovic (11), Mansour Ouro-Tagba (11) und Carlo Cosenza (10) stehen unter dem Bild der Meisterlöwen von 1966. Dass der TSV 1860, der Verein, für den sie in ihren U10- und U11-Mannschaften spielen, tatsächlich einmal Deutscher Meister war? Die silberne Schale in der Vitrine beweist’s. Bezeichnender für den Ist-Zustand an der Grünwalder Straße ist freilich die Tatsache, dass noch keiner der fünf Buben geboren war, als die Löwen 2004 zuletzt in der Ersten Liga spielten. „Ich hab mal Ausschnitte davon im Fernsehen gesehen“, sagt Carlo. „Da haben sie sogar gegen Bayern gewonnen.“

Seitdem hat sich einiges verändert in Fußballdeutschland. Während die Neuigkeiten und Nichtigkeiten beim FC Bayern im Fernsehen und Internet wie Weltereignisse verkauft werden, ist es um die überregionale Präsenz der Löwen schlecht bestellt. Kein Erfolg, keine Stars – mit entsprechenden Folgen für die Fanlandschaft.

In den Münchner Schulen gehe es aber noch, berichten die fünf Junglöwen. „Wir sind immerhin vier Sechziger-Fans in der Klasse“, sagt Nenad. Bei Emirhan ist sogar knapp die Hälfte der fußballbegeisterten Mitschüler den Blauen zugeneigt. Hämische Kommentare? „Klar gibt’s die“, erzählt Emre. „Aber nach dem Champions-League-Halbfinale gegen Atletico haben dafür wir was zum Kontern gehabt.“

Sie lebt also durchaus noch, die Rivalität zwischen Rot und Blau. Speziell bei den Münchner Jugendderbys. „Wir haben schon viermal gegen Bayern gewonnen“, erzählt Emirhan stolz. Dass es genauso viele Niederlagen waren? „Macht nix. Das nächste Mal gewinnen wir.“

Und die Profis? Wie sollen die mal wieder hochkommen? „Ich würde mir wünschen, dass Sechzig mehr Geld hätte, um bessere Spieler zu kaufen“, sagt Nenad. ­„Leroy Sané wäre super, Gareth Bale oder Karim Benzema. Ronaldo muss gar nicht sein.“ Investor Hasan Ismaik hat’s vernommen.

Vielleicht schaffen es ja auch ein paar Junglöwen zu den Profis. Dreimal pro Woche wird trainiert. Mit dem Ball jonglieren sie wie die Weltmeister, Tempo und Geschick beim Kreisspiel sind beachtlich. „Natürlich will ich Profi werden“, sagt Emirhan. „Am liebsten als Zehner.“ Kein Wunder, dass Michael ­Liendl sein Lieblingsspieler bei 1860 ist. „Und Rubin Okotie, der will ja jetzt gehen. Aber da finden sie bestimmt einen Neuen.“

Optimismus als Grundtugend – so muss es sein bei Sechzig. Bayern-Fan? Mansour, der groß gewachsene Stürmer der U 11, lächelt und räuspert sich, die anderen vier spitzen gespannt die Ohren. „Klar würde ich mir wünschen dass Sechzig öfter gewinnt“, sagt der US-Amerikaner. „Aber der FC Bayern, eine Meisterfeier nach der anderen – das ist doch langweilig.“

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