Sechzigs mittelmäßiger Auftakt

Fünf dringliche Fragen zum Saisonstart der Löwen

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Blauer Alleinunerhalter gegen Bielefeld: Stefan Aigner (hier im Duell mit Julian Börner).

München - Zwei Spiele, drei Punkte, Tabellenplatz 8. So stehen die Löwen in der 2. Bundesliga aktuell da. Zeit für eine erste Bilanz: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum holprigen Saisonstart der Löwen.

Stefan Aigner (28) musste es richten für die Löwen. Der Rückkehrer besorgte beim Heimspieldebüt der Blauen den Siegtreffer beim wichtigen 1:0 gegen Arminia Bielefeld - und sorgte dafür, dass der Fehlstart gerade noch mal abgewendet werden konnte. Der Auftakt in die neue Saison wirft Fragen auf beim TSV 1860. Wir beantworten die fünf wichtigsten:

1. Bleiben die Kurzarbeiter ruhig?

Sascha Mölders, Levent Aycicek und Kai Bülow waren in der Vorsaison feste Größen bei den Löwen. Jetzt spielen sie kaum mehr eine Rolle. Mölders und Bülow schmorten bislang meist auf der Bank, wurden - wenn überhaupt - spät eingewechselt und konnten keine Akzente mehr setzen. Und Aycicek? Der 22-jährige Leihspieler von Bundesligist Werder Bremen spielte bisher überhaupt nicht, schaffte es gegen Bielefeld nicht mal in den Kader. Bisher hat keiner der Reservisten aufgemuckt. Aber: Wie lange bleibt das so? Immer zuschauen müssen, wenn andere glänzen, tut weh. Vor allem, wenn man in der Vorsaison viel zum Klassenerhalt beigetragen hat. Wie unsere Onlineredaktion erfuhr, lenkte sich Mölders am Freitagabend bei der Regionalligapartie zwischen der SpVgg Unterhaching und der Zweitvertretung seines Ex-Klubs FC Augsburg ab. In Unterhaching. An dem Ort, an den die bei Sechzig augeboteten Stephan Hain und Dominik Stahl kürzlich wechselten.

2. Verändert sich der Kader noch mal?

Der Kader der Löwen ist schon jetzt voll mit großen Namen. Gestandene Bundesligaspieler wie Ivica Olic und Stefan Aigner tummeln sich da. Und bald könnte noch einer dazu kommen: Für die Löwen-Innenverteidigung nämlich. Am Montag fehlte Coach Kosta Runjaic beim Training, weil er laut Bild "ganz geheim" auf Tour war. Gut möglich, dass er das fehlende Mosaiksteinchen in der Löwen-Defensive beobachtete. Möglicher Kandidat: Felipe Santana. Der 30-Jährige Ex-Dortmunder und Schalker spielte zuletzt in Russland (Krasnodar) und ist wohl zu haben. Bei einem anderen Kandidaten stehen die Chancen dagegen schlecht: Der gebürtige Münchner und Ex-Stuttgarter Georg Niedermeier trainiert zwar gerade bei den kleinen Bayern mit, will aber nach England wechseln. Gut möglich auch, dass der üppig besetzte Löwenkader noch ausgedünnt wird. Verteidiger Sertan Yegenoglu ist bei Drittligist MSV Duisburg im Gespräch. Zudem könnte einer der ausgeboteten Torhüter noch gehen. Der ehemalige Stammkeeper Vitus Eicher saß zuletzt nicht ein mal mehr auf der Bank. Außerdem ein Kandidat: Außenbahn-Talent Nico Karger könnte verliehen werden. Wohl bleiben wird Michael Liendl. Der Österreicher schaffte es am Wochenende gegen Bielefeld direkt vom Abstellgleis in die Startelf.

3. Wann machen die Fans wieder Stimmung?

Die Nordkurve ist der ganze Stolz der Löwenfans. Lange rühmte man sich damit, dass fünftausend Löwen mehr Stimmung machen als 60.000 Bayernanhänger. Davon war beim Heimspieldebüt der Sechzger am Wochenende wenig zu sehen. Keine Fahnen, keine Gesänge - die Löwenkurve schien wie ausgestorben. Grund ist, dass sich vor der Saison zwei der größten Fangruppierungen auflösten. Die "Cosa Nostra", weil es intern nicht mehr gestimmt hat und die "Giasinga Buam", weil ihnen die Fahne durch Bayernfans geklaut wurde (Ultragesetz: Gruppierungen, denen die Fahne geklaut wird, müssen sich auflösen). Es zwickt also nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf der Tribüne. Fraglich, ob sich Fangruppen herauskristallisieren, die das Zepter auf der Nord an sich reißen. Zeit wird's, denn ohne die blaue Wand im Rücken dürfte sich auch das Team weiter schwer tun. 

4. Wann erspielen sich die Löwen endlich Torchancen?

Kosta Runjaic ist ein moderner Fußballtrainer. Er legt großen Wert auf Ballbesitz - und Dominanz im Mittelfeld. In Fürth und erst recht gegen Bielefeld konnte man schon deutlich erkennen, dass die Mannschaft versuchte, Runjaics Spielidee umzusetzen. Die Löwen drängten den Gegner hinten rein zu und agierten körperlich robust. Oldie Ivica Olic beispielsweise ackerte, was das Zeug hielt und erkämpfte sich immer wieder Bälle - manchmal sogar an der eigenen Grundlinie. Problem: Sechzig erspielt sich kaum Gelegenheiten vorm gegnerischen Tor. Wie schon in der Vorsaison lautet die traurige Löwenwahrheit: Ein Tor aus zwei Spielen - zustande gekommen aus, wenn man ehrlich ist, null echten Torchancen. Das muss sich ändern. Die spielerische Überlegenheit muss endlich in Abschlüsse im gegnerischen Strafraum umgemünzt werden. Denn: Ein genialer Aigner-Moment allein wird auf Dauer zu wenig sein.  

5. Was machen die blauen Brasilianer?

Für den erst 19-jährigen Brasilianer Ribamar blätterte Sechzig vor der Saison schlappe 2,5 Millionen Euro hin. Zudem lieh man den ein Jahr älteren Victor Andrade von Benfica Lissabon aus. Der Löwenfan fragt sich: Warum spielen die beiden Talente vom Zuckerhut keine Rolle bei Kosta Runjaic? Andrade saß gegen Bielefeld zumindest schon einmal auf der Bank, Ribamar schaffte es bisher nicht in den Kader. Offizielle Begründung des Vereins: Trainingsrückstand. Mal sehen, wann die blauen Brasilianer eine Chance bekommen - und ob sie die bisher noch zahme Löwenoffensive beleben können.

mae

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