Thorsten Ruinys veröffentlicht das "Löwen Kompendium"

Das Wahnsinnswerk eines blauen Freaks

Thorsten Ruinys fand es noch nie gut, wenn man immer gewinnt.

München - Es gibt Bücher, die die Welt nicht braucht, der ein oder andere 1860-Fan aber schon. Das Löwen Kompendium zum Beispiel, ein über 700 Seiten dicker Wälzer, der mit Sicherheit Einzug halten wird ins Statistikparadies.

Infoquelle: ein Riegenbuch des TSV 1860 von 1902

Wer unbedingt wissen will, mit welcher Aufstellung der TSV 1860 am 17. April 1922 gegen, sagen wir mal, Wacker Schießmichtot angetreten ist, der liegt hier genau richtig. Von 1902, als man beim Giesinger Traditionsklub mit dem Kicken begann, bis zum Sommer 2016 sind (fast) alle Aufstellungen, Ergebnisse, Torschützen, Schiedsrichter, Zuschauerzahlen etc. festgehalten. Ein Wahnsinnswerk! Und wer hat’s gemacht? Ein Nordlicht! Ein blauer Freak! Thorsten Ruinys aus Bremervörde, Jahrgang 1968. Von Beruf Kriminalhauptkommissar, Abteilung Betrug. Passt zur nicht immer ganz hasenreinen Historie beim Turn- und Sportverein von 1860. Die tz sprach mit Ruinys.

Wie kommt man dazu, sich so etwas anzutun, Herr Ruinys?

Ruinys: Ich habe schon als Kind Fußballstatistiken geführt. Und 2006 kam ich auf die Idee, dieses Statistikbuch über den TSV 1860 herauszubringen.

Seit wann sind Sie eigentlich Fan der Löwen?

Ruinys: Seit 1981. Seit dem Abstieg aus der Ersten Liga.

Da wird man Fan?

Ruinys: Ich bin immer gern den härteren Weg gegangen. Ich fand es damals schon nicht gut, wenn man immer gewinnt.

Sie fanden sich damals ziemlich schnell in der Bayernliga wieder. War zumindest das ein Schock?

Ruinys: Ach was. Die Zeit in der Bayernliga war einfach fantastisch. Ich zehre heute noch von den Erinnerungen, als ich in Schweinfurt, Plattling, oder was weiß ich wo war. Übrigens, ich war nicht der Einzige aus Norddeutschland, der die Löwen damals begleitet hat. Da war einer aus Husum dabei und ein anderer kam aus Flensburg.

In den Neunzigerjahren hatten Sie dann aber richtig viel Spaß mit den Löwen, oder?

Ruinys: Natürlich. Das war eine wunderbare Zeit nach dem Aufstieg in die Erste Bundesliga. Mit einem tollen Erlebnis noch dazu für mich. Vor dem ersten Lokalderby 1994 wollte ich bei 1860 zwei Karten bestellen, aber ich bekam einen abschlägigen Bescheid. Daraufhin habe ich an Präsident Wildmoser einen Beschwerdebrief geschrieben und der hat doch tatsächlich bei mir zu Hause angerufen, meine Mutter war am Apparat, und ihr mitgeteilt, dass das mit den Karten für mich klargeht. Vor dem Spiel bin ich dann zu Herrn Wildmoser gegangen und habe mich persönlich bedankt. Er war richtig gerührt.

Wer war eigentlich der arme Kerl, der die ganzen Aufstellungen niedergeschrieben hat?

Ruinys: Ich selbst. Alle in eine Worddatei auf dem PC. Dann bin ich mit dem Verlag von Harald Voß in Kontakt gekommen, wo alles in eine Datenbank eingefügt wurde. Es waren anstrengende Jahre, bis alles fertig war.

Woher hatten Sie all die Informationen?

Ruinys: Aus vielen Quellen. Aus einem Nachlass, die Bayerische Staatsbibliothek hat mir sehr geholfen und aus verschiedenen Münchner Zeitungen. Da habe ich alle Bände zwischen 1902 und 1945 durchgearbeitet.

Was hat eigentlich Ihre Familie dazu gesagt?

Ruinys: Meine Frau sieht mittlerweile Licht am Ende des Tunnels, dass sie mich langsam wieder kennenlernt. Und zwei Kinder habe ich ja auch noch. Mein siebenjähriger Sohn ist seit seiner Geburt Mitglied beim TSV 1860.

Wie stehen Sie dem FC Bayern gegenüber?

Ruinys: Ich freue mich, wenn er verliert. Aber ich interessiere mich sehr für den FC Bayern, weil ich mich insgesamt viel mit der Münchner Fußballgeschichte beschäftige.

Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, nach München zu ziehen?

Ruinys: Nein, das geht nicht. Ich bin Norddeutscher durch und durch.

Haben Sie einen Lieblingsspieler?

Ruinys: Ja, Ernst Willimowski, den Torjäger aus der Pokalsiegermannschaft 1942. Und Alois Pledl. Ein richtiger Sechzger. Der hat zwischen 1924 und 1944 immer für uns gespielt. Was umso beachtlicher war, weil er nur einen Arm hatte.

Und aus der Neuzeit?

Ruinys: Paul Agostino, Benny Lauth, Daniel Bierofka und Stefan Aigner. Und große Hoffnungen setze ich in Victor Andrade.

Wie viele Bücher sind schon verkauft worden?

Ruinys: Also eines vorweg: Ich habe das nicht gemacht, weil ich mir einen Gewinn erwarte. Obwohl es ja mit fast 60 Euro nicht gerade günstig ist. Bisher sind etwa 60 Stück verkauft worden, und es ist bereits eine zweite Auflage in Auftrag gegeben worden. Dieses Buch war einfach eine Herzensangelegenheit für mich.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Eichin offiziell weg - Boykott gestoppt - Bierofka bleibt
Eichin offiziell weg - Boykott gestoppt - Bierofka bleibt
1860-Ticker: Eichin weg, Gerges weg - wer kommt jetzt?
1860-Ticker: Eichin weg, Gerges weg - wer kommt jetzt?
Pereira ist Trainerkandidat bei 1860 - Interesse bestätigt
Pereira ist Trainerkandidat bei 1860 - Interesse bestätigt
Heinrich heute: Alles Englisch bei den Lions im Greenforest Stadium?
Heinrich heute: Alles Englisch bei den Lions im Greenforest Stadium?

Kommentare