Fans zerstritten - Verein ratlos

Tote Hose bei den Löwen: Das steckt hinter der miesen Arena-Stimmung

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Ein Foto aus lauteren Zeiten: Im Grünwalder Stadion beim Testspiel gegen den BVB besangen sich Cosa Nostra und Giasinga Buam gegenseitig.

München - In den vergangenen Jahren war 1860 bekannt für seine leidensfähigen Fans, die auch in den dunkelsten Stunden zu den Löwen hielten - und für ordentlich Stimmung in der Arena sorgten. Davon ist nicht viel geblieben. Wir erklären die Hintergründe.

Hasan Ismaiks Hilferuf war deutlich: "Um wieder als starkes 1860 in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, wünsche ich mir sehnsüchtig die Rückkehr der stimmgewaltigen Ultras", appelliert der Investor auf seiner Facebook-Seite. 

Die berühmte Nordkurve wirkt wie ausgestorben

Der Grund für Ismaiks Flehen ist, dass sich zwei der größten Löwen-Ultragruppen vor Saisonbeginn aufgelöst haben. Die Giasinga Buam und die sagenumwobene Cosa Nostra sind Geschichte - und das merkt man der Nordkurve an. Keine Fahnen, kaum Gesänge. Beim Saisonauftakt gegen Bielefeld wirkte sie wie ausgestorben. Ebendiese Nordkurve war der ganze Stolz der Löwen. Lange rühmte man sich damit, dass fünftausend Sechzger mehr Stimmung machten als 60.000 Bayernfans.

Die Umstände, unter denen sich die beiden Gruppen auflösten, könnten unterschiedlicher nicht sein. Bei den Buam ist der Fall klar: Ihnen wurden von Bayern-Anhängern zwei Zaunfahnen gestohlen - in Ultrakreisen bedeutet das, dass die beklaute Gruppierung sich auflösen muss. In einem Statement schreiben die Buam, dass sie der Nordkurve und dem Verein dennoch verbunden bleiben. Gut möglich also, dass sich einzelne Mitglieder neu entstehenden Fangruppierungen anschließen werden.

Cosa Nostra - Schluss nach 15 Jahren Support

Komplizierter ist das bei der Cosa Nostra, vor 15 Jahren als besonders leidensfähige und stimmgewaltiges Epizentrum des Löwen-Supports gegründet und über die Jahre durch aufwendige Choreographien über die bayerischen Grenzen hinaus bekannt geworden. Warum zieht sich so eine eingefleischte Fangruppierung klammheimlich zurück? "Danke an all unsere Weggefährten und Sympathisanten, die uns im Kampf für Unsere Farben, Unsere Stadt, Unseren Verein, Unser Stadion, Unsere Kurve und unsere Sache unterstützt haben", heißt es in einem dünnen CN-Facebookstatement. In den letzten Jahren war die Cosa Nostra immer ruhiger geworden, zog sich aus dem Herz der Kurve in den Oberrang zurück. Ist also ein schleichendes Entfremden zwischen Fans und Verein der Grund für die Auflösung? Oder hat die jahrelange sportliche Misere der Blauen (Sechzig ist mittlerweile der dienstälteste Zweitligist) die Cosa Nostra vergrault? "Es gibt eine innere Zerrissenheit eines großen Teils der aktiven Fans nach dem Einstieg des Investors Hasan Ismaik", sagte Lothar Langer vom Fanprojekt München vor einigen Wochen im tz-Gespräch. Diese Zerrissenheit gilt es für die Beteiligten jetzt aufzuarbeiten.

Wie geht's jetzt weiter?

Die Giasinga Buam und die Cosa Nostra hinterlassen ein tiefes Loch in der Löwenseele. Wer es füllen soll, ist bisher unklar. Fakt ist: Es muss was passieren auf der Nordkurve. Sonst drohen den Sechzgern 16 triste Bundesliga-Heimspiele ins Haus. Und: Wie wichtig die Unterstützung der Fans für die Mannschaft ist, hat die jüngere Vergangenheit gezeigt. Wenn es laut war in der Arena, hat das Team meist geliefert. Der Verein will sich zur miesen Stimmung in der Nord erst mal nicht äußern. Löwen-Pressesprecherin Lil Zercher sagte unserer Redaktion am Freitag, dass es sich dabei um ein sensibles Thema handle und sie öffentlich dazu nichts sagen möchte. Zercher räumte aber ein: "Im Hintergrund laufen natürlich Gespräche". Sechzig ist also gesprächsbereit, wünscht sich die Ultras zurück. Das zeigt auch Ismaiks Facebook-Appell. Er reicht ihnen virtuell die Hand: "Ich kann unserer Ultrabewegung nur anbieten, dass ich bei meinem nächsten München-Besuch einen großen Fan-Gipfel einberufe".

Markus Ehrlich

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