Alte Recken, neue Retter

Wer bleibt, wer geht? Auf diese Spieler baut 1860

+
Drei Volltreffer: Levent Aycicek, Jan Mauersberger und Sascha Mölders (v.l.) erwiesen sich in der zweiten Saisonhälfte als Volltreffer. Das Trio wurde in der Winterpause von 1860-Sportchef Oliver Kreuzer nach München gelockt.

München - Nach einem weiteren Zitterjahr setzt der TSV 1860 auf charakterstarke Spieler. Eine Übersicht über den aktuellen Kader, Leistungsbewertungen und die Perspektiven der einzelnen Spieler.

Die Profis sind durch seit Sonntag, ab sofort ist beim TSV 1860 vor allem Oliver Kreuzer gefordert. Nach Auskunft von Präsident Peter Cassalette arbeitet der Sportchef auf Hochtouren, um eine neue, schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. „Ich weiß, dass der Olli eine Tafel in seinem Büro hat“, sagte Cassalette jüngst: „Da stehen hinter jeder Position vier, fünf Spieler – viele der Namen kenne ich gar nicht. Aber jedes Mal, wenn ich wieder reinkomme, sind ein paar Namen gestrichen. Dann weißt du: Der Spieler ist schon mal weg.“ Bedarf haben die Löwen in jedem Mannschaftsteil, denn elf Verträge laufen aus, fünf Abschiede stehen bereits fest, weitere künden sich an. Eine Übersicht über den aktuellen Kader, Leistungsbewertungen und die Perspektiven der einzelnen Spieler.

Eicher, Vitus: Vergangenes Jahr noch Stammspieler mit großem Anteil an der Rettung in der Relegation, diese Saison mit schwankenden Leistungen und dem Verlust seines Stammplatzes. Eichers Vertrag läuft noch ein Jahr, doch das könnte ein schwieriges werden. Laut „kicker“ bemüht sich Kreuzer um Jaroslav Drobny, 36, den er aus seiner Zeit beim HSV kennt. In Hamburg haben sie keine Verwendung mehr für den tschechischen Routinier.

Ortega, Stefan: Dass sich die Löwen um Drobny bemühen, spricht auch nicht für Ortega, die Nummer 1 der zweiten Saisonhälfte. In der Kabine ist der heißblütige Halbspanier einer der Wortführer, sein Ehrgeiz tut dem Team gut, doch Kreuzer scheint beiden Torleuten nur bedingt zu vertrauen. Bereits im Winter hatte er sich um Dirk Orlishausen bemüht, den er aus seiner Zeit beim KSC kennt.

Adlung, Daniel: Kreuzer wich aus, als er zur Zukunft des Vizekapitäns befragt wurde. Einem Zeitungsbericht, wonach Adlungs Abschied beschlossene Sache sei, widersprach er energisch, doch Fakt ist: Der Mittelfeldspieler ließ seiner herausragenden letzten Saison eine sehr mäßige folgen. Weniger Einsätze (auch verletzungsbedingt), weniger Vorlagen, weniger Tore. Status: Vertrag läuft aus. Dynamo Dresden ist angeblich interessiert.

Aycicek, Levent: Angehender Zehner von Werder Bremen (Vertrag bis 2018), den Kreuzer mit der Aussicht locken konnte, mal in der Allianz Arena zu spielen. Überzeugte als dribbelstarker Dauerläufer und soll weiter ausgeliehen werden. „Idealerweise mit Kaufoption“, sagt Kreuzer.

Bandowski, Jannik: Rangelt mit Krisztian Simon um den Titel „Pechvogel des Jahres“. Seine Saison begann mit einem Ermüdungsbruch im rechten Fuß – und endete mit der gleichen Verletzung. Dazwischen reichte es zu gerade mal einem Einsatz. Eigentlich müsste die Dortmunder Leihgabe zurück zur Borussia (Vertrag dort bis 2017), doch die Chancen, ihn in München zu halten, stehen gut.

Beister, Maximilian: Bei Düsseldorf einst ein Reißer, bei 1860 ein Schatten früherer Tage. Indiskutable Jokereinsätze, lustlose Körpersprache. Mainz will die Leihgabe nicht zurück, der Karlsruher SC greift angeblich zu.

Bülow, Kai: Relegationsheld 2015, auch heuer wieder mit wichtigen Toren. Zählt nach sechs Jahren bei 1860 fast zum Vereinsinventar. Bülows Vertrag hat sich automatisch verlängert. Als Allrounder, Teamplayer und Verwalter der Mannschaftskasse wird er auch weiterhin wertvoll sein.

Claasen, Daylon: Vom Flop zum Volltreffer – diese Entwicklung hätten dem flinken Südafrikaner nur die wenigsten zugetraut. Kandidat für eine Vertragsverlängerung. Nur am Torschuss muss der Flügelflitzer ein wenig feilen.

Degenek, Milos: Zu Saisonbeginn als Entdeckung gefeiert, bei Benno Möhlmann dann Bankdrücker, zuletzt immerhin mit Aushilfsjobs (hinten links). Besser läuft es für den gebürtigen Serben international. Er bestritt seine ersten U 21-Länderspiele für Australien, das Land, in das Familie Degenek einst flüchtete. Ende des Monats steht seine Premiere im A-Nationalteam an – gegen England.

Hain, Stephan: Der Wechsel zum TSV 1860 brachte dem früheren Augsburger kein Glück. Immer wenn Hain auf dem Sprung zum Stammspieler war, kam eine Verletzung dazwischen. Mit seinem stillen Wesen ging der Zwieseler fast ein bisschen unter beim lauten TSV. Bezeichnend: Bei seinem einzigen Tor für die Löwen wurde er angeschossen (2:1 gegen Bochum/April 2015). Die Wege werden sich folgerichtig trennen.

Kagelmacher, Gary: Solide Saison mit wenigen Impulsen nach vorne aber teils spektakulären Rettungsaktionen auf der Torlinie (Kaiserslautern!). Hannover soll am Uruguayer interessiert sein, die Ablöse käme 1860 nicht ungelegen.

Karger, Nico: Die 2. Liga scheint noch eine Klasse zu hoch zu sein für den Ex-Torjäger der U 21. Aber: Der Verein setzt auf ihn. Sein Vertrag wurde bis 2019 verlängert.

Löwen bleiben in 2. Liga: Zwei Zweier, ein Fünfer

Lacazette, Romuald: Entdeckung der Rückrunde. Keiner setzt das offensive Verteidigen so beherzt um wie der Bruder des französischen Nationalspielers Alexandre Lacazette. Ein Talent, dem die Zukunft gehören könnte.

Liendl, Michael: Als Mann der ruhenden Bälle einer der wichtigsten Spieler der Rückrunde, für das aggressive 4-3-3 von Daniel Bierofka dann verzichtbar. Bleibt noch ein Jahr und wird vermutlich auch weiter polarisieren.

Mauersberger, Jan: Wichtiges Tor gegen Paderborn. Übernahm den Retter-Stempel von Bülow und ist inzwischen nicht mehr aus der Innenverteidigung wegzudenken. Wünscht sich ein Team „aus Spielern, die rennen und kämpfen“, geht selber mit bestem Beispiel voran. Prädikat: Top-Wintertransfer.

Mölders, Sascha: Kam zum Jahreswechsel aus Augsburg und wurde zum Gesicht der runderneuerten Löwen. Kantig, kämpferisch, torgefährlich – ein Stürmer, der ankommt beim 1860-Anhang. Prädikat: Glücksgriff. Dass sich sein Vertrag bis 2018 verlängert hat, könnte sich als wichtiges Signal erweisen.

Mugosa, Stefan: Erinnert daran, dass zwischen Gerhard Poschner und Oliver Kreuzer auch mal Necat Aygün auf dem Sportchef-Sessel saß. Kreuzer hält große Stücke auf den Montenegriner, doch bislang konnte der Stürmer seine viel gepriesenen Trainingsleistungen nie auf den Platz bringen. Vertrag bis 2018.

Neudecker, Richard: Das nächste Riesentalent, das die Löwen nicht rechtzeitig mit einem angemessenen Vertrag ausgestattet haben. Wechselt ablösefrei nach St. Pauli. „Für ’n Appel und ’n Ei“, wie Ex-Löwen-Coach Ewald Lienen kritisch anmerken würde.

Okotie, Rubin: Kann viel, zeigte es aber nur selten in seinem zweiten und letzten Löwen-Jahr. Will sich bei der EM für höhere Aufgaben empfehlen. Sein Hattrick in Paderborn bleibt hängen.

Rama, Valdet: Technisch top, würde er sich vor dem Tor geschickter anstellen, wäre er kaum bei 1860. Sein gut dotierter Poschner-Vertrag läuft aus, Kreuzer versucht trotzdem, ihn zu halten.

Rodnei: Dauerverletzt, aber für einen Auftritt mit Erinnerungswert reichte es. Beim 2:2 gegen seinen Ex-Klub Leipzig räumte der Rustikalverteidiger (fast) alles ab. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr, doch am Duo Schindler/Mauersberger dürfte der Brasilianer kaum vorbeikommen.

Schindler, Christopher: Der Kapitän als Vorbild. In einer weiteren nervenaufreibenden Saison endgültig zum Anführer gereift. Überzeugte in der heißen Phase des Abstiegskampfes mit immenser Kopfballstärke und mentaler Unerschütterlichkeit. Harmoniert inzwischen bestens mit Neuzugang Mauersberger.

Simon, Krisztian: Rangelt mit Jannik Bandowski um den Titel „Pechvogel des Jahres“. Erlitt im Herbst einen Kreuzbandriss – und im Frühjahr gleich wieder. Zeit, um zu genesen, hat er. Sein Vertrag läuft bis 2018. Grundsätzlich ist der schnelle Ungar ein Spieler mit Potenzial.

Stahl, Dominik: War selten fit, zeigte aber beim 3:2 gegen Düsseldorf, dass auf ihn Verlass ist. Vertrag läuft aus.

Sukalo, Goran: Bei Fürth ein hoch angesehener Führungsspieler. Sollte diesen Part auch bei 1860 übernehmen, verletzte sich aber und steht erst jetzt vor seiner Premiere – beim Saisonausklang in Frankfurt. Wird im August 35, soll aber noch ein Jahr für 1860 die Knochen hinhalten.

Nach Klassenerhalt: Löwen-Party im M.C. Mueller

Vallori, Guillermo: Hatte nach seinem Kreuzbandriss einen Gnadenvertrag bekommen, doch zu einem Einsatz reichte es nicht mehr. Derzeit lässt sich der Mallorquiner ein paar Krampfadern rausoperieren, um nächste Saison beim spanischen Drittligisten Atlético Baleares (mit Trainer Christian Ziege) neu angreifen zu können.

Wittek, Maximilian: Kernig, frech und als Linksverteidiger nahezu konkurrenzlos im Kader, dem er maximal noch ein Jahr angehören wird (Vertrag bis 2017). Bereits im Winter sagte der Echinger, dass er sich einem Angebot aus der Ersten Liga kaum verschließen würde. Für 1860 wäre das ein echter Verlust, denn wie dynamisch er sein kann, zeigte Wittek zu Beginn der Saison und in den Spielen unter Daniel Bierofka. Auch sein kultureller Beitrag fürs Team ist nicht zu unterschätzen. Watten, Schafkopfen – kann ja sonst kaum einer mehr.

Yegenoglu, Sertan: In größter Not zogen die Löwen das Talent vom FC Hennef 05 aus dem Ärmel, doch der junge Innenverteidiger zahlte Lehrgeld. Drei grobe Patzer, drei 0:1-Pleiten. Es spricht für den Deutschtürken, dass er sich trotzdem nie hängen ließ – und weiterhin auf seine Einsatzminuten kam.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Nach Medienbericht: Dieser Portugiese wird nicht 1860-Trainer
Nach Medienbericht: Dieser Portugiese wird nicht 1860-Trainer
1860 vs Dresden: Polizei im Dauereinsatz
1860 vs Dresden: Polizei im Dauereinsatz
Ismaik: So entwickelte sich sein Verhältnis zu den Fans
Ismaik: So entwickelte sich sein Verhältnis zu den Fans
So hat Bierofka die Löwen wieder aufgeweckt
So hat Bierofka die Löwen wieder aufgeweckt

Kommentare