1860-Präsident über Investor, Geschäftsführung und Planung

Cassalette zu Ismaik: "Immer mit der Ruhe, Hasan!"

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Und 2017 der Aufstieg? „Das Wort darf keiner in den Mund nehmen“, betont Peter Cassalette (l.). Hasan Ismaik (r.) musste er schon „einbremsen“.

München – 1860-Präsident Peter Cassalette genießt die Rettung seiner Löwen und muss jetzt mit dem Clan von Hasan Ismaik verhandeln. So geht es nun weiter.

Der Vip-Raum kochte und Peter Cassalette genoss den Trubel. Immer wieder musste er das Interview abbrechen, weil irgendwo ein Jubelgesang angestimmt wurde, aber das war dem Oberlöwen egal. „Ich bin froh, dass ich nicht als Abstiegspräsident in die Geschichte eingehe“, sagte er.

Herr Cassalette, als Sie im November als Präsident angetreten sind, war der TSV 1860 ein scheinbar hoffnungsloser Abstiegskandidat. Jetzt ist die Rettung geglückt, in einem Nervenspiel zwar, aber sogar vorzeitig. Fühlt man sich da um Jahre gealtert?

Peter Cassalette: Bei 1860 alterst du jede Woche um ein Jahr, das war im Spiel gegen Paderborn nicht anders, denn zwischendurch sah’s ja mal wieder nicht so rosig aus. Wenn mir einer Mitte der zweiten Halbzeit ein Unentschieden angeboten hätte, hätte ich sofort eingeschlagen. Aber so ist es natürlich super. Kurz dürfen wir uns freuen, aber dann beginnt auch schon die Planung für die neue Saison.

Sportchef Oliver Kreuzer muss sich um einen neuen Trainer und einen schlagkräftigen Kader bemühen, Ihnen fällt wieder mal die Aufgabe zu, mit Investor Hasan Ismaik in Verhandlungen zu treten ...

Cassalette: Hasan selber kommt leider nicht, aber er hat seine ganzen Topleute geschickt, seinen Finanzchef, seinen Marketingchef, seinen Juristen ... Bei unserem Treffen geht es in erster Linie um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gesellschaftern. Da hat’s ja in den letzten Jahren immer mal wieder geknatscht, daher wollen wir diesmal von vornherein bestimmte Grundsätze absprechen und Regeln fixieren. Dass das in Zukunft einfach alles ein bisschen besser abläuft. Es bringt ja nichts, wenn nur ich mich mit dem Hasan gut verstehe.

Mit dem Rückenwind durch die vorzeitige Rettung dürften die Gespräche mit dem Ismaik-Clan etwas leichter fallen, oder?

Cassalette: Entscheidungen werden wir zunächst keine treffen, aber es ist in jedem Fall ein Vorteil, dass wir nicht in die Relegation müssen. Dann hätten wir wieder zweigleisig planen müssen – und zwei wertvolle Wochen verloren.

"Das Wort 'Aufstieg' darf keiner in den Mund nehmen"

Gab’s schon eine Reaktion von Ismaik selber?

Cassalette: Wir beide stehen ja ständig in Kontakt, und ich muss ihn auch schon wieder ein wenig einbremsen. Er fragte gleich wieder: Und, was passiert nächste Saison? Gehen wir den Aufstieg an? Da muss ich natürlich auf ihn einwirken und sagen: Immer mit der Ruhe, Hasan! Aber die sind halt immer gleich so euphorisch. Ich denke, wir müssen erstmal ein solides nächstes Jahr spielen und nicht gleich wieder vom Aufstieg sprechen. Das wäre jetzt mehr als ungut, schon wieder damit anzufangen. Das Wort darf keiner in den Mund nehmen.

Worauf kommt es denn an? Welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Cassalette: Wir müssen schauen, dass wir eine solide Basis herkriegen, auch vom Personal her. Trainer, Spieler, Management. Dass da endlich mal wieder Konstanz reinkommt. Es klingt einfach, ist aber trotzdem schwer: Wir müssen vernünftig planen und den Vorteil nutzen, dass wir mehr Vorlauf haben als letztes Jahr.

Kennen Sie die Gedankenspiele von Sportchef Oliver Kreuzer?

Cassalette: Alle nicht, aber ich weiß, dass der Olli eine Tafel in seinem Büro hat. Da stehen hinter jeder Position vier, fünf Spieler – viele der Namen kenne ich gar nicht. Aber jedes Mal, wenn ich wieder reinkomme, sind ein paar Namen gestrichen. Dann weißt du: Der Spieler ist schon mal weg. Aber Olli hat viele Ideen, und es ist auch gut, dass er nicht jeden Tag davon redet.

In der 1860-Geschäftsführung könnte sich noch etwas tun

Jetzt, da Ihr erstes halbes Jahr als Präsident rum ist: Wie fällt Ihr Fazit aus?

Cassalette: Schwierig. Bei 1860 ist alles schwer. Es gibt viele, die immer alles besser wissen. Viele, die versuchen, dir reinzureden. Man muss sich positionieren und auch stark sein, sonst gehst du unter.

Unklar ist bislang, was aus den beiden Geschäftsführern wird, aus Markus Rejek und Noor Basha. Im Februar wollte Ismaik beide weghaben.

Cassalette: Ich will dem nicht vorgreifen, aber es steht auf der Agenda. Da steht jetzt nicht drauf: Rejek oder Basha, sondern Geschäftsführung 1860. Ich kann mir vorstellen, dass der Hasan in diesem Punkt noch Einfluss nehmen will.

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