1860-Sportchef zieht die Reißleine

Moniz weg - Poschner: "Sind kurzfristig gescheitert"

München - Die Tasche über die linke Schulter hängend, zwei Koffer hinter sich herziehend – so verließ Ricardo Moniz gestern Vormittag um kurz vor elf den TSV 1860.

Ricardo Moniz bei der Abfahrt von der Grünwalder Straße.

Mit zwei Taschen beladen und einen Rollkoffer hinter sich herziehend – so verließ Ricardo Moniz gestern Vormittag um kurz vor elf den TSV 1860. Seinen dunklen VW Touareg hatte der Niederländer im hintersten Eck des Löwen-Parkplatzes abgestellt, entsprechend groß war die Reporter- und Fantraube, die sich auf dem Weg um den 50-Jährigen bildete. Moniz’ letzte Worte, bevor er vom Gelände brauste: „Ich kann nichts sagen. Die Enttäuschung ist sehr groß.“

Um 8.30 Uhr war Moniz von 1860-Sportgeschäftsführer Gerhard Poschner über sein Aus bei den Löwen informiert worden. „Er hat es sehr professionell, aber auch emotional aufgenommen“, sagte Poschner, der den gelernten Physiotherapeuten im Juni einen Zweijahres-Vertrag bei 1860 hatte unterschreiben lassen.

Woran ist Moniz gescheitert?

„Die Begründung ist relativ simpel“, sagte Poschner Mittwoch-Mittag. „Die sportliche Situation ist sowohl von den Ergebnissen als auch von der Leistungsentwicklung her nicht positiv. Wir haben zweimal in Überzahl verloren (in Lautern und Sandhausen, d. Red.) und außer 25 Minuten in Lautern und einer halben Stunde in Heidenheim nichts Erfolgversprechendes gezeigt. Ausschlaggebend waren die letzten beiden Spiele, in denen die Mannschaft deutliche Schritte in die falsche Richtung gemacht hat.“ Und das, obwohl Moniz laut Poschner „komplett frei“ über die Aufstellung habe entscheiden dürfen.

Bilder: 1860 entlässt Moniz, Von Ahlen trainiert

Bilder: 1860 entlässt Moniz, Von Ahlen trainiert

Gegenüber der tz fügte Poschner an, dass Moniz auch bei einem 0:0 in Sandhausen beurlaubt worden wäre. „Ob du so ein Scheißtor kriegst oder nicht, ändert nichts an der Leistung in den 92 Minuten zuvor. “ Nach der Ankunft in München war die Mannschaft von einer Hundertschaft Fans am Löwenstüberl (friedlich) zur Rede gestellt worden.

Wie groß ist die Chance für Markus von Ahlen, dauerhaft Chefcoach zu bleiben?

„Es spricht momentan nichts dagegen“, sagte Poschner. „Wir haben am Freitag gegen Fürth ein sehr wichtiges Spiel, Markus kennt die Mannschaft, die Entwicklung der Spieler. Wir haben uns mit keinem anderen Trainer unterhalten.“

Müssen die Saisonziele korrigiert werden?

Noch will Poschner nicht nach unten blicken. „Wir stehen nach wie vor am Anfang der Saison“, sagt er. „Unsere Zielsetzung bleibt ein Platz unter den ersten sechs.“ Moniz habe sich mit seinen Sprüchen keinen Gefallen getan. „Da wurde eine Erwartungshaltung erzeugt, die schwer zu erfüllen ist.“

War der Umbruch mit zehn neuen Spielern zu radikal?

Poschner ist „nach wie vor überzeugt, dass es richtig war, den Umbruch so zu machen“. Moniz’ Beurlaubung sei „sicher auch eine persönliche Niederlage“ für ihn als Sportchef, trotzdem sei das „Projekt“ 1860 nicht im Eimer. „Wir sind kurzfristig gescheitert. Keiner ist angetreten und hat gesagt, dass wir in einer Saison die Welt einreißen werden.“

Ticker: So lief der Mittwoch an der Grünwalder Straße

lk

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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