Er kennt Falko Götz noch gut

1860-Trainer für ein Spiel: Das ist Denis Bushuev

München - Der loyale Denis Bushuev empfindet es als Ehre, bei seinem TSV 1860 München als Cheftrainer auszuhelfen. Doch wer ist der starke Mann für das Frankfurt-Spiel eigentlich?

Langeweile ist ein Fremdwort beim TSV 1860. Auch jetzt, da die vorzeitig geretteten Löwen aus ihrer Feierstimmung gerissen werden, um beim akut bedrohten FSV Frankfurt noch einmal Wettkampfbereitschaft vorzugaukeln. Für Abwechslung sorgen schon die unterschiedlichen Gesprächspartner, die im Medien-Container an der Grünwalder Straße vorgeführt werden. Zur Erinnerung: Zu Saisonbeginn nahm dort der hemdsärmelige Kumpeltyp Torsten Fröhling Platz, dann der leicht spröde, aber stets hintergründige Benno Möhlmann; für ein Spiel auch mal Kurt Kowarz, seine hessisch plaudernde Krankheitsvertretung. Retter Daniel Bierofka, der neue Vereinsheilige, ist mit seiner bodenständigen Art immer ein Erlebnis. Und am Freitag war es eben Denis Bushuev, der seine Premiere auf dem Chefsessel feierte. Bekanntlich zwingt die DFL den lizenzlosen Bierofka in die Co-Trainerrolle.

Bushuev, der gebürtige Russe, ist schon optisch ganz anders als alle seine Vorgänger. Kräftiger Körperbau, autoritärer Blick. Man staunt, dass er Baujahr 1982 ist – wie Guillermo Vallori, der scheidende Teamsenior. Bushuev weist gerne darauf hin, dass er seit drei Jahren einen deutschen Pass hat, doch man hört ihm an, dass er in der Sowjetzone sozialisiert wurde. Kein Adjektiv zu viel, kein überflüssiges Füllwort. „Wir fahren nach Frankfurt, um das Spiel zu gewinnen“, sagte er mit hartem russischem Zungenschlag. „Es geht um viel Geld – und um einen besseren Pokalstart.“ Soll heißen: Halten die Löwen Platz 14, würden sie bei der Ausschüttung der TV-Gelder profitieren (plus 450.000 Euro). Ferner wäre ein Platz im Topf der 32 gesetzten Pokalteams garantiert – wo man Großkalibern wie dem FC Bayern aus dem Weg gehen könnte.

Plötzlich in der Verantwortung: Denis Bushuev (r.), ein treuer Co-Trainer der Löwen, steigt für ein Spiel zum Chef auf. Retter Daniel Bierofka rückt ins zweite Glied.

Nicht nur für die Löwen, sondern auch für Bushuev steht zudem ein spannendes Wiedersehen an: Falko Götz, Coach des FSV, ist das Gesicht des unnötigen Löwen-Abstiegs 2004 und auch zwölf Jahre danach für viele Blaue ein rotes Tuch (wenngleich er fünf Spieltage vor Schluss entlassen wurde). Bushuev hat eine angenehmere Erinnerung an den Berliner, der jetzt sein Trainerkollege ist: „Ich kenne Falko Götz noch von Hertha-Zeiten“, berichtet er: „Ich war ein 17-jähriger Russe, als er die Amateure betreut hatte. Er hat mir nach meinem Probetraining einen Vierjahresvertrag gegeben.“
Nach einem Jahr in Oberhausen landete Bushuev 2004 in München – sein Vater half dem frisch abgestiegenen TSV mit einem Millionendarlehen aus. Bushuev spielte nie und schlug dann früh eine Co-Trainerlaufbahn ein: U 19, U 21, unter Alex Schmidt auch schon mal bei den Profis. Tapfer stand er es auch durch, als ihn der Verein vor ein paar Jahren aus der sicheren Anstellung klagen wollte. Am Freitag sagte er: „Es ist eine Ehre für mich, Trainer bei 1860 München zu sein. Ich habe bestimmt eine Sekunde überlegt – und dann zugesagt.“ Möglicherweise war das eine kleine Kostprobe seines berüchtigten russischen Humors: Bierofka hatte damals nach eigener Auskunft „zwei Sekunden“ benötigt.

Ansonsten hält sich Bushuev mit eigenen Ideen zurück, er will am Sonntag das fortführen, was in den drei Spielen unter Chef Bierofka so gut geklappt hatte. Die wenigen Änderungen sind gezwungener Natur: Mauersberger fehlt gelbgesperrt, Lacazette und Claasen sind angeschlagen, Eicher soll mit einem Bonusspiel belohnt werden. Bushuev sagt: „Wir wollen Platz 14 verteidigen, und ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.“

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