DFL will Aufklärung

Chaos beim TSV 1860: Wie lange geht das noch gut?

München - Sportlich macht der TSV 1860 derzeit kaum Schlagzeilen. Zu groß ist das Gerede um den Medienboykott. Wir beantworten die derzeit drängendsten Fragen.

Er heuert und feuert Angestellte nach Belieben, überzieht seine Kritiker mit Beleidigungen und Verboten, nur beim pflegeleichten Teil der Fans (und Blogger), da gilt Hasan Ismaik unverändert als treusorgender Moneten-Onkel, der schon dafür sorgt, dass seine Löwen den finsteren Mächten widerstehen und wieder zum Erfolg finden.

Realitätsverlust? Trifft’s nicht ganz. Denn dafür müsste man in der Realität erst mal angekommen sein. Auf die Sprünge helfen könnte Ismaik & Co. dabei nun die DFL. Seit Sonntagabend, seit dem Rücktritt von KGaA-Aufsichtsrat und Geschäftsführungsbeirat Karl-Christian Bay, wackelt das Konstrukt TSV 1860 bedenklich. Wir geben Antworten auf die derzeit drängendsten Fragen.

Warum schmeißt Bay hin?

„Mein Ziel einer Stabilisierung, Professionalisierung und Weiterentwicklung der KGaA einerseits sowie der Umsetzung einer Zukunftsvision für unseren Verein andererseits ist in den derzeitigen Strukturen nicht umsetzbar und erfordert neue Kräfte und Ideen.“ So ließ sich der Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer in der offiziellen Pressemitteilung am Sonntag zitieren. Aus dem Diplomatischen übersetzt: Mit einem Hauptgesellschafter und Finanzier Ismaik, der zustimmungspflichtige Entscheidungen im Alleingang trifft, steuert 1860 ins Nirgendwo. Das kann der Investor gerne weiter so treiben, aber ohne mich.

Wer Bays Nachfolger im e.V-Verwaltungsrat, im Aufsichtsrat der KGaA und im erwähnten Beirat wird, ist noch nicht geklärt. Ismaik meinte dazu bei Facebook, er sei sich sicher, „dass es viele Löwen gibt, die auf ihre Chance bei uns brennen“.

Welche Konsequenzen könnte Bays Abgang für 1860 haben?

Für den Ligaverband DFL, der den TSV 1860 in der vergangenen Woche dazu aufgefordert hatte, die Abläufe der jüngsten Entscheidungen im Detail darzulegen, dürfte Bay einer der wichtigsten Ansprechpartner sein/werden. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass Ismaik den Willen des paritätisch besetzten Beirats als Hort der 50+1-Regel bei der Abberufung der Geschäftsführer Gerges/Eichin und der Bestellung von Anthony Power missachtet hat, ist eine Sanktion wahrscheinlich. „Das kann von Geldstrafen und Punktabzügen bis hin zum Lizenzentzug führen“, sagte ein ehemaliger hochrangiger 1860-Funktionär am Montag auf Nachfrage der tz. „Ismaiks Ahnungslosigkeit und Machthunger werden dazu führen, dass am Ende alles in Schutt und Asche liegt.“ Ismaik bedauert Bays (und Verwaltungsrat Christian Waggershausers) Rücktritt. „Ich hoffe, dass sie ihre Entscheidung revidieren“, ließ er ausrichten. Einer aus dem inneren Zirkel des Vereins sagte dazu: „Hasan muss an den Tisch zurückkehren. Diese Einzelgängernummer schadet letztlich auch ihm, er ist schließlich kein Experte.“

Wie reagieren die 1860-Sponsoren auf die jüngsten Ereignisse inklusive Medienboykott?

Der Versicherer „Die Bayerische“, seit dieser Saison Trikotsponsor bei 1860, verkündete bei Facebook: „Wir stehen zu dem Verein, den Gesellschaftern der KGaA und den handelnden Personen. (…) Dabei geht es nicht nur um wichtigen sportlichen Erfolg. Es geht auch darum, die Werte der Löwen aktiv zu leben: trotzig für die eigene Sache zu kämpfen, sich niemals geschlagen zu geben.“ Ein ehemaliges Mitglied des 1860-Sponsorenkreises sagte auf tz-Nachfrage: „Den Sponsoren geht durch den Medienboykott ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung verloren, für die sie letztendlich zahlen. Wenn ich noch Sponsor wäre, würde ich vorsorglich eine Änderungskündigung aussprechen. Oder, wenn es nicht gleich so hart sein soll, würde ich 1860 öffentlich auffordern, den vertraglichen Pflichten nachzukommen.“

Was sagen die Fans?

Allesfahrer Franz Hell : „Einen Fußballverein kann man nicht basisdemokratisch führen. Da muss einer das Sagen haben. Und es gibt ja den alten bayerischen Spruch: Wer zahlt, schafft an.“

Andreas Kern, Vizechef des Fanklub-Dachverbands ARGE sagt: „Herr Ismaik ist vielleicht ein bisschen impulsiv, aber ich werde ihn natürlich auch weiterhin unterstützen – seinen Kurs und den des Vereins wohlgemerkt. Meiner Meinung nach ziehen die schon an einem Strang. Wird schon wieder werden, denke ich.“

Achim „Sechzig“ Bogdahn, Moderator bei Bayern2, meint : „Wir sind der HSV des Südens! Und das Schlimmste ist: Ismaik heuert und feuert nach Gutsherrenart und nach Lust und Laune. Aber das Geld für diesen planlosen Personalwahnsinn schenkt er uns nicht, am Ende muss 1860 das alles bezahlen.“

Chaos beim TSV 1860

Nach dem Medien-Boykott: So gehen merkur.de und tz.de mit der Lage beim TSV 1860 um. Auch der Meisterkapitän von 1966, Peter Grosser, ärgert sich über das Vorgehen seines Vereins.

Sechser & Fünfer! Bilder & Noten zur 1860-Pleite in Braunschweig

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