Christoph Schindler im Merkur-Interview

Löwen-Kapitän: „Wir wissen alle, was auf dem Spiel steht“

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Christopher Schindler zählte auch in den letzten Spielen zu den 1860-Stützen

München -  1860-Kapitän Christopher Schindler spricht vor dem Kellerduell gegen Paderborn am Sonntag über den ständigen Stress im Existenzkampf, den blauen Teamgeist und den neuen Trainer. 

Christopher Schindler, 26, ist um sein Kapitänsamt in den vergangenen beiden Jahren nicht unbedingt zu beneiden gewesen. Mit dem TSV 1860 befand er sich fast ständig im Abstiegskampf. Im vergangenen Jahr retteten sich die Sechziger erst in letzter Minute in der Relegation. Auch diesmal müssen die Münchner zittern. Allerdings haben die Siege gegen Braunschweig (1:0) und St. Pauli (2:0) die Hoffnungen erheblich gestärkt, die insgesamt erneut verkorkste Saison könnte doch noch einen einigermaßen versöhnlichen Ausgang nehmen. 

Vor dem Kellerduell mit dem Tabellenletzten SC Paderborn (Sonntag, 15.30 Uhr, Allianz Arena) unterhielt sich unsere Zeitung mit Schindler über den Stress im Existenzkampf, den blauen Teamgeist, die Bedeutung der Fans und natürlich: über den neuen Trainer Daniel Bierofka.

Christopher Schindler, seit dem Sieg bei St. Pauli und dem Sprung auf Platz 14 herrscht wieder große Zuversicht im Löwen-Lager. Ihr früherer Teamgefährte Stefan Aigner glaubt sogar zu „1000 Prozent“ an die Rettung. Kann da noch was schiefgehen?

Das war natürlich ein Superspieltag für uns. Aber wenn man bedenkt, dass wir nur drei Punkte vom letzten Platz weg sind, ist das trügerisch. Andererseits steht auch fest: Wir haben es jetzt selbst in der Hand.

„Nach dem Trainerwechsel waren sofort neue Impulse spürbar“

Vor nicht einmal zwei Wochen war daran nicht zu denken. Durch die 1:2-Niederlage beim MSV Duisburg waren die Sechziger auf einen Abstiegsplatz abgestürzt. Da schaute es finster aus ...

Wir standen ja auch letztes Jahr schon ein paar Mal vor dem Abgrund. Es bleibt einem dann nichts anderes übrig, als sich bis zum nächsten Spiel wieder aufzurappeln und sich zu sagen: Wir schaffen das trotzdem. Natürlich war die Situation alles andere als einfach. Ich habe das auch bei mir ganz persönlich gemerkt. Die Magen-Darm-Geschichte (weswegen Schindler gegen Duisburg kurzfristig ausfiel/Anm. d. Red.) – das war auch so ein Indiz, dass man immer unter Spannung und Stress steht.

Waren Sie in Ihrer Rolle als Kapitän besonders gefordert?

Natürlich haben wir uns zusammengesetzt und bestimmte Dinge angesprochen, und das auch mal in einem schärferen Ton. Aber aktuell kommt es nicht auf die Rolle jedes einzelnen an. Bei uns weiß jeder, worauf es nach einer so unglücklichen Niederlagen wie in Duisburg ankommt. Da muss ich niemanden aufbauen. Da braucht’s keinen Aktionismus.

Die Wende kam dann mit dem neuen Coach, mit Daniel Bierofka ...

Nach dem Trainerwechsel waren sofort neue Impulse spürbar. Das hat bei uns neue Kräfte frei gemacht. Und dann hat sich auch das Glück wieder auf unsere Seite geschlagen.

Wie tritt Bierofka im Training auf?

Biero ist sehr akribisch und verlangt viel. Zugleich bringt er die nötige Lockerheit rein und ist nahbar. Ich spüre das ganz besonders, weil wir schon zusammen gespielt haben. Wir unterhalten uns genauso wie in der Zeit, in der wir noch Teamkollegen waren.

Bierofka ist ja bekannt als eingefleischter Löwe, als Identifikationsfigur. Merkt man das auch im Training?

Klar, er lebt das. Und es nötigt einem auch Respekt ab, dass Biero in so einer schwierigen Situation eingesprungen ist. Er hat ja als Trainer noch nicht die große Erfahrung; bei ihm ist das unheimlich schnell gegangen. Wenn man bei 1860 die höchste Verantwortung als Trainer trägt, dann kann man das auch als Druck verstehen. Aber Biero hat sich von Anfang an darauf gefreut. Das gab und gibt der Mannschaft Sicherheit.

Was hat sich an der Spielweise geändert?

Wir agieren jetzt nicht mehr so aus einer abwartenden Haltung heraus, sondern wir setzen den Gegner unter Druck und wollen ihn früh zu Fehlern zwingen. Aus so einer Situation heraus ist auch das 1:0 gegen St. Pauli gefallen. Wir spielen jetzt überhaupt mehr nach vorne, nicht zuletzt über unsere schnellen Außen.

„Wir gehen mit einem positiven Gefühl ins Spiel gegen Paderborn“

Am Sonntag gegen Paderborn stehen die Löwen vor dem wohl wichtigsten Spiel der Saison. Im Falle eines Sieges wäre der Klassenerhalt so gut wie sicher...

Man darf nicht vergessen: Paderborn ist eine gute Mannschaft und hat sehr gute Einzelspieler, vor allem in der Offensive. Die hatten einfach auch Pech, so wie zuletzt beim 1:2 gegen Freiburg. Aber wir haben auch eine gute Mannschaft. Das wird ein ganz enges Spiel, der Ausgang ist offen. Wir gehen natürlich mit einem positiven Gefühl in die Partie.

Nach den letzten beiden Siegen spricht die Ausgangslage für Sechzig.

Damit ist aber nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Für uns zählt jetzt nur eines: Ein Sieg gegen Paderborn. Das sieht man auch im Training. Da war zuletzt richtig Feuer drin. Wir alle wissen: Wir müssen jetzt noch diesen letzten Schritt gehen. Wir wissen, was auf dem Spiel steht, was alles passieren kann.

Es werden um die 50 000 Zuschauer erwartet. Schon im Abstiegskampf der letzten Saison leisteten die 1860-Fans, sozusagen der zwölfte Mann, wertvolle Unterstützung. Wird der Heimvorteil auch diesmal wieder den Ausschlag geben?

Das puscht natürlich unglaublich, wenn das Publikum spürt, in was für einer Situation man ist. Und wenn nach einer gelungenen Aktion, nach einem gewonnen Kopfball, nach einer Grätsche das komplette Stadion aufsteht – dann macht uns das stark und bringt den Gegner zur Verzweiflung. Die Fans sind ein ganz wichtiger Faktor für uns.

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