Willensstarke Löwen

DFB-Pokal: 1860 München bis zum Schluss auf dem Gaspedal

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Der TSV 1860 München besiegt den Karlsruher SC im DFB-Pokal.

München - Der TSV 1860 München besiegt den Karlsruher SC im DFB-Pokal. Die willensstarken Löwen ziehen in die zweite Pokalrunde ein.

Die Nachspielzeit war fast rum, im Pokalduell zwischen dem TSV 1860 und dem Karlsruher SC stand es 1:1 (0:0), da kam im Kleinhirn des Fußballers Stefan Aigner ein freundlicher Hinweis an – es war die innere Stimme des Familienvaters Stefan Aigner, die sich da plötzlich meldete. „Ich wollte meinen Kleinen noch sehen, der geht meistens vor 22 Uhr ins Bett“, funkte Papa Aigner, und ein Blick auf die Arena-Uhr verriet: Es ging schon auf 20.30 Uhr zu. Also fasste der Rechtsaußen Aigner einen klugen Entschluss. „Ich hatte keinen Bock auf Verlängerung und dachte schon: Scheiße! Von daher war es mir wichtig, dass wir es noch in der regulären Spielzeit schaffen.“

Mit den letzten Körnern in seinen müden Beinen zog der Außenbahndynamiker einen finalen Sprint an, nahm Karim Matmour ins Visier, der unbemerkt von der Karlsruher Verteidigung in deren Strafraum gesprintet war – eine präzise Flanke, ein überlegter Abschluss: 2:1 für den TSV 1860 München. Zweite Runde im DFB-Pokal vorzeitig gerettet – und dazu noch ein bisschen „Quality Time“, wie in modernen Familien das entspannte Verbringen von Vater-Mutter-Kind-Zeit genannt wird.

„Es spielt sich immer besser ein“, sagte Aigner und meinte damit weniger das Familienleben mit Partnerin Laura und Filius Felix (sechs Monate). Sondern das Zusammenspiel mit seinen Teamgefährten, die sich vor drei Wochen noch als Fremde in der Kabine und auf dem Platz begegnet waren. „Wir haben uns gegenüber Fürth (0:1) und Bielefeld (1:0) wieder gesteigert“, bilanzierte Aigner: „Wir haben uns klarere Chancen rausgespielt und aus meiner Sicht verdient gewonnen.“

Mit Blick auf das Chancenplus der Karlsruher vor der Pause sahen das nicht alle so. „Es war eine der bittersten Niederlagen, die ich miterleben durfte“, haderte Tomas Oral. Doch das Lamento des KSC-Coach war den Löwen egal. Zu süß schmeckte dieser Sieg, den sich das Team von Kosta Runjaic ab der 60. Minute erarbeitet hatte. Mit flexiblem taktischen Spiel: Classen teilweise als Linksverteidiger, Liendl als letzter Mann zwischen den Innenverteidigern. Gelernte Defensivkräfte waren spätestens mit der Hereinnahme des furiosen Andrade (für Wittek) eine absolute Minderheit im Team der Gastgeber. „Für mich war es einer der schönsten Siege als Trainer“, drehte Runjaic die Worte seines Kollegen um. „Wir haben zwischendurch ein bisschen gewackelt, aber man muss fairerweise sagen: Höchste Qualität, wie Aiges den Ball zum Schluss noch ins Zentrum bringt.“ Drittes Spiel, dritte Torbeteiligung – der Rückkehrer wird den hohen Erwartungen an seine Person auf Anhieb gerecht.

30 Minuten früher als von vielen erwartet stand Aigner also in der Interviewzone. Hinter seinem Rücken hielt er die Auszeichnung für den „Man of the Match“. Eine vom DFB neu eingeführte Auszeichnung, mit der ein Teamplayer wie Aigner wenig anfangen kann. Lieber schwärmte er vom Zusammenspiel mit Matmour, den er bereits in Frankfurt kurzzeitig als Mitspieler erlebt hatte. „Ich sehe, dass er durchläuft und versuche, den Ball zwischen Torwart und ,Fünfer’ reinzubekommen.“ So fiel das 2:1. Beim 1:0 nach einer Stunde, das nicht lange Bestand hatte (weil Diamantakos per Scherenschlag ausglich/67.), war die Rollenverteilung genau andersherum. Da servierte Matmour – und Aigner vollstreckte. „Ist ja nicht so, dass wir nichts mit der Kugel anfangen können“, sagte Aigner stellvertretend für alle Teamkollegen.

Doch noch jemand hätte die Trophäe für den „Spieler des Tages“ verdient gehabt: Torhüter Jan Zimmermann, der gegen Krebs (20.), Torres (35.) und Valentini (52.) spektakulär gerettet hatte. „Ist natürlich schön, wenn man seinen Beitrag zum Sieg leisten kann – auch mit Paraden, nicht nur als Anspielstation und Dirigent“, meinte er. Generell fand Zimmermann aber, dass es „die Mentalität“ gewesen sei, die das Spiel gewonnen habe. „Ab der 85. Minute hat jeder gesehen: Die Karlsruher wollten in die Verlängerung, wir nicht. Wir sind weiter aufs Gaspedal gestiegen. Und wenn du mit einem 1:1 nicht zufrieden bist, dann sagt das schon viel aus.“

Am Samstag werden sich beide Teams in der Liga wiedersehen. Aigner merkte an, da sei ein Sieg „noch wichtiger“ – und verließ dann müde, aber zufrieden die Arena. Geburtstag hatte er auch noch (seinen 29.). Für ihn hatte es sich also gleich dreifach gelohnt, diesen Pokalabend vorzeitig beendet zu haben.

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