Kreuzer will offenbar ihn als Coach

Franco Foda: Einmal zum Mond – oder zu 1860

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Italienisches Blut, Österreich als Wahlheimat: Ex-Nationalspieler Franco Foda hat als Trainer von Sturm Graz so manchen Erfolg gefeiert.

München - Franco Foda gilt als Wunschtrainer von Sportchef Kreuzer für die Löwen. Bei seinem aktuellen Klub Sturm Graz soll der ehemalige Lauterer eine Ausstiegsklausel haben.

Am Sonntag wird es für Oliver Kreuzer, 50, erst spannend, wenn das letzte Saisonspiel seiner bereits geretteten Löwen beim FSV Frankfurt gerade abgepfiffen ist. Das wird gegen 17.20 Uhr der Fall sein, und zehn Minuten später wird der Sportchef des TSV 1860 nach Österreich blicken, auf das Finale der dortigen Bundesliga. Sturm Graz liefert sich mit Admira Wacker ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz vier, und vom Ausgang dieses Duells hängt auch ein bisschen die Löwen-Zukunft ab. Denn: Franco Foda, Topfavorit von Kreuzer für das Traineramt, kämpft mit den Steirern um eine Teilnahme an der Europa League (wozu Platz vier wohl reichen würde). Erreicht Foda sein Saisonziel, könnte er Graz durchs ganz große Tor verlassen, wie Uli Hoeneß sagen würde – wenn sie ihn denn gehen lassen.

Bei 1860 jedenfalls würde Kreuzer seinen alten Spezl mit offenen Armen empfangen: „Wir hatten in Graz drei erfolgreiche Jahre zusammen, sind Meister und Pokalsieger geworden und haben Europa League gespielt.“ Zwischen 2008 und 2011 war das. Jetzt ist Kreuzer in der 2. Bundesliga gelandet und weiß um die Tücken des Trainermarktes. Begehrte Männer wie Markus Gisdol und Jos Luhukay seien für 1860 außer Reichweite, „weil die abwarten, was in Liga eins passiert“. Einen „Newcomer“ aus der 3. Liga zu holen, ist Kreuzer zu riskant. Also setzt er auf Bewährtes, was er generell gerne tut. Siehe Mauersberger, siehe Beister. Siehe Markus Kauczinski. Den Noch-Karlsruher hätte er gerne geholt. Wie Foda zählt der künftige Ingolstädter zu jenen Trainern, die Kreuzer in jahrelanger Zusammenarbeit geprüft und für tauglich befunden hat.

Kreuzers Anforderungen an den neuen Trainer sind vielfältig. Er sollte erfahren sein, Offensivfußball spielen lassen und schon etwas vorzuweisen haben. All das trifft auf Foda zu (Lieblingssystem: 4-2-3-1), der auch in Kaiserslautern, seinem einzigen Trainerjob in Deutschland, eine achtbare Bilanz vorzuweisen hatte: 18 Siege, 13 Unentschieden, nur 8 Niederlagen. Kaiserslautern scheiterte damals in der Relegation an Hoffenheim, und Foda musste nach fünf Spielen der Folgesaison für Krassimir Balakow weichen: Auf Platz vier liegend – hinter den damals punktgleichen Löwen. „Seitdem hat Lautern keine 58 Punkte mehr in der 2. Liga geholt“, sagte Foda, 50, kürzlich im kicker-Interview. Er ließ dort auch wissen, dass seine Zukunft in alle Richtungen offen sei. „Es kann sein, dass ich noch zehn Jahre in Graz bin“, sagte er: „Aber auch eine Rückkehr nach Deutschland ist natürlich möglich.“

Foda gilt als Alphatier, soll dominant sein und mäßig kommunikativ. Angeblich darf er für eine festgeschriebene Ablöse im unteren sechsstelligen Bereich aus seinem bis 2017 laufenden Vertrag aussteigen. Sein Berater sagte, dass es noch keine Kontaktaufnahme seitens der Löwen gegeben habe. Foda habe mit Graz noch wichtige Spiele zu bestreiten, teilte Max Hagmayr mit: „Mehr ist momentan nicht zu sagen.“

Noch nicht, trifft es wohl besser. Schließlich wies auch Kreuzer darauf hin, dass er mit Klarheit in der T-Frage nicht vor Ende nächster Woche rechne – aus Respekt vor bestehenden Verträgen und zu erledigender Aufgaben der Kandidaten. Nach dem Abpfiff in den Ligen soll es dafür umso schneller gehen: „Die Trainerentscheidung ist das Hauptthema“, sagt Kreuzer.

Für Foda, der in Graz ein Haus hat, wäre ein Engagement in München Chance und Risiko zugleich. Chance, weil er sich bislang vor allem in Österreich einen Namen gemacht hat. Risiko, weil sich zuletzt kaum ein 1860-Trainer länger als wenige Monate im Amt halten konnte. Foda jedoch scheint auch ein Abenteurer-Gen in sich zu haben. Auf die Frage, was er bei einer Google-Suche gerne über sich lesen würde, nannte er die Mondlandung. Begründung: „Da würde ich gerne mal hin.“ Passt ja. Zum Mond geschossen haben die Löwen noch fast jeden Trainer.

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